Der «Alien»-Vater ist tot

Mit seinen düsteren Skulpturen und dem «Alien»-Monster erlangte H.R. Giger Berühmtheit. Nun ist der Schweizer Künstler im Alter von 74 Jahren gestorben.

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Hans-Ruedi Giger, bekannt als H.R. Giger, machte sich weltweit einen Namen als er das extraterrestrische Wesen «Alien» für Ridley Scotts gleichnamigen Film (1979) schuf. Dafür erhielt er 1980 einen Oscar. Doch Gigers Faible fürs Morbide zeigte sich schon viel früher. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» gab er jüngst an, dass er als fünfjähriger Bub einen Totenschädel an einer Schnur mitten durch Chur schleifte. Statt Schulaufgaben zu büffeln, habe es ihn ins Rätische Museum gezogen, wo ihn im Kellergewölbe die Mumie einer ägyptischen Prinzessin faszinierte. Während der Hochbauzeichnerlehre goss er im Keller seine bizarren Ideen in Polyester. «Das sei alles chranks Züüg, meinte damals mein Lehrmeister», erinnerte sich Giger.

In Zürich studierte der junge Giger Architektur und Industriedesign und kam in Kontakt mit Künstlern wie Andreas Christen, Friedrich Kuhn, Claude Sandoz, aber auch mit dem Filmregisseur Fredi M. Murer und mit dem Schriftsteller Urban Gwerder. Seit 1962 lebte er in Zürich-Oerlikon in einem Haus, das Besucher als eine Art Mikrokosmos voller Kunst schildern.

Verschmelzung von Technik und Mechanik

Zu besichtigen ist Gigers Werk im Museum HR Giger im freiburgerischen Gruyères. Seine Kunst wird dem Surrealismus zugerechnet, im Vergleich zu dem berühmtesten Vertreter dieser Stilrichtung, Salvador Dalí, wird aber deutlich, wie anders der Blickwinkel Gigers auf die Welt ist. Einflüsse des Phantastischen Realismus leiten sich auch durch die Freundschaft zu Vertretern der Wiener Schule des Phantastischen Realismus wie Ernst Fuchs her. Wiederkehrendes Thema seiner Werke ist die Verschmelzung von Technik und Mechanik, im morbiden Zusammenspiel mit sexuellen Andeutungen. Allerdings wurde in Gigers Bilder stets viel hineingelesen – der Künstler selbst verstand seine Bilder nie als Warnung. «Das Wichtigste», sagte er, «war mir immer, dass meine Bilder mir einfach gefallen.»

Giger wurde von einigen Kritikern als «Pornograf» verschrien. Und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schrieb in ihrem Aufsatz «Ritterin des verlorenen Platzes», die Alien-Figur sei als klassisches Monster zu werten – und als Rückschritt gegenüber einem Film wie «Metropolis». Dort sei die anonyme Macht, die die heutige Gesellschaft prägt, in kafkaeske Bilder gekleidet worden. In «Alien» werde die Bedrohung wieder konkret und «reine Natur».

Tatsächlich war «Alien» auch für Giger nicht nur Segen. Mit dem Film kam zwar der Ruhm, aber nicht das grosse Geld. Kassiert, so betonte Giger stets, haben andere: «Mein Design wurde übernommen und verändert. Das Filmbusiness ist ein Gangstergeschäft.» In seinen Aufzeichnungen, die letztes Jahr veröffentlicht wurden, heisst es weiter zum Abschied mit Ridley Scotts «Alien»-Filmcrew: «Ich glaube nicht an weitere Zusammenarbeit.»

H.R. Giger erlag am Montagnachmittag im Spital den Verletzungen, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte.

Es folgt ein Nachruf von Christoph Schneider sowie ein Interview mit Metal-Musiker und Giger-Assistent Tom Fischer.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.05.2014, 08:55 Uhr)

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Trailer: Alien

Filmschaffende über Giger


(Quelle: darkallegiance666/Youtube)

Porträt über Giger


(Quelle: Jürg Conzett/Youtube)

3sat-Doku über Giger


(Quelle: DerWahrheitsgehalt/Youtube)

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