Grande Dame des internationalen Films
Auftritte
Im Rahmen der «Rencontre» an den Solothurner Filmtagen präsentiert Marthe Keller eine Auswahl von Filmen und berichtet vor Ort über ihre Erfahrungen im Laufe ihrer langjährigen Karriere:
Sa, 21.Januar, 17 Uhr, Kino Palace (Schauspielerin Mona Petri im Gespräch mit Marthe Keller).
So, 22.Januar, 14 Uhr, Kino Palace (Regisseur Lionel Baier im Gespräch mit Marthe Keller).
Dossiers
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«Grüssen Sie meine Freunde in Hollywood, sofern sie noch am leben sind», sagte Marthe Keller einst in einem Film. Das war 1978. Der Film hiess «Fedora» und war ein bizarrer Mix aus Schwanengesang und Altherrenfantasie. Es war der zweitletzte Film von Billy Wilder, der sich damit – wie auch andere Regisseure zu dieser Zeit – eine bittere Abrechnung mit dem glamourösen Hollywood von gestern erlaubte. Für sein Projekt brauchte er eine richtige Filmdiva, die an Greta Garbo und Marlene Dietrich erinnerte und die diese Rolle sowohl als aufstrebendes Starlet wie auch als abgehalftertes, psychotisches Wrack verkörpern konnte. Er suchte Faye Dunaway, aber er fand Marthe Keller.
Star in den USA
Marthe Keller, geboren 1945 in Basel, war damals um die dreissig Jahre alt, und sie war unsere «Schweizerin in Hollywood». Sie hatte zuvor am Stadttheater Basel getanzt, in München Schauspielunterricht genommen, in deutschen Theatern und Fernsehproduktionen gespielt und danach in Frankreich den Sprung auf die grosse Leinwand geschafft. Zuerst in Komödien, dann aber rasch auch in dramatischeren Rollen. Ihr Name war gemacht, sie spielte unter illustren Regisseuren, aber wirklich grandiose Filme wollten daraus nicht werden. Selbst dann nicht, wenn sie als solche geplant waren: Man denkt etwa an das Jahrhundertepos «Toute une vie» von Claude Lelouch (1974), in dem sie als Grossmutter, Mutter und Tochter zu verschiedenen Epochen auftrat.
1975 wagte sie den grossen Schritt und überquerte den Ozean. Und das nicht umsonst: Gleich mit ihrer ersten Rolle in «Marathon Man» (1976) als die Freundin von Dustin Hoffman wurde sie für einen Golden Globe als beste Nebendarstellerin nominiert. Unmittelbar darauf ballerte sie schweres Geschütz aus einem fliegenden Helikopter; sie überzeugte als verführerische arabische Terroristin in John Frankenheimers umstrittenen Thriller «Black Sunday» (1977). Und noch im selben Jahr verdrehte sie in «Bobby Deerfield» – laut diversen Quellen nicht nur auf der Leinwand – dem Superstar Al Pacino den Kopf. Er spielte einen Autorennfahrer, sie eine an Leukämie erkrankte junge Frau.
Künstlerin in Europa
Es folgte «Fedora» und damit bereits der vierte Leinwandtod in Hollywood. Der Film floppte, die Karriere wankte. In «The Formula» (1980) von «Rocky»-Regisseur John G. Avildsen verblasste sie neben Marlon Brando, und mit einer Nebenrolle in dem Spionagethriller «The Amateur» (1981) verabschiedete sie sich schliesslich aus den USA.
Zurück in Europa, stand sie für deutsche, italienische, französische und britische Produktionen vor der Kamera – weiterhin für prestigeträchtige Projekte wie den TV-Mehrteiler «Wagner» (1983) mit Richard Burton, aber auch für bescheidenere Produktionen wie den obskuren Fernsehfilm «The Hospice» (1987), den ihr Landsmann Dominique Othenin-Girard inszenierte.
Bis heute ist sie als Darstellerin in mehrheitlich französischsprachigen Filmen präsent, auch in Clint Eastwoods «Hereafter» (2010) spricht sie französisch. Anfang dieses Jahres wurde die zudem fleissig als Bühnenschauspielerin und auch Opernregisseurin tätige Keller in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Alles andere als eine «Fedora»! (Berner Zeitung)
Erstellt: 20.01.2012, 09:47 Uhr
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