«Ick fühl mich hier wie so’n Tier»
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Es gibt nichts Schöneres als eine schöne Frau. Angelina Jolie zum Beispiel. Was für eine Erscheinung! Perfekt sowieso, gebaut wie aus Gottes Katalog fürs Idealmass. Aber auch erhaben und gütig, und wenn sie mit Menschen spricht, zu denen sie sich gewissermassen hinunterbeugen muss – etwa zu einem kleinen alten Mann am Rand der samstäglichen Pressekonferenz zu ihrem Kriegsfilm «In the Land of Blood and Honey» –, scheint sie schier zu schmelzen vor lauter innerer Wärme, die sie den anderen mitteilen und mitgeben möchte.
Angelina Jolie ist ein grosses, feingliedriges, vor Empathie dauerpulsierendes Wesen, sie wirkt weder cool noch distanziert und stark, nein, sie ist von ihrer Mission erleuchtet. Leider sind Missionare sehr ernste, sehr unwitzige Menschen. «Ich gebe mein Bestes», sagt sie, und «das ist mir wichtig, gerade als Mutter und Frau». Oder: «Ich versuche mich seit vielen Jahren zu erziehen und alles über die Konflikte auf dieser Welt zu lernen.» Ihre wichtigsten Schauspieler sitzen neben ihr, sie alle sagen: «Wir sind gesegnet, mit dieser Frau gearbeitet zu haben, die uns allen eine so wundervolle Mutter geworden ist. Sie hat unser Leben verändert und ist jetzt unsere beste Freundin.» Angelina, Mutter voller Gnaden.
Der Weizen und die Spreu
Aus Hollywoods schwindelerregend hoher Höhe ging es dann am Samstagabend hinunter in die Normalität der deutschen Superstars, das Medienboard Berlin Brandenburg hatte am Potsdamer Platz ins Ritz Carlton geladen. Und wer sich fragt, was das denn soll, so auf Du und Du mit den Stars zu sein, der findet Rat bei der Zürcher Regisseurin Stina Werenfels, die auf dem Weg zum ersten Cüpli sagte, Partys wie diese seien hervorragend, es liessen sich da nämlich die Schauspieler so exakt in ihrem natürlichen Umfeld beobachten, dass ihr das mehr bringe als jedes Vorsprechen.
Es krallte sich in eben diesem Umfeld also die grosse Veronica Ferres in seltsamen grünen Hosen sehr vertraut im Pulli des kleinen Jürgen Vogel fest, Til Schweiger sah wieder einmal aus, als hätte er sein Outfit selbstbewusst aus dem Altkleidersack eines Designers gefischt, Benno Fürmann ist weit kleiner als sein Selbstbewusstsein gross, Sibel Kekilli strahlte so restlos glücklich vor sich hin, als hätte sie gerade einen Oscar gewonnen, und Detlev Buck hielt sich als Erster an einem Bier fest und sagte: «Ick fühl mich hier wie so’n Tier.» Uschi Glas kam in Orange, und die formidabel in Champagner gewandete Iris Berben kam mit Sohn Oliver, den man vor allem kennt, weil er einmal mit einer «Germany’s Next Topmodel»-Gewinnerin liiert gewesen war.
Apropos: Es war ganz wundervoll zu sehen, wie organisch sich unter diesen Umständen der Schauspiel-Weizen von der Castingshow-Spreu trennte. Rolf Schneider, Ex-Juror von «Germany’s Next Topmodel», war nämlich auch da – allein. Und das blieb er auch. Glamour ist eben nicht gleich Glamour. Und ganz oben orientiert sich keiner gern nach unten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.02.2012, 13:54 Uhr
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