Kultur

Deutschland und Österreich balgen sich um Oscar-Film

Aktualisiert am 25.05.2009

Beide Länder reklamieren den Sieg von Michael Hanekes «Das weisse Band» in Cannes für sich. Die Hauptfrage: Wer darf den Film ins Rennen um den Ausland-Oscar schicken?

1/9 Michael Hanekes «Das weisse Band» gewinnt den Europäischen Filmpreis.

   

Nach der Auszeichnung des Filmes «Das weisse Band» mit der Goldenen Palme reklamieren zwei Länder den Preis für sich. «Österreich feiert seine Talente, Deutschland seine Erfolge als Produktionsland», kommentiert die Deutsche Presse-Agentur (DPA) die Auszeichnung für «einen deutschen Film mit einem sehr deutschen Thema». «Nach den Regeln der Filmbürokratie» gelte der Streifen als «deutscher Film»: «Die Federführung in der Produktion lag bei der Berliner Firma X-Filme Creative Pool. Schauspieler wie Ulrich Tukur, Susanne Lothar und Burghart Klaussner haben im brandenburgischen Dorf Netzow und an andern nord- und ostdeutschen Schauplätzen gedreht.»

Streitpunkt Oscar-Nominierung

Nach den Statuten der Deutschen Filmakademie erfülle der Film die Bedingungen zur Nominierung für den Deutschen Filmpreis und könne auch von deutscher Seite ins Rennen um eine Oscar-Nominierung geschickt werden, heisst es im Kommentar der DPA. Dem widerspricht der Leiter der Austrian Film Commission (AFC), Martin Schweighofer: «Nach den letztjährigen Regeln der Oscar-Nominierungen für den besten fremdsprachigen Film müssen zumindest zwei von drei Kategorien für das nominierende Land erfüllt sein: Produzent, Regisseur und Drehbuchautor.» Nach diesen Kriterien würden alle drei Kategorien für Österreich sprechen, nachdem neben Regisseur und Drehbuchautor Haneke mit Veit Heiduschka auch einer von vier Koproduzenten aus Österreich kommt. «Vielleicht sind diese Kriterien aber wieder geändert worden.»

«Ist Inglourious Basterds» eine deutscher Film?

Die Produktionsmittel oder die Finanzierungsstruktur alleine könnten nicht ausschlaggebend sein, so Schweighofer, denn dann müsse etwa der Film «Inglourious Basterds» von Quentin Tarantino, der im Studio Babelsberg bei Berlin mit 6,8 Millionen Euro aus dem Deutschen Filmförderfonds und anderen Fördermitteln gedreht worden ist, als deutscher Film gelten.

Noch sei weder in Deutschland noch in Österreich darüber entschieden, ob man Hanekes Film für den Auslands-Oscar nominieren wolle, «aber wir werden sicher eigenständig entscheiden». Ob er sich vorstellen könne, dass sowohl Österreich als auch Deutschland «Das weisse Band» für den Oscar einreichen? Schweighofer: «So etwas hat es meines Wissens noch nie gegeben.» (rb/sda)

Erstellt: 25.05.2009, 17:12 Uhr

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