Kultur

«Der Mond ist fast wie ein Verwandter»

Von Florian Keller. Aktualisiert am 21.07.2010

Duncan Jones, der Sohn von David Bowie, hat mit «Moon» einen gefeierten Sciencefiction-Film gedreht. Im Interview spricht er über Kubrick, «Avatar» und seinen berühmten Vater.

Kammerspiel auf dem Mond: Trailer zu Duncan Jones «Moon».


Duncan Jones mit Vater David Bowie.

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«Moon» läuft ab Donnerstag im Kino.

Zur Person

Duncan Jones Geboren 1971 als Duncan Zowie Haywood Jones, ging u. a. in Vevey zur Schule und studierte an der London Film School. «Moon» ist sein erster Spielfilm.

Ärgert es Sie eigentlich, wenn Sie in Interviews ständig auf Ihren Vater David Bowie angesprochen werden?
Ich arbeite in London seit Jahren als Regisseur in der Werbebranche, und dort kümmerte sich niemand darum, wessen Sohn ich bin. Jetzt, bei meinem ersten Spielfilm, muss ich natürlich dauernd Fragen nach meinem Vater beantworten. Aber das stört mich nicht. Ich verstehe, dass das in dieser Phase meiner Karriere zu den interessanteren Dingen gehört, über die man mich ausfragen kann. Nach vier oder fünf Filmen wird sich das hoffentlich gelegt haben.

Solche Fragen drängen sich aber auch auf bei einem Erstling wie «Moon». Da gehts um einen Mann, der ganz allein auf einer Mondstation die Stellung hält. Das erinnert unweigerlich an «Space Oddity», die erste Hitsingle Ihres Vaters . ..
Das ist eine seltsame Überschneidung, aber das war nie mein Plan. Natürlich, mein Interesse für Stanley Kubrick wurde geweckt, als mein Vater mit mir sämtliche Filme von Kubrick anschaute. Dazu kamen Bücher von George Orwell oder Philip K. Dick – alles Autoren, die ich durch meinen Vater kennen lernte.

In «Moon» gibt es einen sprechenden Bordcomputer, der mit der Stimme von Kevin Spacey an den Rechner aus Kubricks «2001: A Space Odyssey» erinnert. Keine Angst vor Vergleichen mit dem Meister?
Im Gegenteil. Ich hoffe, dass die Leute von sich aus diese Verbindung machen. Kubricks Film ist ja schon ziemlich alt, und man kann nicht voraussetzen, dass das junge Publikum von heute den Film überhaupt kennt. Mit «Moon» verneigen wir uns auch vor einer ganzen Reihe weiterer Filme: «Silent Running» und «Outland», Ridley Scotts «Alien» und «Solaris». Natürlich spielen wir mit Gerty auf den Computer Hal aus «2001» an. Aber Sie werden merken, dass sich Gerty letztlich ganz anders verhält als sein Vorläufer bei Kubrick.

Wo sind für Sie die Grenzen zwischen Science und Fiction?
Ausgangspunkt für «Moon» war das Buch «Entering Space» von Robert Zubrin. Dort geht es um die Idee, dass man auf dem Mond zu Energiezwecken diesen Stoff namens Helium-3 ernten könnte. Aber dieser wissenschaftliche Kern des Films blieb eher zweitrangig für mich. Er bot mir lediglich den Rahmen für jene Fragen und Gedankenexperimente, um die es mir in dem Film eigentlich geht: Was passiert mit uns, wenn wir in totaler Einsamkeit leben? Was wäre, wenn wir plötzlich unserem eigenen Ich aus einer früheren Phase unseres Lebens gegenüberstünden?

Ein Film, der heute noch von einer Station auf dem Mond träumt – das hat etwas Nostalgisches, finden Sie nicht?
Das mag sein. Die Liebe zum Mond erlebte ihren Höhepunkt sicher in den 60er- und 70er-Jahren. Aber die Sciencefiction träumt sich immer viel weiter, als wir sind. Und wir sind noch lange nicht an dem Punkt angekommen, dass wir über «Star Wars» oder «Avatar» reden könnten, als wäre das unsere nähere Wirklichkeit. Mit meinem Film «Moon» suchte ich eine Form von Sciencefiction, die glaubwürdig und irgendwie greifbar sein sollte. Wir alle auf diesem Planeten kennen schliesslich den Mond. Der Mond ist fast schon wie ein Verwandter von uns, zu dem jeder von uns eine mehr oder weniger persönliche Beziehung hat.

«Moon» ist zwar Sciencefiction, kommt aber wie ein intimes Kammerspiel daher. So gesehen, wirkt Ihr Film wie ein Gegenentwurf zu «Avatar».
Finden Sie? Ich habe grössten Respekt für das, was James Cameron mit «Avatar» erschaffen hat. Aber wir bewegen uns in anderen Dimensionen. Wir haben «Moon» für 5 Millionen Dollar gedreht, Cameron hatte angeblich gegen 300 Millionen Dollar. Ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, was ich mit dem ganzen Geld machen würde, wenn ich ein Budget dieser Grössenordnung zur Verfügung hätte. Ich würde wahrscheinlich im Pelzmantel und mit teuren goldenen Uhren aufs Set kommen. (Lacht.)

Ihren nächsten Film «Source Code» haben Sie bereits abgedreht, einen Thriller mit Jake Gyllenhaal und Vera Farmiga. Was kommt danach?
Ich hoffe, dass endlich mein lange gehegtes Herzensprojekt zustande kommt. Es ist wieder Sciencefiction, aber ganz anders als «Moon». Der Film soll «Mute» heissen, und was mir vorschwebt, ist sozusagen ein Cousin von «Blade Runner», angesiedelt in Berlin.

Dort also, wo Ihr Vater seinerzeit seine berühmte Berlin-Trilogie aufgenommen hat . . .
Nun, ich lebte damals auch in Berlin. Als er dort seine Platten einspielte, ging ich auf eine Militärschule im amerikanischen Sektor von Berlin. Ich habe meine eigenen Erinnerungen an die Stadt.

Wie müssen wir uns denn Ihre Kindheit als Sohn von David Bowie vorstellen?
Ich musste meine Hausaufgaben machen. Ich hatte meine Haushaltspflichten zu besorgen. Ich war artig und musste mich hinter den Ohren waschen. (Lacht.) Wir waren natürlich viel unterwegs. Das war der grösste Unterschied zu anderen Kindern. Ich besuchte viele verschiedene Schulen in der Schweiz, in Deutschland, Amerika und in London. Mein Vater gab sich grösste Mühe, dass meine Kindheit so normal war, wie es unter diesen Umständen möglich war. Heute bin ich Duncan Jones, Filmregisseur. Was mich betrifft, ist das gut genug für mich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2010, 10:41 Uhr

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