Ein audiovisuelles Sittengemälde
Von Stefanie Christ. Aktualisiert am 25.01.2012 1 Kommentar
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Bildstudie zu Pieter Bruegels epochalem Gemälde: «The Mill and the Cross».Artikel zum Thema
- «Alles passiert und explodiert auf einem einzigen Bild»
- Eine Frau mit Witz, Eloquenz und Intelligenz
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Es gibt Filme, die sind so angenehm wie eine Mittelohrentzündung. «The Mill and the Cross» des polnischen Regisseurs Lech Majewski ist so einer. Da wird gelitten, gefoltert und gestorben, als ob es kein Morgen gäbe.
Vorlage für den im Zeitlupentempo erzählten Film ist Michael Francis Gibsons gleichnamiger Roman über den niederländischen Maler Pieter Bruegel der Ältere (um 1525/1530 bis 1569) – beziehungsweise über dessen epochales Gemälde «Die Kreuztragung Christi» von 1564. Statt in Jerusalem tragen sich darauf die biblischen Szene in der Heimat des Malers zu: Vor dem Hintergrund einer flämischen Stadt ragt die auf einem Felsen thronende Windmühle in den Himmel. Ihr steht ein Folterfeld mit Galgen gegenüber, über dem die Krähen kreisen. Dazwischen erstreckt sich ein Tal, in dem sich Hunderte Figuren tummeln: abgemagerte Kinder, peitschende Ritter, bettelnde Bauern – und der das Kreuz tragende Jesus.
Charlotte Rampling als Mutter
Mit «The Mill and the Cross» hat Majewski ein audiovisuelles Sittenbild geschaffen, das einzelne dieser Figuren herausgreift. Sie zeichnen das Bild einer düsteren Zeit, in der die Niederländer von den Spaniern geknechtet wurden: Da ist eine junge Frau, deren Mann aus Spass von den spanischen Rittern zu Tode gefoltert wird. Und da ist eine Mutter (Charlotte Rampling), deren Sohn hingerichtet wird, weil er sich gegen die Herrschaft auflehnte. Die Kulisse bilden Landschaften Bruegels, auf denen der Regisseur die Schauspieler wie in einem Tableau Vivant arrangiert. Der Künstler selbst, gespielt vom holländischen Schauspieler und ehemaligen Actionstar Rutger Hauer, schreitet in dieser künstlichen Welt herum und kommentiert mit seinem Freund und Kunstsammler Nicolaes Jonghelinck (Michael York) das Geschehen. Nur langsam fügen sich die zähen, wortarmen Sequenzen zu einer bewegten und bewegenden Bildstudie zusammen.
Stellt den Zuschauer vor die Zerreissprobe
Ganz zum Schluss zieht sich die Filmkamera zurück – wortwörtlich. Sie zoomt aus dem Gemälde heraus, schwenkt hinein in den leeren Museumsraum, in dem «Die Kreuztragung Christi» neben anderen Werken Bruegels zu sehen ist. Es ist eine kraftvolle Szene, die versinnbildlicht, wie gehaltvoll die Geschichten sind, die dicht an dicht in den Museen hängen. Lech Majewski hat sich für 90 Minuten auf eines dieser Bilder eingelassen und ist an seinem Anspruch, dessen Stimmung auf Zelluloid zu bannen, nicht gescheitert. «The Mill and the Cross» ist ein aufwühlender Film, der nachhallt. Aber es ist auch ein langatmiges Werk – so dass sich wohl manch ein Kinozuschauer wünscht, er könnte wie in einem Museum nach einer Weile zum nächsten Bild weiterziehen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.01.2012, 08:32 Uhr
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1 Kommentar
Langatmig? Ich fand den Film von der ersten bis zur letzten Minute packend + aufwühlend. Ich habe mich weit weniger gelangweilt als in den meisten Action-Filmen mit ihrem endlosen Geballer, den obligaten Autojagden und Explosionen am Laufmeter. Antworten
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