Kultur

Ausgezeichnet, Herr Hubacher

Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 08.02.2012 1 Kommentar

Als Verdingbub Max hat er die Schweizer Leinwände erobert. Nun wird Max Hubacher an der Berlinale als «Shooting Star» ausgezeichnet. Für den 18-jährigen Berner kein Grund, überheblich zu werden.

Ab nach Berlin: Der junge Berner Schauspieler Max Hubacher kurz vor seinem ersten Auftritt auf internationalem Parkett.

Ab nach Berlin: Der junge Berner Schauspieler Max Hubacher kurz vor seinem ersten Auftritt auf internationalem Parkett.
Bild: Thomas Reufer

Berlinale

Morgen Donnerstag beginnt in Berlin das Berlinale-Filmfestival. Die Awardverleihung zum «Shooting Star» findet am Montag im Berlinale Palast statt.

Wäre der «Verdingbub» nicht so erfolgreich gewesen, Max Hubacher stünde an jenem strahlenden Samstagmorgen vor seiner ersten Talabfahrt irgendwo im Berner Oberland, das Snowboard unter den Füssen, gute Freunde um sich. Doch über 200 000 Schweizerinnen und Schweizer haben die Produktion von Markus Imboden zum erfolgreichsten Schweizer Film der letzten fünf Jahre gemacht, und so steht Max Hubacher nun vor einem langen Tag mit Presseterminen und bestellt sich erst mal einen Kaffee. Milch, Zucker, die Schokolade hebt er sich bis zum Schluss auf. Das wutverzerrte Gesicht von Max, dem Verdingbub, seiner ersten grossen Hauptrolle, ist in der freundlichen Mimik des jungen Mannes schwer zu erahnen.

Max Hubachers schauspielerische Leistung im «Verdingbub» brachte ihm eine Nomination von Swiss Films für den «Shooting Star» ein: eine Auszeichnung der European Film Promotion (EFP) für junge europäische Schauspieler, die sich im vergangenen Jahr verdient gemacht haben. Prompt wurde Max zusammen mit neun anderen Jungschauspielern aus 23 Nominierten zum Preisträger erkoren. Daniel Craig, Rachel Weisz, auch Carlos Leal und Nils Althaus haben den Award im Schrank stehen. Mit seinen 18 Lenzen ist Max Hubacher der jüngste unter den diesjährigen Preisträgern. «In Anbetracht seines Alters», so die EFP-Jury in ihrer Begründung, «beeindruckt seine Fähigkeit, solch eine starke und bewegende Verbindung zum Publikum herzustellen.» Sein Spiel sei von «wunderschöner Klarheit».

Strenge Manöverkritik

Während sich die Jury in wohlklingenden Adjektiven ergeht, ist Max Hubacher zurückhaltend mit Eigenlob. «Natürlich freue ich mich über gute Rückmeldungen. Aber als ich den ‹Verdingbub› zum ersten Mal im Kino sah, wäre ich bei manchen Szenen am liebsten im Boden versunken», sagt er. Etwa bei jener Szene, in der Max am Esstisch plötzlich bewusst wird, dass die Familie Bösiger seinen Hasen zu Eintopf verarbeitet hat. Als er nach einer Brechattacke in die Stube zurückkehrt, sagt er wütend: «Das war mein Hase. Den habe ich gefunden.» Hubachers Manöverkritik fällt streng aus: «Mein Gesichtsausdruck passt nicht, die Stimmlage ist komisch. Das würde ich heute anders machen.»

Mit elf Jahren findet Max Hubacher zum Schauspiel. Beim Theater auf dem Schützenwegspielplatz in «seinem» Breitenrainquartier ist er mit von der Partie, bis er zu alt wird dafür. Er tritt in den Jugendclub des Schlachthaus-Theaters über. Als die zuständige Theaterpädagogin ihm nahelegt, ein Casting in Zürich zu besuchen, geht Max kurz entschlossen hin. Casterin Corinna Glaus erinnert sich noch gut an die erste Begegnung: «Max stellte sich hin und sagte: ‹Ich will Schauspieler werden.› Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, dass es ihm ernst war.» Glaus verschafft ihm die Rolle des krebskranken Michi in «Stationspiraten». Beim Dreh ist er 16. Ein Jahr später beginnen die Dreharbeiten für den «Verdingbub».

Dass er gleich zweimal junge Männer in schwierigen Lebensumständen gespielt hat, sei Zufall, sagt Hubacher, die Rollen habe er nicht bewusst gewählt. «Ich kriege nicht dauernd Anrufe von Leuten, die mir Rollen anbieten. Als junger Schweizer Schauspieler hast du Glück, wenn du den Zuschlag kriegst.» Dennoch würde er sein Repertoire künftig gern ausweiten, etwa einmal einen richtigen Psychopathen spielen. Ein bisschen wie Heath Ledger als Joker in «The Dark Knight».

Lottogewinn und kein Glück

«Die Berlinale wird sicher eine gute Gelegenheit sein, um Kontakte zu knüpfen», sagt Hubacher. In einem Jahr will er bei Schauspielschulen im deutschen Raum vorsprechen. Vorher muss er allerdings die Fachmittelschule beenden. Abzubrechen war für ihn kein Thema, auch wenn es gerade nach den Dreharbeiten für den «Verdingbub» nicht ganz einfach war, sich für den Schulalltag zu motivieren: «Wenn man im einen Moment etwas Aufregendes macht wie einen Film und im nächsten zurückmuss in den alten Trott, ist das hart.» Seine Eltern bestärkten ihn darin, den Abschluss zu machen. «Ich kann nicht darauf zählen, einmal von der Schauspielerei leben zu können», sagt Hubacher, die schulische Basis sei seine Sicherheit. Immerhin ist seine Abschlussarbeit schon beinahe geschrieben: Es ist das Drehbuch über einen Jungen, der im Lotto gewinnt und trotzdem kein Glück findet.

Max Hubacher hat seinen Kaffee inzwischen ausgetrunken, drei weitere Interviews stehen ihm noch bevor. Manchmal fühle er sich überfordert vom Interesse an seiner Person. Er gibt sich aber pragmatisch: «Den Rummel stelle ich mir vor wie eine Welle – momentan besteht ein gewisses Interesse an mir, aber das kann schnell wieder vergehen.» Mindestens bis Mitte März wird die Welle indes bestimmt nicht abflachen, immerhin ist Max Hubacher neben Nils Althaus («Eine wen iig») und Saladin Dellers («Silberwald») als bester Darsteller für den Schweizer Filmpreis nominiert. Bleibt zu hoffen, dass der Schnee dieses Jahr lange vorhält. (Der Bund)

Erstellt: 08.02.2012, 08:04 Uhr

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1 Kommentar

roger losinger

08.02.2012, 10:49 Uhr
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...der Typ ist sympathisch, und man kann ihm nur Glück wünschen. "Der Verdingbub" war ein guter, aber eben sehr schweizerischer Film: schauspielerisch meistens zum Fremdschämen (Ausnahme: der Störmetzger) und äusserst holprig erzählt. Ein Star, "shooting" oder nicht, ist Max Hubacher nicht und wird es auch nie werden. Sorry. Antworten



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