Sex in der Wüste
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 25.05.2010
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Deutschschweizer Kinostart am kommenden Donnerstag.
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Mancher Fan der Serie «Sex and The City» wird sich schon bei der ersten Adaption fürs Kino gefragt haben, ob sich das fragile Arrangement des flotten Freundinnen-Vierers mit Gewinn auf die Leinwand übertragen und in eine zweistündige romantische Komödie verwandeln lässt. Nach «Sex and The City 2» bleiben diesbezüglich keine Fragen offen: Der Film funktioniert nicht einmal mehr als Komödie, sondern hat die Anmutung einer zweieinhalbstündigen Werbesendung.
Wir steigen ein bei der «schwulen» Hochzeit von Carries (Sarah Jessica Parker) und Charlottes (Kristin Davies) ehemals besten Freunden. Hier werden wir in die neuen Lebensumstände der Protagonistinnen und ihre Probleme eingeführt werden: Carrie und Big (Chris Noth) sind verheiratet und kämpfen gegen die Ehe-Routine, Charlotte hat ein zweites Kind adoptiert und schrammt knapp am mütterlichen Burn-Out vorbei, Miranda (Cynthia Nixon) lehnt sich auf gegen die Ignoranz ihres neuen Chefs, Samantha (Kim Catrall) schlägt sich mit den Begleiterscheinungen der Wechseljahre herum. Der Film lässt sich Zeit, die Hochzeits-Szene mit einem Auftritt von Liza Minelli auszuschlachten, die so süss ist, dass man fürchtet, vom Zuschauen Karies zu kriegen. Leider wird es im Verlauf des Films nicht besser.
Klischees und Wüstensandalen
Zweieinhalb lange Stunden werden Fashion-Statements und Schauplätze inszeniert – doch während die Serie von den parallel geführten Erzählsträngen und witzigen Dialogen lebte, speist uns Regisseur Michael Patrick King mit plumpen Wortspielereien ab. Ansonsten begnügt er sich damit, die wohlbekannten Probleme seiner Figuren weiter platt zu walzen – was so nervtötend ist, dass man sich wünscht, das Flugzeug, das die vier besteigen, um in die Wüste zu jetten, würde über dem Atlantik spurlos verschwinden.
Der Einladung eines reichen Scheichs folgend, verlassen unsere vier Freundinnen nämlich das rezessions-geschüttelte New York und fliegen nach Abu Dhabi. Hier kriegt jede eine eigene Limousine und einen eigenen Butler, worauf die Damen grossäugig das letzte Rückzugsgebiet für dekadenten Luxus bestaunen. Statt sich bei Jimmy Choo mit Stilettos einzudecken, kaufen sie auf Gewürzmärkten arabische Slipper, trinken ihre Cocktails nun in der Wüste statt in schicken Bars und singen abends im Hotel Karaoke. Die Konflikte folgen Schema F: von der Warte ihres Luxus-Ressorts erschauern die Damen vornehm ob der Gender-Politik in einer islamischen Gesellschaft und reissen ihre Witze darüber («Wer einen Niqab trägt, kann wenigstens beim Botox sparen.»)
Abgeschmackte Nostalgie
Der Film gipfelt dramaturgisch in der Szene, da Carrie einen zufällig angetroffenen Exfreund nach dem gemeinsamen Abendessen küsst und sich verzweifelt fragt, ob sie ihrem Gatten den Treuebruch gestehen soll – die Nichtigkeit dieses Dilemmas ist bezeichnend für die Oberflächlickeit des Films. Da helfen auch die komischen Einlagen Samanthas wenig: Weil ihr die Hormonpräparate gegen die Menopause am Flughafen abgeknöpft werden, beweist sie einigen Einfallsreichtum auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden.
Am Ende bleiben zwei Erkenntnisse: Die Neunzigerjahre sind vorbei und die Zeit geht an niemandem spurlos vorüber – da helfen weder Botox noch Nostalgie. Und ein Film, der sich statt auf eine anständige Storyline bloss auf eine Aneinanderreihung von Klischees stützt, ist nicht nur abgeschmackt, sondern schlicht langweilig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.05.2010, 15:17 Uhr
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