Kurzfilm der Woche: Er beweist, dass er kein Baby ist

Frédéric Mermoud zeigt in seinem von Jean-Jacques Rousseau inspirierten Kurzfilm «Du contrat social» einen kleinen Jungen, der sich Anerkennung verschafft.

Raues Klima auf dem Schulhof: «Du contrat social» von Frédéric Mermoud.

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Kinder können gemein sein. Der kleine Pierre, ein eigenbrötlerisch wirkender Junge mit einem Hasen auf dem Arm, bekommt das zu spüren. Die anderen Kinder auf dem Pausenplatz schliessen ihn aus. Sie lassen ihn nicht mitmachen bei ihren Spielen und beschimpfen ihn: «Hau ab, Kleiner!» Aber er will doch unbedingt mitspielen. Mit einer brutalen Aktion erkämpft er sich schliesslich den Respekt der anderen und beweist, dass er kein Baby ist.

In der Reihe «La faute à Rousseau» haben sich 55 Filmemacher mit dem in Genf geborenen Philosophen auseinandergesetzt (in der Reihe «Kurzfilm der Woche» von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigten wir bereits «Goal» von Fulvio Bernasconi und «L'homme est-il bon?» von Basil Da Cunha). Regisseur Frédéric Mermoud hat sich schon während seines Studiums der Literatur viel mit Rousseau beschäftigt. Sein Kurzfilm «Du contrat social» trägt denselben Titel wie eines der Hauptwerke des Denkers, «Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts», in dem sich Rousseau mit der menschlichen Gemeinschaft und ihrer Organisation auseinandersetzt.

Daraus entnimmt Mermoud einen Satz, den er an den Schluss des Filmes stellt: «Die gesellschaftliche Ordnung entspringt nicht der Natur, sie ist auf Abmachungen gegründet.» Sein Film erinnert allerdings eher an Darwins Kampf ums Überleben und zeigt einen Schwachen, der sich auf Kosten eines noch Schwächeren in die Gemeinschaft einfügt. (lmm)

(Erstellt: 08.02.2013, 16:41 Uhr)

Stichworte

Film

«Du contrat social». 7 min. Regie und Drehbuch: Frédéric Mermoud. Produktion: Rita Productions/Radio Télévision Suisse, 2012.

Kurzfilm der Woche

Der Kurzfilm gilt als die offenste, schnellste und oft auch mutigste Filmkunstform. Obs an der schnelllebigen Zeit liegt, in der wir leben? Auf jeden Fall erfreuen sich die Minifilme gerade an Festivals einer immer grösseren Beliebtheit – auch in der Schweiz, wo es eine lebendige Kurzfilmszene gibt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt in Zusammenarbeit mit der Filmpromotionsagentur Swiss Films jeden Freitag einen exklusiven Schweizer Kurzfilm. Die Produktionen sind jeweils mindestens 24 Stunden online.

Die Stiftung Swiss Films ist die Promotionsagentur des Schweizer Filmschaffens. Als Partnerin der Filmschaffenden verstärkt sie die Sichtbarkeit und positive Wahrnehmung der helvetischen Filmkultur im Ausland und in der Schweiz. Kernaufgaben der Stiftung sind Verbreitung, kulturelle Vermittlung und Vernetzung des Schweizer Filmschaffens.

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