Lila, Lila
Von Florian Keller. Aktualisiert am 26.09.2009
Daniel Brühl und Hannah Herzsprung in «Lila, Lila».
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Der Schweizer Kinostart von «Lila Lila» steht noch nicht fest.
«Nussgipfel», sagte der deutsche Schauspieler im Zürcher Kino Corso, das sei eben so ein herzig komisches Wort, wie es nur ein Schweizer schreiben könne. Brühl, seit «Good Bye, Lenin!» der ewige Jungstar des deutschen Kinos, hat Suters Bestseller «Lila Lila» schon als Hörbuch gesprochen, jetzt verkörpert er den Helden des Romans auf der Leinwand. Vor sechs Jahren war der Schauspieler mit dem Schweizer Regisseur Alain Gsponer nach Ibiza gereist, um Martin Suter um die Filmrechte zu bitten – am Donnerstag nun feierten die beiden am 5. Zurich Film Festival unter grossem Applaus von Sponsoren und geladener Prominenz die Weltpremiere von «Lila Lila».
Gutartiger Schwindel
Und man muss schon sagen: Die Rolle des braven Kellners, der sich mit einem gefundenen Manuskript ins literarische Rampenlicht katapultiert, ist perfekt zugeschnitten auf Daniel Brühl. Das Grundrezept ist ja dasselbe, mit dem er schon in «Good Bye, Lenin!» die Herzen erobert hatte: Da leistet sich ein unscheinbarer Bursche einen gutartigen Schwindel, aber bald wächst ihm das Lügengebäude über den Kopf.
Damals hielt er für die todkranke Mutter die DDR künstlich am Leben, jetzt gibt er sich als Schriftsteller aus, um der schönen Studentin Marie (Hannah Herzsprung) zu gefallen. Wenn sich der falsche Literat dann wie ein Legastheniker durch seine ersten Lesungen quält, darf Brühl das genüsslich als komödiantisches Kabinettstück auskosten.
«Das ist Hochkultur, du Arschloch!»
Das ist geschliffen, das ist leichtfüssig und ohne Mätzchen inszeniert – also filmisch die treue Entsprechung von Suters Prosa. Eine Satire auf den Literaturbetrieb aber ist es nicht. Dafür fehlt es Gsponers romantischem Schelmenfilm am Willen zur Schärfe. Wie der Titel schon sagt: Es ist alles sehr pastell, in «Lila Lila». Nur einmal schreckt man kurz auf aus diesem Reigen von wohltemperierter Nettigkeit. Das ist, wenn Henry Hübchen als schmieriger Schlawiner ausruft: «Das ist Hochkultur, du Arschloch!» Ein passendes Motto für die nächsten Tage am Zurich Film Festival? Wir werden sehen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.09.2009, 12:47 Uhr
Kultur
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