Kultur

Ist das Film Festival Schuld an der Verhaftung?

Aktualisiert am 29.09.2009

Die Vorwürfe an die Leitung des Zürcher Film Festivals sind happig: Sie sei selber Schuld an Polanskis Verhaftung. Jetzt wehrt sie sich: Die rechtliche Situation sei genügend abgeklärt worden.

Wollen an der Verhaftung nicht Schuld sein: Nadja Schildknecht und Karl Spoerri.

Wollen an der Verhaftung nicht Schuld sein: Nadja Schildknecht und Karl Spoerri. (Bild: Keystone)

Dossier

Vorgängige Erkundigungen über allfällige Haftbefehle seien aus rechtlichen Gründen unmöglich. Kontakte mit Justizbehörden seien nie aufgenommen worden. Polanski habe die Schweiz seit Jahren regelmässig besucht und sei stets unbehelligt geblieben. Dies sei auch im laufenden Jahr der Fall gewesen, hiess es in einer Mitteilung des Festivals.

Die Organisatoren des Festivals hätten deshalb keinen Grund gehabt, von einer plötzlich veränderten Sachlage auszugehen, schrieben sie. An der Ehrung von Polanski für sein kulturelles Schaffen hält das Festival fest. Alles weitere liege in der Hand der Justizbehörde.

Schwere Vorwürfe

Die Westschweizer Tageszeitung «Le Matin» schrieb heute, nur dank eines Hinweises der Organisatoren soll die Polizei auf den US-Haftbefehl aufmerksam geworden sein. Gemäss den Informationen der Zeitung habe sich die Festivalorganisation bei der Polizei erkundigt, wie denn eine Berühmtheit wie Polanski zu schützen sei. So seien die Polizisten auf den hängigen Haftbefehl gestossen.

Doch Jürg Wildberger – neuer Sprecher des Festivals – weist gegenüber dem «Blick» alle Vorwürfe zurück: «Laut Auskunft der Festivaldirektion ist keine Anfrage an die Polizei gemacht worden.»

Festivaldirektorin Nadja Schildknecht sagt: «Das ist doch absurd. Wir haben sicher nicht bei der Polizei angerufen. Glauben Sie, wir sind so dumm?»

US-Polizeistellen lieferten den Hinweis

Polanski hatte am Samstag ans Zürcher Film Festival reisen wollen, als er in Zürich auf Grund eines internationalen Haftbefehls festgenommen wurde.

Laut Aussagen von Guido Balmer, dem Sprecher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, hatten Polizeistellen in den USA in der vergangenen Woche den entscheidenden Hinweis auf Polanskis Einreise gegeben.

Polanski geht es den Umständen entsprechend gut, wie sein Schweizer Anwalt Lorenz Erni gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SF sagte. Es sei jedoch keine einfache Zeit für Polanski. (bru/sda)

Erstellt: 29.09.2009, 19:45 Uhr

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