Kultur

Achtung Abzocker, Robin Hood ist zurück!

Von Claudia Müller. Aktualisiert am 13.04.2010

Ridley Scott wird das Festival in Cannes mit seinem Film «Robin Hood» eröffnen. Höchste Zeit, die letzten Verfilmungen Revue passieren zu lassen und sich zu fragen, wieso der König der Diebe gerade jetzt den Reichen wieder das Fürchten lehrt.

1/8 Noch ein echter Strumpfhosen-Held: Errol Flynn im Film «The Adventures of Robin Hood» (1938) vom Regisseur Michael Curtiz und William Keighley.

   

«I would die for you», sagt Robin Hood (Kevin Costner) zu seiner Geliebten Marian (Mary Elizabeth Mastrantonio). Und es war geschehen. Nicht ganz. Erst mit den Klängen der herzzerreissenden Ballade von Bryan Adams («I do it for you») im Hintergrund hat Kevin Costner alle Frauenherzen erobert. Nicht nur das, der damals grosse Hollywoodstar ist zum romantischsten aller Strumpfhosen-Helden avanciert. Denn er trägt Hosen an Stelle der putzigen Leggings und erobert das Herz von Lady Marian wie kein anderer: Mit viel Gefühl trotz kleiner Regung.

Als Adeliger geboren sieht er sich nach der Ermordung seines Vaters und dem Verlust der Ländereien dazu gezwungen, für sein Überleben zu kämpfen. Er formt im «Sherwood Forest» eine Art Guerilla-Truppe, welche sich gegen das Regime des bösen Sheriff von Nottingham stellt. Lady Marian ist die Gefangene des Feindes aber auch die Geliebte des Gesetzlosen Robin von Locksley alias Robin Hood.

Die Auftritte des Gesetzlosen

Errol Flynns «Adventures of Robin Hood» (1938) ist von den älteren Verfilmungen wahrscheinlich die Bekannteste: Eine Karikatur eines Gesetzlosen, der aufgrund seiner Klischeehaftigkeit nicht gerade glaubhaft ist, aber der in seinen Strumpfhosen sogar männlich wirkt. Stets die Hände auf die Hüften gestützt, kämpft auch er für die Gerechtigkeit und natürlich um Lady Marian.

Der Film war ein Riesenerfolg und machte aus dem Hauptdarsteller einen grossen Star. Die grosse Weltwirtschaftskrise war zu dieser Zeit zwar vorüber aber die Rezession in den Jahren 1937 und 1938 sorgte für eine schleppende Erholung der Situation. In schlechten Zeiten, da will man auf der Leinwand den Alltag vergessen und da kommen Helden wie Robin Hood gerade richtig.

Inmitten von Errol Flynn und Kevin Costner war in den 80er-Jahren noch Michael Praed: Ein Frauenschwarm – wie übrigens Costner und Flynn – der jegliche Herzen schmelzen liess. In der britischen TV-Serie mit dem Namen «Robin of Sherwood», einer Fantasy-Version der Legende, spielt Praed den Anführer der Gesetzlosen.

Doch nach den frühen 90er-Jahren war Schluss mit dem König der Diebe. Irgendwie schien er nicht mehr zu interessieren. Nach den Zeiten der Yuppies und der Generation Golf will vom Sozialrevolutionär niemand mehr etwas wissen. Seit der Komödie im Jahre 1993 «Helden in Strumpfhosen» ist der Retter der Armen sowieso nur noch Klamauk.

Der neue Robin

Fast zwanzig Jahre später ist nun eine neue Verfilmung am Start. Ridley Scott, der britische Regisseur, bekannt für Filme wie «Thelma & Louise» (1991), «Gladiator» (2000) oder «Black Hawk Down» (2001) will mit 77 Jahren die Figur von Robin Hood revolutionieren. Er soll ganz anders werden, dieser ehemals Adelige, der sich gegen das Establishment stellt.

«Errol Flynn habe ihm nie gefallen, das sei sicher die schlimmste aller Verkörperungen», meint der Altmeister in einem Interview. Er will zwischen Robin, dem Mittelalter und der Welt von heute keine Verbindungen herstellen. Doch inmitten all dieser Mächte – der Religion und der Politik –, die immer undurchsichtiger und dreckiger werden, sei es sehr wichtig, den «Sherwood Forest» wieder zu thematisieren.

Zentral erscheint ihm, dass Robin nicht so flach und stereotyp dargestellt wird wie in den anderen Filmen. Schliesslich hat er nicht nur den Reichen das Geld entwendet, um es den Armen zu verteilen, er hat sich auch gegen bestehende Macht- und Korruptionsverhältnisse gestellt. Zurückgezogen haben sich Robin und seine Leute stets im Wald; ein mythischer Ort, der eine magische Wirkung auf die Menschen hat.

Die Machenschaften des «Finanzadels»

Inmitten einer der grössten Wirtschaftskrisen, die wir gerade durchleben, taucht der Sozialrevolutionär wieder auf. Der Trailer verspricht uns nicht nur die Legende, sondern die ganze Geschichte des Gesetzlosen zu erzählen. Wenn der Teil der Legende bestehen bleibt, der Robin Hood so bekannt machte – die Umverteilung der Gelder – dann könnte der Film ein Klassenschlager werden. Denn mit der Debatte um die Machenschaften des «Finanzadels» ist die Geschichte so aktuell wie schon lange nicht mehr. Deshalb schlägt Robin von Locksley endlich wieder zu und sorgt für Gerechtigkeit auf dieser Welt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2010, 18:58 Uhr

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