Kultur

«Operation Walküre»: Tom Cruise und der Scientology-Stauffenberg

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 17.12.2008

Selten gab es so viel Getöse im Vorfeld einer Hollywood-Produktion. Jetzt ist er endlich hier, der Stauffenberg-Film mit Tom Cruise – und das Ergebnis sorgt in Deutschland für Überraschung.

1/6 w0.jpg
Erst umstritten, dann umjubelt: Tom Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

   

Artikel zum Thema

«Operation Walküre»

Die Europapremiere ist am 20. Januar in Berlin. Der Film läuft in der Schweiz am 22. Januar in den Kinos an.

Heftig war der Wirbel in Deutschland rund um die Dreharbeiten von «Operation Walküre»: Ob ein Scientologe wie Tom Cruise denn die Rolle des Widerstandskämpfers und Hitler-Attentäters Stauffenberg übernehmen dürfe? Und ist es zulässig, die US-Crew am Originalschauplatz, dem Berliner Bendlerblock, wo Stauffenberg hingerichtet wurde, drehen zu lassen?

Auf der anderen Seite argumentierte man, dass dieser Film das Bild Deutschlands in der Welt nachhaltig ändern werde. Endlich nehme sich Hollywood des deutschen Widerstands im Dritten Reich an und stelle damit dem Bild des Nazi-Schergen ein anderes, positives gegenüber.

Grundsolide Performance

Nun haben erste deutsche Kritiker den Film gesehen – und es ist alles halb so dramatisch. «Ganz in Ordnung, der Stauffenberg-Film», findet Hanns-Georg Rodek in der «Welt». Schade nur, dass der Hauptdarsteller so wenig Charisma habe: «Cruise ist am besten als Aufsteiger, der mit Aggressivität und Energie den Respekt seiner Umgebung erkämpft, ein amerikanischer Held eben. Stauffenberg aber war ein deutscher Held, von aristokratischem Gebaren, und das ist eine Dimension, die Cruise völlig abgeht». Der Kritiker der «Süddeutschen» sah von Tom Cruise hingegen eine «grundsolide Performance». Den Film bezeichnete er als «ein spannender, ziemlich guter und komplexer Thriller».

Das Auge nicht verwechselt

Nach dem Halali der Scientology-Gegner und dem Aufschrei der Springer-Presse, die das Drehbuch nach historischen Ungenauigkeiten durchforstete, die man Cruise hätte ankreiden können, ist mediale Enttäuschung spürbar. Zieht man in Betracht, was dem Film alles vorgeworfen wurde (Revisionismus), gemessen auch daran, wie peinlich das alles hätte werden können (Top-Gun-Stauffenberg), hat sich der eine oder andere wohl einen Skandal erhofft.

Doch die Amerikaner gaben sich keine Blösse, respektive hielten sich an die historischen Fakten des 20. Juli 1944, als Stauffenberg mit seinem Attentatsversuch scheiterte. Beim Publikum kommt das an. Der Film sei sehr bewegend für sie gewesen, weil sie bisher nur wusste, dass es in der Nazizeit französischen Widerstand gegeben habe, aber nichts über deutschen Widerstand, meinte eine New Yorkerin gegenüber «USA Today».

Sogar das Auge haben die Macher diesmal nicht verwechselt. In «Der 20. Juli», der ersten Verfilmung des Hitler-Attentats, trug der Stauffenberg-Schauspieler die Klappe über dem rechten Auge. Cruise trägt sie korrekterweise über dem linken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.12.2008, 14:27 Uhr

Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.