Kultur

Jeff «The Dude» Bridges im Interview

Von Sarah Elena Schwerzmann. Aktualisiert am 17.03.2010

In «Crazy Heart» spielt der Amerikaner einen alkoholabhängigen Countrysänger. Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt er, wie er sich auf die Rolle vorbereitet hat.

Der Meister bei der Arbeit: Jeff Bridges spielt in «Crazy Heart» den Countrymusiker Bad Blake, der in einer Schaffenskrise steckt.

zvg

Zur Person

Der 1949 in Los Angeles als Sohn des Schauspielers Lloyd Bridges geborene Jeff Bridges schaffte den Durchbruch im Jugenddrama «The Last Picture Show» (1971). Weitere Glanzrollen spielte er in «The Fabulous Baker Boys» (1989) neben Bruder Beau Bridges und in «The Fisher King» (1991), bevor er als Dude in «The Big Lebowski» (1998) Kultstatus erlangte. Nach vier Nominationen holte sich Bridges dieses Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller für «Crazy Heart». zas

Ein charmantes Wrack

Er ist ungepflegt, pleite und pfeift aus dem letzten Loch: Der 57-jährige Countrysänger Bad Blake (Jeff Bridges) müht sich mit Auftritten in drittklassigen Spelunken über die Runden. Kein Zweifel: Dieser Seelenverwandte von Mickey Rourke in «The Wrestler» hat mit dem Leben abgeschlossen. Doch dann lernt er die Musikjournalistin Jean (Maggie Gyllenhaal) kennen und verliebt sich in sie.

So unaufgeregt «Crazy Heart» von Scott Cooper dahinplätschert, so packend ist die Verkörperung des singenden Wracks durch Jeff Bridges, der mit offener Hose rumschlurft und einen bärbeissigen Charme versprüht. Die Co-Darsteller Maggie Gyllenhaal, Colin Farrell und Robert Duvall setzen kräftige Akzente. Vor allem aber treffen die Songs von T Bone Burnett («Walk the Line») und Stephen Bruton den Charakter von Blake so genau, dass man von perfekter Symbiose sprechen möchte. zas

Kinostart ist diesen Donnerstag

Jeff Bridges, in «Crazy Heart» spielen Sie einen Countrysänger, der sich mit Alkohol durch eine Schaffenskrise tröstet. Kennen Sie dieses Gefühl des Versagens auch?
Ja, natürlich. Ich hatte auch schon den Blues und das Gefühl, dass alles in meinem Leben ganz schrecklich ist. Aber der Unterschied zwischen Bad Blake und mir ist, dass ich ein soziales Netz habe – allen voran meine Frau und meine Familie –, das mich unglaublich unterstützt. Meine Eltern haben mich ebenfalls immer aufgebaut und standen mir zur Seite, als sie noch gelebt haben. Bad hat nichts von all dem.

Bad suhlt sich geradezu in seiner miserablen Situation.
Viele Künstler verfangen sich im Mythos des leidenden Künstlers, der diesen Seelenschmerz fühlen muss, um kreativ zu sein. Mir geht es ab und zu auch so, aber grundsätzlich versuche ich, meine Arbeit anders anzugehen. Ich zelebriere meine Traurigkeit nicht.

Wie haben Sie sich für diese Rolle vorbereitet?
Ich will die Figur immer so realistisch wie möglich darstellen. Für «Crazy Heart» musste ich mich aber nicht so spezifisch vorbereiten wie zum Beispiel für «Tideland», in dem ich einen Drogenabhängigen spiele. Ich habe noch nie gefixt, darum musste ich es lernen, was für mich schwierig war. Aber natürlich habe ich schon die Erfahrung gemacht, betrunken zu sein, mich übergeben zu müssen und einen Kater zu haben.

Sie erhielten für Ihre Darstellung einen Oscar. Hat Sie der Erfolg des Filmes überrascht?
Ich habe immer hohe Erwartungen, wenn ich einen Film mache. «Crazy Heart» ist aber insofern speziell, weil der Film alle meine Erwartungen übertroffen hat. Fast wäre der Film direkt auf DVD herausgekommen, aber dann hat ihn Fox Searchlight aufgenommen. Ich freue mich ungemein darüber!

Die Rolle des Bad Blake könnte für Sie zur Paraderolle werden...
Ich hoffe es nicht. Mein Vater Lloyd Bridges hat in den Sechzigern «Sea Hunt» gemacht und bekam nach der Serie viele Rollenangebote, aber es waren alles Filme, in denen er einen Taucher spielen sollte. Ich versuche, keine so starke Persona zu schaffen, wenn ich in eine Rolle schlüpfe. Vielleicht ist das für mich auch einfacher, weil das Publikum nicht genau weiss, wie ich wirklich bin.

Haben Sie nicht schon mit der Rolle des Dude in «The Big Lebowski» eine solche Persona geschaffen?
Ja, vielleicht kann man das so sehen. Aber ich habe mich danach sehr bemüht, eine Rolle zu spielen, die in eine ganz andere Richtung geht. Es wurde dann die Rolle des amerikanischen Präsidenten («The Contender»), eine Figur, die natürlich das genaue Gegenteil des Dude ist. Und die zu spielen, hat ebenso grossen Spass gemacht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.03.2010, 13:47 Uhr

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