«Auf Tiere gehe ich zu wie auf Menschen»

Wie weiter nach «Twilight»? In «Water for Elephants» baut der 24-jährige britische Schauspieler Robert Pattinson sein Dreamboy-Image aus. Eine Begegnung.

«Per Du» mit dem Dickhäuter: Mädchenschwarm Robert Pattinson (24) spielt in «Water for Elephants» einen angehenden Tierarzt, den es in den Zirkus verschlägt.

«Per Du» mit dem Dickhäuter: Mädchenschwarm Robert Pattinson (24) spielt in «Water for Elephants» einen angehenden Tierarzt, den es in den Zirkus verschlägt. Bild: David James/zvg

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Robert Pattinson steckt seine Hände, mit denen er nie so richtig weiss, was anfangen, in die Hosentaschen und lehnt seinen Oberkörper nach vorne, als stemme er sich gegen den Wind. Die Körpersprache sagt eigentlich schon alles. Der 24-jährige Schauspieler steht seit dem ersten «Twilight»-Film (2008) im Zentrum eines Orkans, den er nur bedingt nachvollziehen kann. Er will auf keinen Fall undankbar erscheinen, aber Frieden geschlossen hat er mit dem Rummel noch immer nicht: «Ich weiss nicht, ob man mit so was je Frieden schliessen kann. Ich hatte am Anfang keine Ahnung, dass ich mitlaufen muss, um weiterarbeiten zu dürfen. Und das tue ich ja momentan ununterbrochen, und so mache ich mir nicht zu viele Gedanken darüber.»

Seine jüngste Arbeit heisst «Water for Elephants» und ist eine in schöne Bilder gefasste klassische Liebesgeschichte: Pattinson spielt einen Veterinärstudenten namens Jacob (was Twilight-«Team Edward»-Fans zu denken geben dürfte), der sich in den wirtschaftlich gebeutelten Dreissigerjahren einem Wanderzirkus anschliesst und sich in die Frau des brutalen Zirkusdirektors (Christoph Waltz) verliebt. «Ich war nur einmal im Zirkus, als ich etwa sieben war», erinnert sich Pattinson. «Meine Schwester erzählte mir, ein Clown sei bei einem Stunt umgekommen. Das ging mir nach – erst Jahre später gestand sie, dass sie die Geschichte erfunden hatte.»

Hoch- und Tiefstapler

Zu Beginn seiner Karriere wurde Robert Pattinson dann selber zum Hochstapler und erzählte bei Castings, er habe in Oxford studiert. «Wenn man in Hollywood mit einem britischen Akzent spricht, kaufen sie einem das problemlos ab.» Heute stapelt er tief, wo es nur geht. Nur nicht eingebildet klingen ist seine Devise. Auf die Frage, was er auf dem iPod gespeichert hat, antwortet er fast entschuldigend: «Das klingt jetzt abgehoben, aber ich höre momentan den Komponisten Penderecki.» Über den Umgang mit den Tieren bei den Dreharbeiten zu «Water for Elephants» meint er: «Ich gehe auf Tiere zu wie auf Menschen, so war es, als hätte ich einfach nette Leute kennen gelernt.» Dann lacht er, schaut händereibend ins Nichts und fügt an: «Mensch, ich höre mich blöd an!»

Enthusiast

Reese Witherspoon, die in «Water for Elephants» die Direktorengattin spielt, kennt das Navigieren von der Teensensation zur Vollblutperformerin aus eigener Erfahrung. «Ich bewundere Robs Enthusiasmus und wie hart er arbeitet», gibt die zehn Jahre ältere Schauspielerin ihrem Berufskollegen gute Noten. «Er ist schüchtern, liest viel und schaut alte Filme. Er lässt sich nicht in Nachtclubs anhimmeln. Ich habe versucht, mit ihm etwas zu unternehmen, aber die Fans belagerten das Set busweise, und so blieb er verständlicherweise lieber zu Hause.»

