Kultur

Bruno Ganz lässt Bundesrat Merz warten

Von Simone Matthieu, Bern. Aktualisiert am 13.01.2010

Gestern Abend wurde in Bern die Premiere des Films «Der grosse Kater» gefeiert. Zusammen mit den anderen Gästen wartete der anwesende Bundesrat Merz eine halbe Stunde auf Hauptdarsteller Bruno Ganz.

1/7 Bruno Ganz und Marie Bäumer kamen rund eine halbe Stunde nach den anderen Gästen. Bäumer kuschelt sich in der klirrenden Kälte an ihren Film-Ehemann.

Warten auf Bruno Ganz

   

Schauspielerin Marie Bäumer holte sich beim Gang über den roten Teppich etwas Wärme bei Bruno Ganz und kuschelte sich eng an ihren Filmehemann. Für einmal blieb niemand zu lange vor dem Fotografen und Medienleuten stehen. Zu kalt war es vor dem Kino Bubenberg in der Berner Innenstadt und die Gäste wollten schnellstmöglich in die Wärme.

«Ich bin gespannt, wie nah der Film, der ja unter anderem von einer Politintrige handelt, der politischen Realität kommt», sagte Bundesrat Merz vor Filmbeginn. Bis ihm diese Frage beantwortet wurde, musste sich der Magistrat noch einiges gedulden: Die Limousine mit Bruno Ganz - er spielt im Film Bundesrat Hans Hürlimann - fand ihren Weg nicht durch Bern, wie den bereits sitzenden Gästen verkündet wurde.

Dass ein Bundesrat an einer Filmpremiere erscheint, ist nicht gerade etwas Alltägliches. Bei diesem Film war ein solch hoher Besuch allerdings naheliegend: Die Roman-Vorlage von Thomas Hürlimann dreht sich um seinen verstorbenen Vater Hans Hürlimann, der 1973 bis 1982 Vorsteher des Departements des Innern war. Roman und Film konzentrieren sich auf die drei Tage im Jahr 1979, als der damalige Bundespräsident Hürlimann das spanische Königspaar zu empfangen hatte, während sein Sohn im Sterben lag.

Klapproths unterhaltsame Plauderrunde

Eine halbe Stunde später war mit Bruno Ganz dann auch die Hauptperson des Abends eingetroffen und wurde zusammen mit den anderen Darstellern von Stephan Klapproth auf die Bühne gebeten. Mit seinen gewohnt launischen Sprüchen und seiner schelmischen Art inszenierte der «10vor10»-Moderator ein kleines Spektakel vor dem Film. Immer wieder musste Hauptdarstellerin Marie Bäumer den Moderator an den Schultern packen und ihn zum Publikum umdrehen, sonst hätte man von Klapproth während seinen Kurzinterviews mit den Darstellern nur den Rücken gesehen.

Martin Rapold, der in «Der grosse Kater» den Chauffeur von Hans Hürlimann spielt, sagt zu Klapproth, er verstehe nun die wichtge Rolle, die die Entourage von mächtigen Leuten spielt: «Oft ist ein Chauffeur oder ein Bodyguard die einzige Person, mit der sich ein so hohes Tier über Privates austauschen, dem er sich anvertrauen kann.»

Nach dem Film wurden die Premieren-Gäste mit Spezialbussen zum Hotel Bellevue transportiert. In dem altehrwürdigen Nobelhotel spielt ein Grossteil von «Der grosse Kater». Bei Getränken und Berner Spezialitäten konnten die anwesenden Politiker sich Merz' eingangs gestellte Frage nochmals durch den Kopf gehen lassen. Die Antwort ist einstimmig: «Mitunter kommt die Realität der im Film dargestellten Politwelt sehr nahe».

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2010, 08:45 Uhr

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