Franz Schnyder würde 100 Jahre alt
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Am Freitag, 5. März vor 100 Jahren wurde der Regisseur Franz Schnyder in Burgdorf geboren.
Schnyder begann seine Karriere in den 1930er Jahren als Schauspieler und Regisseur in Deutschland, auch an renommierten Bühnen wie dem Deutschen Theater Berlin und den Münchner Kammerspielen. 1939 kam er in die Schweiz zurück, zunächst ans Schauspielhaus Zürich, ab 1944 als Schauspielleiter ans Stadttheater Basel.
Sein Filmdebüt «Gilberte de Courgenay» war gleich ein Kassenschlager und lockte 1941 über eine Million Schweizer in die Kinos, ebenso wie später die Gotthelf-Verfilmungen «Uli, der Knecht» (1954), «Uli, der Pächter» (1955), «Die Käserei in der Vehfreude» (1958) und die beiden «Anne Bäbi Jowäger»-Folgen (1960/62).
Seine 14 Langspielfilme brachten dem Bund 25 Millionen Franken an Billettsteuer ein, rechnete Schnyder 1990 im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA vor - und das bei einem Eintrittspreis von damals 90 Rappen. Trotzdem wurden ihm Ende der 1970er Jahre Subventionen für einen «Pestalozzi»-Film verweigert.
Die Fernsehserie «Die 6 Kummerbuben» und die zugehörige Kinofassung blieben 1968 seine letzten Regiearbeiten. Danach qualifizierte man ihn als rückständigen Heimatfilmer ab.
Zur Idylle genötigt
Zu Unrecht, wie unter anderem der Filmhistoriker Felix Aeppli nachwies: Mit «Wilder Urlaub» inszenierte Schnyder 1943 laut Aeppli einen «geradezu klassenkämpferisch» anmutenden Film über einen Deserteur.
Da aber die Militärzensur das Prüfverfahren verschleppte, kam das Werk zu einem Zeitpunkt in die Kinos, als das Thema Landesverteidigung nicht mehr so virulent war. Der Film floppte, und Schnyder wurde von den Produktionsfirmen zehn Jahre kaltgestellt. Er durfte zwar 1944 für Leopold Lindtbergs Oscar-gekrönten Film «Marie- Louise» ein paar Szenen drehen, wurde aber im Abspann nicht genannt.
Zum 100. Todestag von Jeremias Gotthelf 1954 erinnerte man sich wieder an den Regisseur, der mit «Gilberte de Courgenay» so brav im Sinne der Geistigen Landesverteidigung gearbeitet hatte. Schnyder durfte die beiden Uli-Filme drehen und die noch viel heimatlicheren «Heidi und Peter» (der erste Schweizer Farbfilm) und «Zwischen uns die Berge» - Werke, die nicht zu den Favoriten von Kennern zählen.
Zweiter Ausbruchsversuch
1957 versuchte er es noch einmal auf hintergründigere Art: In «Der 10. Mai», den er selber schrieb und produzierte, setzte er sich kritisch und unpatriotisch mit der Schweizer Mentalität im Zweiten Weltkrieg auseinander. Als auch dieser Film floppte, kehrte er zu Gotthelf zurück, allein schon, um seine eigene Produktionsfirma Neue Film AG zu sanieren.
Mit «Geld und Geist» erreichte er 1964 den Zenit. Der Film lockte die bis heute in der Schweiz ungeschlagene Rekordzahl von 2,5 Millionen Zuschauern in die Kinos. Es wurde Schnyders zweitletzte Arbeit. Die letzten 25 Jahre seines Lebens drehte er nicht mehr. Er starb am 8. Februar 1993 verbittert im Spital von Münsingen.
Seinen Groll auf die Filmförderer und die neue Filmer-Generation, die ihm vorgezogen wurde, vermochte ausgerechnet ein junger Kollege noch einmal etwas zu lindern: Christoph Kühn ermöglichte dem Doyen des Schweizer Films in seiner Dokumentation «FRS - Das Kino der Nation», wenigstens einige Szenen seines Herzensprojekts über Pestalozzi zu realisieren. (ber/sda)
Erstellt: 25.02.2010, 15:33 Uhr