Obwohl Robert Pattinson nirgendwo in der Öffentlichkeit seine Ruhe hat, folgen ihm seine Fans nicht unbedingt ins Kino. Seine trübselige Love Story «Remember Me» (2010) spielte in den USA nicht einmal 20 Millionen Dollar ein. Deshalb baut die Marketingmaschine von Fox bei «Water for Elephants» auch nicht auf Mädchenmagnet Pattinson, sondern auf den Bestseller von Sara Gruen und das Thema Liebe im Zirkus. «Rob ist klug, er weiss, dass er sein Portfolio jenseits von Edward Cullen erst noch ausbauen muss», meint «New Moon»-Regisseur Chris Weitz.

Drehbuchautor

Nach dem die «Twilight Saga» beendenden Zweiteiler «Breaking Dawn» spielt Robert Pattinson als Nächstes einen Milliardär in David Cronenbergs «Cosmopolis». Und nebenbei schreibt er auch: Derzeit adaptiert er einen Lillian-Hellman-Roman zum Drehbuch. Er wolle seine Schreibe aber unter Pseudonym veröffentlichen, denn er ist überzeugt: «Ich würde automatisch verrissen.» In Zukunft möchte der junge Schauspieler mehr Kontrolle über seine Filme und mehr Zeit für deren Umsetzung haben.

«Dazu möchte ich in einer Nachbarschaft wohnen, in der man nicht dauernd Angst haben muss, dass eingebrochen wird», weitet er seinen Wunschzettel aus. Mit seiner nie offiziell bestätigten Freundin Kristen Stewart teilt er ein Haus in den Hollywood Hills, wo regelmässig Paparazzi und Fans lauern. Diese jenseits des Zauns zu halten, scheint für Robert Pattinson ebenso ein Kunststück zu sein wie ein unbemerkter Ausflug zu seiner Lieblingsburgerbude. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 27.04.2011, 17:11 Uhr)

Filmkritik

In der neuen Zirkusromanze aus dem Hause Fox funkt es zwischen Robert Pattinson und Reese Witherspoon.

Seit Baz Luhrmans aufwendiges Liebesdrama «Australia» mit Nicole Kidman und Hugh Jackman in ein finanzielles Fiasko auszuarten drohte, ist man in Hollywood wieder vorsichtiger geworden damit, romantisch ausgerichtete Drehbücher mit riesigen Budgets auszustatten.

Mit «Water for Elephants» wagt man bei den Fox-Studios diesen Schritt nun wieder – mit Gefühl, aber auch mit Kalkül: Die Buchvorlage war ein Bestseller, das Dekor ist originell (ein amerikanischer Wanderzirkus zur Zeit der Grossen Depression), die Hauptdarstellerin Reese Witherspoon taugt als Identifikationsfigur, da sie weder zu glamourös noch zu intellektuell wirkt, und dank dem Teenageridol Robert Pattinson werden auch viele jüngere Zuschauerinnen den Film sehen wollen. Zudem verleiht Christoph Waltz als versierter Charakterdarsteller dem Projekt einen zusätzlich seriösen Anstrich.
Robert Pattinson spielt einen jungen Studenten der Tiermedizin, der sich nach dem Unfalltod seiner Eltern einem spektakulären Zirkus anschliesst. Dort gerät er an eine verführerische Pferdedompteuse (Witherspoon), aber auch an ihren Ehemann, den unberechenbaren Zirkusdirektor (Waltz), der seine Tiere quält. Es entspinnt sich eine ambivalente, fast unheimliche Dreiecksbeziehung, die dem von Finanznöten geplagten Unternehmen auf die Dauer nur schaden kann...

«Water for Elephants» überzeugt mit seinen stimmungsvollen Bildern und seinen emotionsgeladenen Szenen vor allem deshalb, weil er sich jegliche ironische Brechung verbietet. Robert Pattinson ist als naiver, redlicher Handlanger ideal besetzt – doch auch ohne die Entrücktheit und die weisse Schminke aus den «Twilight»-Filmen verblasst er neben Christoph Waltz, der ungebremst zwischen diabolischem Charme, Jähzorn und Verzweiflung alterniert, als müsse er seinen Oscar als bester Nebendarsteller erst noch verdienen. Hohe Schauspielkunst!

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