Kultur

Ist «Avatar» ein «perverser» Film?

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 04.03.2010 158 Kommentare

Ein deutscher Kulturwissenschaftler geisselt «Avatar» als «pervers». Er schiesst so, wie viele Interpretatoren des Films, über das Ziel hinaus.

1/8 Als Avatar auf einem fremden Planeten: Jake (Sam Worthington) trifft auf die junge und schöne Ureinwohnerin Neytiri (Zoe Saldana), die ihn sofort fasziniert.
©2009 20th Century Fox

   

«Avatar» ist der erfolgreichste Film aller Zeiten. Doch das 3-D-Abenteuer ruft auch Kritiker auf den Plan. Konservative, Schwule und Gesundheitsapostel schossen bereits auf den Film. Nun hat sich auch der renommierte deutsche Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit in die Debatte eingeschaltet.

«Kein Film hat mir je so die Eingeweide umgedreht wie James Camerons ‹Avatar›», schreibt er im aktuellen «Spiegel». «Ein Inneres, das zwar hingerissen war von einigen Bildpassagen, aber gleichzeitig ungläubig aufgewühlt von dem Gefühl, dass dies so nicht geht.»

Imperialistische Technologie

«Avatar», so argumentiert Theweleit, verdanke seine gewaltige Bilderwelt eben jenem Technologiewahn, den er bekämpfe. Kein einziges der Bilder der Schlacht gegen das Böse, gegen die Technologie, wäre möglich ohne die ausgefuchsteste Computertechnologie, die die Welt kennt. Der Film feiere den Kampf der galaktischen Indianer gegen die Industrie-Büttel der US-Armee als antikolonialistischen Aufstand - allerdings unter Einsatz der imperialistischsten Technologie, die überhaupt möglich sei.

Und: «Offenbar sind wir, die kinogehende Menschheit, bereit, unserer Ersetzung durch technologische Wesen zuzustimmen. In ‹Avatar› sind das die Na'vi, galaktische Urmenschen, computergeneriert zwar, in 3-D mit Pfeil und Bogen, aber fest im Glauben an eine Grosse Muttergöttin.»

Weitere Widersprüche

Theweleits Analyse ist richtig, wenn auch nicht ganz so neu und brisant wie der zweiseitige Essay vermuten lässt. Auf die Diskrepanz zwischen Produktionsweise und Aussagewunsch von «Avatar» wurde schon öfters hingewiesen. Überhaupt ist Camerons Film voller Widersprüche: «Avatar» spricht sich gegen Profitdenken aus - doch der Grund seiner Produktion ist das (Milliarden-)Geschäft. Auch dass der Film eine westlich-imperialistische Haltung geisselt und gleichzeitig als Inbegriff der amerikanischen Pop-Konsum-Kultur die Welt erobert, kann hinterfragt werden.

Und: «Avatar» wurde von 20th Century Fox produziert. Die Firma gehört niemand anderem als dem ultrakonservativen Medienmogul Rupert Murdoch, der durch den Film noch reicher gemacht wurde, als er es bereits ist. Dass man «Avatar» wie Theweleit nun gleich als «perversen Film» abtut, ist dennoch übertrieben. Folgte man dieser Logik, dürfte ein steinreicher Hollywood-Star keinen Bettler mehr spielen.

Letztlich begehen die «Avatar»-Interpretatoren alle den gleichen Fehler: Sie messen der Aussage des Films eine zu grosse Bedeutung (und Wirkung) zu. «Avatar» ist nichts anderes als ein raffiniert produzierter Action-Film mit einem Schuss Zeitgeist. Akzeptiert man das, lässt sich auch mit computergenerierten Esoterikern gut leben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.03.2010, 13:23 Uhr

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158 Kommentare

Peter Weber

29.12.2009, 12:41 Uhr
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Der Film hat nur einige optische Momente, während die Handlung dem üblichen, pubertären US-Military-Baller-Cowboy gegen quasi Sci-Fi-Indianer entspricht. Für 300 Mio. jedenfalls viel zu wenig! Dass keine echten Pflanzen im Film vorkommen, alles Compi-Animationen, ist für mich nur negativ. Auch die "Indianer" sind schlecht geraten, eher B-Movie Niveau. Eben ein dämlicher US-Blockbuster for Kids. Antworten


walo mueller

29.12.2009, 12:18 Uhr
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Dieser Film ist typisch für den Inteligenzquotienten der kommenden Gesellschaft. Es kann nur abwärts gehen. Antworten



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