Dokstreifen holen die Preise

Die 45. Solothurner Filmtage haben beim Publikumsaufmarsch einen Rekord verzeichnet und überraschend starke Spielfilme lanciert. Die Preise gingen aber an zwei Dok-Streifen über Tanz und Musik.

Die Jury des mit 60'000 Franken dotierten «Prix de Soleure» entschied sich für «Nel giardino dei suoni» (»Im Garten der Klänge») von Nicola Belluci. Der Film über den aus Glarus stammenden blinden Musiktherapeuten Wolfgang Fasser sei ein «machtvolles Manifest der Menschenwürde», urteilte die Jury.

In der Gunst des Publikums stand «Bödälä - Dance the Rhythm» zuoberst. Gitta Gsell durfte für ihren rasanten Tanzfilm, der im Februar in die Kinos kommt, den «Prix du Public» in der Höhe von 20'000 Franken entgegen nehmen.

Die Filmtage, die einen Tag länger dauerten als in früheren Jahren, zählten erstmals mehr als als 50'000 Eintritte - damit sei eine «magische Grenze» überschritten worden, sagte Festivaldirektor Ivo Kummer. Erfreulich sei die «regelmässige Auslastung».

Grosses Familienepos

Die grosse Entdeckung bei den Spielfilmen war «La guerre est finie» des in La-Chaux-de-Fonds lebenden Regisseurs Mitko Panov. Das Publikum brachte dem grossen Familienepos, das im Kosovo und teilweise in der Schweiz spielt, viel Sympathie entgegen. Wann der Streifen in die Kinos kommt, ist offen.

Mit viel Schub aus Solothurn dürfte noch im Frühling zumindest im Tessin «Sinestesia» anlaufen. Der clevere Genre-Mix von Eric Bernasconi konnte drei Nominationen für den Schweizer Filmpreis Quartz einheimsen.

Melanie Winiger wurde als beste Darstellerin nominert. Verliehen werden die Quartze Anfang März in Luzern. Am besten ist die Ausgangslage für «Giulias Verschwinden», der in gleich fünf Kategorien auf den Zuschlag hoffen darf.

Vergleichsweise locker

Filmpolitisch waren die Filmtage dieses Jahr ungewöhnlich entspannt. Kulturminister Didier Burkhalter wies freundlich, aber bestimmt auf die gewichtigen Dossiers der Gesundheits- und Bildungspolitik hin, die auf seinem Tisch lägen.

Dass die Filmverbände eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Förderpolitik der Sektion Film des Bundesamtes für Kultur (BAK) an den Gesamtbundesrat weiterziehen, sei nur ein Problem unter vielen, sagte Burkhalter. Er räumte auch ein, dass er mit den Akteuren und Themen der Filmpolitik noch nicht vertraut sei.

Immerhin versprach er der hitzigen Branche grösstmögliche Offenheit bei der Entwicklung der Förderstrategie für die Jahre 2011- 2013. Gleichlautend hatte sich zuvor Nicolas Bideau von der BAK- Sektion Film geäussert.

Starken Kräften innerhalb der Szene reicht dieses Entgegenkommen nicht. Gemäss ihren Plänen soll dereinst ein Filminstitut die Fördergelder verteilen. Fortsetzung folgt, spätestens beim Sommertreffen der Filmfamilie in Locarno. (phz/sda)

Erstellt: 28.01.2010, 17:57 Uhr

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