Kultur

Hässliche Schönheiten

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 01.03.2010

Übergewicht, Katastrophenfrisuren und ein penetrant offener Mund: Schauspieler, die ihre Schönheit für eine Rolle ruinieren, winkt der Oscar - oder die Klischeefalle.

1/11 Die Schöne und das Biest: Charlize Theron als Model und Serienmörderin. Das Übergewicht, das sie sich für die Rolle angefuttert hat, dürfte für ihren Oscar nicht ganz nebensächlich gewesen sein.

   

Wandlungsfähigkeit ist das A und O der Schauspielerei. Wobei die Maxime bisweilen etwa zu wörtlich genommen wird. Robert De Niro frass sich für die Rolle des Mittelgewicht-Boxers Jake La Motta in Martin Scorseses «Wie ein wilder Stier» bekanntlich 30 zusätzliche Kilogramm an. Christian Bale wiederum nahm für «The Machinist» 63 Pfund ab.

Die Motivation hinter solchen selbst auferlegten Torturen ist eindeutig: Angefressene oder verlorene Kilos werden gerne mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Im besagten Fall von Robert De Niro etwa oder bei Schauspielerin und L’Oreal-Model Charlize Theron, die die Trophäe für ihre Darstellung einer Serienmörderin in «Monster» bekam. Im aktuellen Oscar-Rennen kommt die Rolle des schön-hässlichen Entleins Maria Carey zu. Im Drama «Precious» gibt sie eine Sozialarbeiterin, ungeschminkt und mit schlecht sitzenden Kleidern.

Maria Carey als Sozialarbeiterin

Gerade der Fall Theron ist exemplarisch. Weibliche Schönheiten, die sich in hässliche Sozialfälle verwandeln, hat man in Hollywood besonders gern: Ist es nicht sagenhaft, wie Theron, eine der attraktivsten Frauen der Welt, sich für diese Rolle in eine übergewichtige, von der Sonne verbrannte, vom Leben gezeichnete Strassenhure verwandelt hat? Oder Cameron Diaz als abgetakelte Stripperin in «Feeling Minnesota»: Was für eine gewagte Darbietung!

Freilich gäbe es allerlei echt hässliche Schauspieler, die solche Rollen übernehmen könnten. Doch mit einem hübschen Star in der Hauptrolle lassen sich gerade Sozialdramen, die ja nicht gerade Publikumsmagnete sind, besser vermarkten. Man denke an Nicole Kidman in der Philip-Roth-Verfilmung «Der menschliche Makel», Halle Berry (ebenfalls Oscar-prämiert) in Marc Forsters «Monster Ball» oder Keira Knightley in «The Jacket». Marketingtechnisch macht das Sinn, künstlerisch ist die Sache problematisch: Wie verwandelt man eine umwerfende Schönheit glaubwürdig in eine vom Leben gebeutelte Proletarierin?

Bereits erwähnt wurde der doch ziemlich plumpe Trick mit dem Übergewicht. In der Bildstrecke nennen wir weitere Wege, mal gelungen, mal eher peinlich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.03.2010, 15:02 Uhr

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