Als Captain Kirk bei Uhura landen wollte
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 30.04.2009 19 Kommentare
Film
«Star Trek: Die Zukunft beginnt» mit Zachary Quinto, Chris Pine, Regie: J.J. Abrams. Ab 7. Mai im Kino.
Im Sternenjahr 2003 machte das Raumschiff Enterprise zum letzten Mal in unseren Kinos Halt. Wie alle «Star Trek»-Filme erinnerte «Star Trek: Nemesis» an eine verlängerte, mit Special Effects hochgepimpte Episode der Kultserie. Nun startet mit «Star Trek: Die Zukunft beginnt» das inzwischen elfte Abenteuer der Science-Fiction-Reihe. Nach den Flops der Vergangenheit, war die Fangemeinde verständlicherweise skeptisch. Zumal mit J.J. Abrams ein bekennender Nicht-Trekkie Regie führte.
Damit nicht genug. Abrams, bekannt als Erfinder der Mystery-Serie «Lost», entschloss sich für einen radikalen Neuanfang. Er wollte zeigen, wie die Crew der Enterprise entstand und verlagerte die Handlung deshalb ans Hauptquartier der Sternenflotte, wo die angehenden Raumfahrer ihr Handwerk lernen. «Porträt von Captain Kirk als junger Mann», hätte die Tagline des Films lauten können. Der Trick ist nicht neu. Bereits «Batman», James Bond und «Star Wars» erforschten ihre eigenen Anfänge, mit unterschiedlichem Erfolg.
Legendäres Odd Couple der Filmgeschichte
In «Star Trek: Die Zukunft beginnt» treffen wir also auf den jungen Captain Kirk, oder vielmehr: James Tiberius Kirk, ein grossmäuliger Farmerjunge aus Iowa. Einem guten Faustkampf nicht abgeneigt, nimmt er es gegen ein paar Offiziere auf, um einer gewissen Uhura zu imponieren. Kein Wunder, die sieht aus wie Beyoncé – ist aber dummerweise bereits mit dem Vulkanier Spock liiert. Die beiden Männer, das weiss man aus der Originalserie, sind wie Sonne und Pluto. Hier der hitzköpfige, impulsive Kirk. Da der kühle, der Logik verpflichtete Spock. Und doch kann dieses legendäre Odd Couple der Filmgeschichte freilich nicht ohne einander.
Es sind Figuren wie Kirk und Spock, die «Star Trek» gross gemacht haben. Sowie Arzt Pille, Ingenieur Scotty oder der tollpatschige Navigator Chekov. Regisseur Abrams ist schlau genug, ihnen genügend Platz zu lassen. Genau genommen inszeniert er seinen Film rund um die Charaktere. Er zeigt, woher sie kommen und erklärt, wie ihre Macken entstanden sind (Halbblut Spock zum Beispiel wurde als Teenager von reinrassigen Vulkaniern fertiggemacht). Trotzdem gerät der Film weder zur Psychologiestunde noch zu einem Reigen von Insider-Witzen. Gerade weil die Charaktere buchstäblich zum ersten Mal etabliert werden, können auch Trekkie-Novizen der Handlung folgen.
Bruch mit puritanischer Haltung
Kein «Star Trek»-Film ohne den obligatorischen Vergleich mit «Star Wars». Während Letzteres auf lustige Monster und ein in Gut und Böse unterteiltes Universum setzt, zeichnet sich «Star Trek» durch Wurmlöcher und Paralleldimensionen aus. «Die Zukunft beginnt» bricht jedoch mit diesem Diktat. Abrams garniert sein Weltall mit wiesengrünen Ausserirdischen, Gyger-artigen Unwesen und Bösewichten, die aussehen wie Maori-Krieger.
Ganz ohne temporale Anomalien gehts dann allerdings doch nicht. Der junge Spock (hervorragend: Zachary Quinto) trifft in der Zukunft auf sich selbst als alter Mann (Leonard Nimoy). Und weil man mit dem Raum-Zeit-Kontinuum nicht ungestraft Schindluder treibt, explodieren Raumschiffe und implodieren ganze Planeten, kurz: im All rumst es wieder einmal tüchtig. Streng physikalisch müsste es zwar selbst bei einer Supernova totenstill sein, doch das ist halt weniger spektakulär. Zumal der neue «Star Trek»-Film vor allem eins will: Spass machen. Eine Mission, die die Enterprise-Crew mit stellarer Bravour erfüllt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.04.2009, 10:59 Uhr
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19 Kommentare
Kaum kommt mal wieder was neues von ST, da kommen auch schon die Bewahrer des Trek-Universums aus ihren Löchern und suchen in jedem Detail Ungereimtheiten. Zum meiner Person: Ich liebe Star Trek. Kann mich aber ganz gut im Zaun halten, wenns um solche "Besserwissereien" geht. Meinereiner freut sich einfach auf den Film. Antworten
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