Motzen bis die Liebe einsetzt
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Film
«Greenberg» mit Ben Stiller, Regie: Noah Baumbach. Deutschschweizer Kinostart am 1. April
Langweiler will schon im echten Leben niemand sehen. Fragt sich, warum Regisseur Noah Baumbach («The Squid and the Whale») glaubt, das sei auf der Leinwand anders. Denn «Greenberg», der Held des gleichnamigen Films, ist genau das: langweilig. Ein gescheiterter Musiker, knapp über 40, dessen einzige Leidenschaft das Verfassen von Beschwerdebriefen ist. Ständig fallen ihm neue Adressaten ein, mal hat eine Fluggesellschaft seinen Ärger erregt, mal eine Kaffeehauskette.
«Gerade versuche ich, gar nichts zu machen», erklärt Greenberg seinen Mitmenschen. Und er hält Wort. Ohne Job, ohne Beziehung und ohne Hobbys dümpelt sein Leben so dahin. Er hat das vage Gefühl, etwas ändern zu müssen, doch er weiss nicht was. Irgendwann scheint er aufgehört zu haben, sich weiterzuentwickeln.
Haus hüten in L. A.
Ein Angebot seines Bruders kommt ihm da gerade recht: Einige Wochen dessen Haus, Hund und Pool in Los Angeles zu hüten, bei freier Kost und Logis. Obwohl der Film vorgibt, eine Komödie zu sein, spielt Ben Stiller die um sich selbst kreisende Hauptfigur ganz ohne die grimassenschneidende Albernheit, für die ihn seine Fans lieben.
Die Dreharbeiten seien eine neue Erfahrung gewesen, sagte er in einem Interview. Denn er habe die Dialoge genauso gesprochen, wie sie im Drehbuch standen - ohne die für ihn typischen Improvisationseinlagen. Streckenweise ist es durchaus sehenswert, ihn dabei zu beobachten, wie er sein Rollenspektrum erweitert.
Spätestens nach der Hälfte des Films aber kommt der Wunsch auf, er möge doch wenigstens ein klein wenig albern sein und improvisieren, um seiner Figur ein Quäntchen Sympathie einzuhauchen. Ein Lichtblick ist die 26-jährige US-Schauspielerin Greta Gerwig, die dem Kinopublikum bislang noch weitgehend unbekannt sein dürfte.
Notorischer Nörgler
In ihrer authentischen und unbekümmerten Art verursacht sie als junge Haushälterin Florence sogar bei dem notorischen Nörgler Herzklopfen - nachdem er sie anfangs zurückgestossen hatte. Was die 25-Jährige an einer Affäre mit dem Menschenfeind reizt, bleibt eine der Fragen, auf die Baumbach keine Antwort gibt.
Und das, obwohl sie spannender wäre, als Greenberg beim Nichtstun zuzuschauen. So erreicht der Film seinen Höhepunkt, als der schwer kranke Hund zum Tierarzt muss. Ein Genuss ist der Soundtrack von James Murphy, der dem Film in manchen Szenen den Tiefgang verleiht, den die Handlung des 107-Minüters vermissen lässt.
«Greenberg», der an der Berlinale beim Rennen um den Goldenen Bären dabei war, hat schöne Einstellungen, die leider unmotiviert für sich allein stehen bleiben. So erlaubt Baumbach der Kamera, während einer Autofahrt minutenlang auf Florences Profil zu verweilen.
«Greenbergs aufgestauter Groll rührt daher, dass das Leben partout nicht kooperieren will», erklärt Baumbach in den Produktionsnotizen seine Hauptfigur. Schade nur, dass es ihm nicht gelingt, sein Publikum für Greenbergs Leben zu interessieren. (phz/sda)
Erstellt: 30.03.2010, 11:51 Uhr
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