«Gut möglich, dass bald alle Kino-Filme synchronisiert sind»
Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 17.04.2009 128 Kommentare
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Laut einer Umfrage auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet sind 93 Prozent der Leser gegen Synchronfassungen. Programmieren die Kinobetreiber am Publikum vorbei?
Definitiv nicht. Wenn wir gemäss dieser Zahlen planen würden, wären wir schnell Konkurs. Wir würden alle gerne Originale spielen, doch die Leute wünschen das nicht. Vor allem die jungen Leute nicht.
Dann haben unsere Leser falsche Angaben gemacht?
Schauen Sie, es ist wie bei McDonalds. Keiner gibt zu, dass er hingeht, doch die Läden sind immer voll. Wenn die Leute die Wahl zwischen Original und Synchronisation haben, wählen sie letzteres.
Warum? Die Sprachkompetenz, zumindest im Englischen, ist doch höher als früher.
Ist sie das? Mag sein. Aber ohne Untertitel würden die meisten Jungen in einem englischen Film nicht viel verstehen. Also müssen sie sich an den Untertiteln entlang hangeln – und das wird als mühsam empfunden.
Das war nicht immer so. Was führte dazu?
Unter anderem die veränderte TV-Sozialisierung. Die heutige Kinogeneration ist mit Privatfernsehen aufgewachsen. Dort wird radikal alles synchronisiert. Ein anderer Grund sind die Multiplexkinos, die bei Blockbustern häufig gar keine Originalversionen mehr zeigen. Daran haben die Leute Gefallen gefunden. Beispiel: «Titanic» lief damals auf Englisch – das wäre heute undenkbar.
Blockbuster sind durchaus synchronisiert zu geniessen. Wie aber sieht es im Arthouse-Bereich aus: Kommen dort auch synchronisierte Fassungen auf uns zu?
Es ist gut möglich, dass bald alle Kinofilme synchronisiert sind. In Deutschland läuft Woody Allen ja bereits auf deutsch im Kino. Ich denke, das wird auch bei uns so sein. Wahrscheinlich bereits in fünf, sechs Jahren. Und warum nicht? Am Fernsehen stört es die Allen-Fans ja auch nicht, dass Woody deutsch spricht, im Gegenteil, man ist froh darüber.
David Lynch bekämpft Synchronfassungen vehement…
Das ist nett, was Herr Lynch sagt. Doch irgendwann wird er mit dieser Einstellung keine Filme mehr verkaufen können, weil kein Verleiher seine Filme im Original zeigen will. Das ist der Wandel der Zeit: Der Markt und die Leute bestimmen, was angesagt ist, nicht der Künstler oder der Verleiher.
Synchronisiert oder Original? Das Thema beschäftigt die Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet seit mehreren Tagen. Lesen Sie nachfolgend die Kommentare und diskutieren Sie mit! (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2009, 14:57 Uhr
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128 Kommentare
Ich bin für Originalversion. Ich habe eine Idee damit die Originalversion nicht verschwindet, sollte die beiden grosse Kinokette KITAG und PATHE neue Preise studieren und testen. Mein Vorschlag wäre: Die Filme auf Synchronversion für 18 Franken und auf Originalversion nur für 12 Franken. Dann kann das Publikum selber entscheiden lieber teurer dafür bequem oder günstig und dafür gut aufzupassen. Antworten
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