Nach dem Zank der Wettstreit um die Leoparden
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Nach dem ritualisierten Zank, der fast jedem Grossereignis der Schweizer Filmbranche vorausgeht, sollen mit der Eröffnung des Filmfestivals Locarno die Streifen und ihre Macher ins Zentrum rücken. Zum Auftakt am Mittwoch läuft «Vitus». Fredi M. Murers Erfolgsfilm aus dem Jahr 2006 wird in Locarno in einer gekürzten Fassung gezeigt. Anschliessend feiert das Festival den 100. Jahrestag der Filmmusik mit einem Konzert des «Vitus»-Hauptdarstellers und Pianisten Theo Gheorghiu.
Als erster Film auf der Piazza Grande ist am Mittwochabend «(500) Days of Summer» programmiert, der erste lange Spielfilm von Marc Webb. Die romantische Komödie, die auch Erwachsene geniessen können, ohne peinlich berührt zu sein, erzählt auf erfrischende Weise von der Beziehung zwischen Tom und Summer.
In den Hauptrollen des unkonventionellen US-Films sind Joseph Gordon-Levitt («The Lookout») und Zooey Deschanel («Yes Man») zu sehen. Ab Ende September läuft er auch in den Deutschschweizer Kinos. Das 62. Filmfestival von Locarno dauert bis am 15. August und zeigt bis dahin 390 Filme, darunter 180 lange.
Leoparden-Hoffnung
Unter den 18 Filmen, die im internationalen Wettbewerb um den Goldenen Leoparden rittern, erfahren 14 in Locarno ihre Welturaufführung, darunter die französisch-schweizerische Koproduktion «Complices», der erste abendfüllende Film des Schweizer Regisseurs Frédéric Mermoud.
Den Ehrenleoparden des Festivals erhält der US-Regisseur William Friedkin, Schöpfer von Klassikern wie «The French Connection» (1971), «The Exorcist» (1973) und «Cruising» (1981). Der Excellence Award geht an Toni Servillo, der letztes Jahr mit «Il Divo» und «Gomorra» in den Kinos zu sehen war.
Ein weiteres Highlight bildet die grosse Manga-Retrospektive. Locarno zeigt als erstes nicht-spezialisiertes Filmfestival im Westen eine japanische Anime-Reihe mit etwa 30 langen Filmen aus den letzten 50 Jahren.
Aufsichtsbeschwerde
Vor seinem Start war das Grossereignis im Tessin von negativen Schlagzeilen überschattet worden, die allerdings kaum mit dem Programm zu tun hatten: Starmangel wurde einmal mehr beklagt und der Knatsch zwischen den Akteuren der Filmbranche thematisiert.
Zwei Produzentenverbände reichten Ende Juli eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Sektion Film des Bundesamtes für Kultur (BAK) ein. Sie werfen der Abteilung von BAK-Filmchef Nicolas Bideau «Missachtung gesetzlicher Vorschriften» vor.
Festivaldirektor verärgert
Das BAK beurteilt die Hauptkritikpunkte als «nicht fundiert», wie es hiess. Bideau gab sich am Montag auch im Westschweizer Fernsehen TSR selbstbewusst: Er werde an der BAK-Medienkonferenz vom Freitag die Aufsichtsbeschwerde «in zehn Minuten abtun».
Der scheidende Festivaldirektor Frédéric Maire zeigte sich allerdings besorgt: Es bestehe «absolut» die Gefahr, dass der Streit um die Filmpolitik die Filme in Locarno in den Schatten stelle, sagte er gegenüber der «Mittelland Zeitung». (vin/sda)
Erstellt: 06.08.2009, 09:14 Uhr
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