Filmabend der Doppelungen

Gestern wurde der Schweizer Filmpreis verliehen. Welche zwei Filme dabei abräumten – und wer gleich zweimal Pech hatte.

Beren Tuna («Köpek») wurde als beste Darstellerin geehrt. Foto: Keystone

Beren Tuna («Köpek») wurde als beste Darstellerin geehrt. Foto: Keystone

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«C’est énorme», sagte Bundesrat Alain Berset, Minister des Inneren und zuweilen auch des Innersten. Er meinte die Karriere von Renato Berta, Kameramann aus dem Tessin und diesjähriger ­Ehrenpreisträger. Was der alles geleistet hat! Er hat die Bilder ­eingefangen für Filme von Alain Tanner, Eric Rohmer, Claude ­Goretta, Daniel Schmid; die Liste ist noch viel länger. Berset holte ihn zum Schluss des Abends im Schiffbau in Zürich auf die Bühne, Berta kam und war gerührt. Er äusserte noch den Wunsch, dass man den Schweizer Film nicht nach China auslagern soll, auch wenn dort die Produktion billiger sei. Zudem bemühte er sich in seiner Danksagung, nur die Schweizer Regisseure aufzuzählen, für die er gearbeitet hat. Hier fand ja der Schweizer Filmpreis statt, nicht irgendein europäischer.

Dabei hatte zuvor ein Drama den Preis für den besten Spielfilm gewonnen, in dem Türkisch gesprochen wird: In «Köpek» kommen die Menschen vor die Hunde. Keiner findet darin ein wenig Hoffnung, es liegen die Menschen am Ende am Boden und im Blut. Mit ruhiger Hand inszeniert die in Istanbul geborene Regisseurin Esen Isik ihr Ensembledrama über eine Gesellschaft, die keinen Ausbruch duldet. «­Köpek» gewann auch den Preis für die beste Darstellerin – und die in der Türkei aufgewachsene Beren Tuna sagte zum Dank «von Herzen ja» zu einem Land, in dem von offizieller Stelle Filme ausgezeichnet werden, die nicht einmal in diesem Land spielen.

Wobei ja auch «Heidi» grösstenteils mit deutschem Geld finanziert wurde – für den Kassenerfolg gab es keinen Preis. «Schellen-Ursli» wurde für die beste Kamera geehrt, und das ging so weit alles in Ordnung. Vor allem auch die zwei Preise für die beiden männlichen Darsteller in Lionel Baiers Sterbehilfekomödie «La vanité». Und die Ehrung für das Drehbuch von Micha Lewinskys «Nichts passiert».

Die auf Hochglanz polierte Elendspornografie von Nicolas Steiners Land-und-Leute-Dokumentarfilm «Above and Below» wurde erwartungsgemäss mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm bedacht. Ziemliches Pech hatte Annina Walt, die junge Schauspielerin von «Amateur Teens» und «Nichts passiert», die in ihrer Kategorie zweimal nominiert war und doch nicht gewann. Ob sie zwei Dankesreden vor­bereitet hatte? So wie der Filmmusiker Marcel Vaid, der ebenfalls doppelt nominiert war und sich mit einem zweiseitigen Ausdruck beholfen hatte, hinten der eine Film, vorne der andere.

Winziges Filmland

Und dann noch eine Doppelung: Cornelia Seitler und Brigitte Hofer von der Zürcher Produktionsfirma Maximage gewannen mit «Köpek» und «Above and Below» gleich die zwei wichtigsten Preise. Beeindruckend! Und da stiegen dann wieder dieselben Leute mehrmals auf die Bühne an diesem Anlass in diesem winzigen Filmland, in dem man zum Beispiel drei Plätze hat in der Kategorie der besten Montage, aber eigentlich nur zwei Leute findet. Es war insgesamt also ein sympathischer Abend.

Das Filmpodium zeigt übers Wochenende die Siegerfilme. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.03.2016, 23:22 Uhr)

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