Schweizer und andere Flops in Locarno
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Nach dem inoffiziellen Schweizer Wochenende mit Christoph Schaubs «Giulias Verschwinden» als Highlight folgte gestern der offizielle Tag des Schweizer Films – Locarno wird dieses Jahr gar stark vom einheimischen Schaffen in Beschlag genommen. In seltsamem Kontrast zum prominenten Auftritt auf der Piazza Grande steht dabei die magere Präsenz im internationalen Wettbewerb. Da ist die Schweiz nur gerade mit Frédéric Mermouds «Complices» vertreten («Bund» vom Montag), einer stark französisch geprägten Produktion, die zwar solid gemacht ist, aber doch eher Fernseh- als Kinoformat hat.
Gar zu einem künstlerischen Absturz kam es gestern Abend auf der Piazza Grande: «La valle delle ombre» des in Basel geborenen Mihaly Györik bietet zwar einige stimmungsvolle Bilder, ist aber ein hölzern inszenierter, stellenweise unfreiwillig komischer Geisterfilm, gestrickt aus Legenden aus den Tessiner Tälern, wo das sichtlich unterfinanzierte Werk auch realisiert worden ist. Eine Gruppe von Kindern bildet das Zentrum des episodischen Werks und soll wohl die Naivität in der filmischen Form legitimieren. Als Mutprobe werden Schauermärchen erzählt, bis die Gruppe von den Geistern eingeholt wird, die sie gerufen hat und die in einem überfluteten Dorf begraben sind.
Enttäuschend wie «La valle delle ombre» war auch die zweite Premiere des Schweizer Tages, «Baba’s Song» von Wolfgang Panzer, ein von afrikanischen Klängen getragener Film über zwei Strassenkinder in Malawi, die durch die Musik ihrem schwierigen Alltag enthoben werden. Die dokumentarisch wirkenden Szenen mit den beiden Hauptdarstellern überzeugen dank deren Ausstrahlung und dem Blick Panzers für ihre triste Realität. Von fast schon peinlicher Plattheit aber sind die Szenen mit Gilles Tschudi als Leiter eines Waisenheims und Sabina Schneebeli und Franka Potente als lesbisches Paar, das den Titelhelden Baba adoptieren will.
5000 Eintritte weniger
«Baba’s Song» lief zu Recht nur in der Nebensektion «Ici et ailleurs», deren Profil genau so diffus ist wie ihr Name. «La valle delle ombre» aber programmierte Frédéric Maire prominent als Abschluss des Schweizer Tages, was wohl nur mit regionalen Überlegungen zu erklären ist. Dieser Entscheid zugunsten eines Tessiners Abends auf der Piazza Grande grenzt allerdings an künstlerischen Ausverkauf.
Das ist umso gravierender, als Maire auch publikumsmässig dieses Jahr mit seinem Piazza-Programm keine besonders glückliche Hand hat. Tiefpunkt war die Manga-Nacht am Montagabend. Beim Event verloren sich gerade mal 2500 Besucher auf der Piazza Grande – es dürfte sehr lange her sein, seit letztmals so wenige Leute ein Ticket kauften. Bis und mit Dienstagabend verzeichnet man auf der Piazza 5000 Eintritte weniger als zum selben Zeitpunkt letztes Jahr. Und dieses wiederum war mit insgesamt 56'700 verkauften Tickets schon deutlich schlechter als 2007 (68'100). Ob diese negative Tendenz bis am Samstagabend korrigiert werden kann, wird sich weisen.
Patt bei «Sennentuntschi»
Regen Zulauf verzeichnete die Podiumsdiskussion des Schweizer Filmtags, die sich unter dem Titel «Wer gibt den Ton an?» mit dem Thema Kultursponsoring in Zeiten der Krise befasste. Breites Interesse weckte nicht unbedingt das Thema, sondern der pikante Umstand, dass «Sennentuntschi»-Regisseur Michael Steiner mit auf dem Podium sass. Seit rund einem halben Jahr ist Steiner wegen der gravierenden finanziellen Probleme seiner Verfilmung der Alpensage und des drohenden Konkurses seiner Firma Kontraproduktion in den Schlagzeilen.
Steiner witzelte, der Film sei nicht Opfer der Finanzkrise, sondern deren Auslöser. Es sei eben gefährlich, Mythen zum Leben zu erwecken. Neues zum Endlos-Fall konnte er aber nicht berichten. Nach wie vor ist «Sennentuntschi» in einer Pattsituation gefangen, weil die zahlreichen Involvierten – öffentliche Geldgeber, private Investoren – sich bisher nicht auf ein Konzept einigen konnten. Die eine Fraktion will Steiners Firma sanieren und so den Film retten, die andere will den Konkurs der Kontraproduktion und den Film mit einer Auffanggesellschaft fertigstellen. Es existiere ein Konzept zur Rettung, sagte Steiner, dieses könne aber erst realisiert werden, wenn sich alle einig sind. «Das ist alles sehr politisch geworden.»
> (Der Bund)
Erstellt: 13.08.2009, 15:45 Uhr
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