Die Apokalypse hat Hochkonjunktur
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 11.08.2009
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Feuerbälle rasen auf die Erde, Manhattan stürzt zusammen und ein Riesentsunami bricht über das Weisse Haus herein: Basierend auf den Prophezeiungen der Maya entwirft Roland Emmerich mit «2012» einen bildgewaltigen Katastrophen-Thriller über das Ende der Welt.
Emmerich ist nicht der Einzige, der diesen Winter in apokalyptischen Fantasien schwelgt. Auch «The Book of Eli», ein weiterer Blockbuster aus Amerika, zeigt, wie es mit uns nach dem Weltuntergang weitergeht. Die Hauptrolle spielt Denzel Washington, der durch Wälder, Wüsten und zerstörte Städte wandert. Bei sich hat er ein Buch, welches die letzte Rettung der Menschheit sein soll. Und weil das Buch so wertvoll ist, haben es diverse Bösewichte auf den Träger abgesehen.
Post-apokalyptische Reality-Show
Ähnlich düster geht es in «The Road» zu und her. Der Film mit Viggo Mortensen und Charlize Theron ist die Adaption eines Romans von Cormac McCarthy, in dem ein Mann und sein Sohn mit einem Einkaufswagen durch ein spektakulär abgebranntes Amerika ziehen und versuchen, die Küste zu erreichen. Weniger poetisch kommt die US-Reality-Show «The Colony» daher. In ihr müssen Kandidaten in einer post-apokalyptischen Umgebung Wasser und Essen auftreiben.
Auch im Genre des Animationsfilms stösst man auf das Thema. Kein Geringerer als Tim Burton hat den Oscar-ausgezeichneten Kurzfilm «9» in eine post-apokalyptische Geschichte umgesetzt: Puppen, die in einer zerstörten Welt von einem Killerroboter gejagt werden. Der komödiantische Beitrag schliesslich kommt mit «Zombieland» ins Kino; ein Film über Überlebende einer Zombie-bewohnten Welt, die den Untoten in bester Guerilla-Manier das Leben schwer machen.
Moderne Explosionen
Stellt sich die Frage, weshalb Filmemacher ausgerechnet jetzt die Apokalypse beschwören. Ein Argument, das oft genannt wird, heisst Angst: Unsichere Zeiten schlagen sich in düsteren Filmen nieder. Für Kommunikationsexperte Barry Brummett ist vor allem die Zeit eines Übergangs – sei sie politischer oder sozialer Natur – für apokalyptische Kunst verantwortlich. Gegenüber dem «Guardian» verweist der Professor diesbezüglich auf den Aufstieg Chinas, die Präsidentschaft Barack Obamas oder die weltweiten Migrationsströme.
Barry Brummetts Analyse in Ehren. Doch folgender Grund für die Hochkonjunktur der Endzeitfilme ist mindestens so einleuchtend, wenn auch deutlich banaler: Menschen mögen Explosionen, je grösser, desto besser – und dank moderner Computertechnologie war es noch nie so einfach, solche zu inszenieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.08.2009, 16:53 Uhr
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