Kultur

Höllisch laszive Romy Schneider

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 20.01.2010

«L’enfer» sollte Romy Schneiders freizügigste Darstellung werden. Doch der Film aus dem Jahr 1964 blieb unvollendet und galt als verschollen - nun hat ein Dok-Filmer das Material aufgestöbert.

1/6 Romy Schneider in «L'Enfer». Thema war das Beziehungsdrama eines Ehepaars, dessen männlicher Teil neurotisch eifersüchtig ist. In seinen Phantasien erlebt er seine junge und schöne Gattin als Ehebrecherin, die auch lesbische Kontakte einzugehen scheint.

   

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Film

«Inferno - L'enfer d'Henri-Georges Clouzot», Dokumentarfilm von Serge Bromberg und Ruxandra Medrea. In Bern zeigt das Kino im Kunstmuseum den Film zwischen 6.3. – 27.3.2010. In Zürich ist in der Zeit vom 16.2. – 5.3. im Filmpodium zu sehen. Das Stadtkino in Basel plant, den Film im Sommer zu zeigen.


Die Doku «Inferno - L'enfer d'Henri-Georges Clouzot» handelt von einem Film mit Romy Schneider, den es eigentlich gar nicht gibt: «L’enfer» («Die Hölle»), ein Eifersuchtsdrama aus dem Jahr 1964, das nie fertiggestellt wurde und dessen Filmmaterial als verschollen galt. Als Regisseur amtete damals Henri-Georges Clouzot. Dieser hatte nach Filmen wie «Lohn der Angst» und «Die Teuflischen» einen ausgezeichneten Ruf, und so hatte ihm die Produktionsgesellschaft Columbia freie Hand für «L’enfer» gegeben.

Kern des Films war die Geschichte eines Mannes, den seine Unsicherheite in den Wahnsinn treibt. Schneider und ihr Filmpartner Serge Reggiani sollten, frei angelehnt an Marcel Prousts «Marcel und Odette», ein Paar spielen, dessen Leben von der Eifersucht zerfressen zur Hölle wird.

Herzinfarkt während des Drehs

Romy Schneider - zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 26 Jahre jung, in Frankreich lebend und gerade in einem Lebens- und Karrieretief – gab sich lasziv wie selten. Die Schauspielerin wird in Plastikfolien verpackt, kokettiert vor psychedelischen Dekors mit dem Kameraauge und streckt die Zunge durch eine Wasserwand. Oder räkelt sich nackt vor einem fahrenden Zug.

Das rund 15 Stunden lange Filmmaterial galt als verschollen, bis die Filmemacher Serge Bromberg und Ruxandra Medrea es aus den hintersten Winkeln verschiedener Archive hervorholten und zu einem Dokumentarfilm montierten. Menschen, die die Arbeit am Set miterlebten, erinnern sich darin an die abenteuerlichen Dreharbeiten - immer wieder unterbrochen von Original- und nachgestellten Szenen.

Nomen est Omen: Zur Hölle wurde das Filmprojekt am Ende auf ganz andere Weise: Clouzot trieb sich und sein Filmteam schrittweise an den Rand des Kollaps. Der von Schlaflosigkeit gequälte Filmemacher wollte oft in der Nacht weiterarbeiten, und nur wer ein Quartier fern vom Drehort hatte, kam nervlich über die Runden. Während der Arbeit geriet Clouzot immer wieder mit seinen Hauptdarstellern Schneider und Serge Reggiani aneinander. Schliesslich erlitt er beim Dreh einer Szene, in der Romy Schneider Zärtlichkeiten mit einer Frau austauscht, einen Herzinfarkt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2010, 16:39 Uhr

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