«Star Wars 3-D»: Nur dabei statt mittendrin
Von Stefan Volk. Aktualisiert am 08.02.2012 4 Kommentare
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Es ist noch nicht lange her, da feierte die Filmwelt mit James Camerons «Avatar» (2009) den Aufbruch in ein neues Kinozeitalter. Der Siegeszug des 3-D-Kinos schien nach dem überwältigenden technischen und finanziellen Erfolg des dreidimensionalen Öko-Science-Fiction-Abenteuers unaufhaltsam. Die grossen Kinoketten rüsteten ihre Projektionsverfahren um, und trotz schwindender Zuschauerzahlen verzeichneten sie bei höheren Ticketpreisen für die neue Technik insgesamt ein Einnahmeplus.
Dann aber stagnierte die Entwicklung – vor allem beim Realfilm. Über Horror, Sciencefiction, Fantasy und Actionfilme reicht die Palette bei 3-D-Spielfilmen bis heute kaum hinaus. 3-D-Dramen, 3-D-Liebesfilme, 3-D-Komödien gibt es so gut wie nicht. Viele Filmemacher meiden die Technik aus ästhetischen wie praktischen Gründen. Im Vergleich zu herkömmlichen Filmen verwaschen die Farbnuancen, und die Dreharbeiten gestalten sich ungleich aufwendiger. Billigere Produktionen versuchen dies zu umgehen, indem sie weiterhin in 2-D drehen, den Film aber nachträglich ins 3-D-Format konvertieren. Die Ergebnisse fallen meist unbefriedigend aus. «2,5-D» nennt 3-D-Pionier James Cameron dieses halbherzige Verfahren, von dem er fürchtet, dass es das 3-D-Kino insgesamt nachhaltig in Verruf bringen könnte.
Mehrwert gleich null
Dass Camerons Sorge durchaus berechtigt ist, lässt sich ab morgen anhand der 3-D-Version von George Lucas’ «Star Wars: Episode I» beispielhaft begutachten. Obwohl die 3-D-Konvertierung technisch auf neuestem Stand, sorgfältig und sauber erfolgte, hebt sie das Sci-Fi-Epos von 1999 keineswegs in eine neue Dimension. Optisch enttäuscht besonders, dass das Bild stets nur in die Leinwand hinein-, aber nie aus ihr herausragt. Und erzählerisch hat die nachträglich drübergerechnete Raumtiefe ohnehin keinen Mehrwert. Unterm Strich verpufft der 3-D-Effekt nahezu wirkungslos: Bild für Bild, Szene für Szene sieht man zwar den Unterschied zwischen der neuen 3-D- und der alten 2-D-Version, aber man spürt und fühlt ihn nicht. Nun darf man gespannt sein, ob James Cameron das mit der 3-D-Version seiner «Titanic» (Kinostart: 5.April) besser hinkriegt.
Kreative Krise der Branche
Eins aber steht jetzt schon fest: Sollte die Zukunft von 3-D darin liegen, die globale Filmwiederverwertungsmaschinerie um einen technischen Abzockzyklus zu erweitern, wäre es düster darum bestellt. Denn selbst die 3-D-Bastion des Animationsfilms geriet bereits ins Wanken als im Herbst 2010 die 2-D-Version von Disneys «Toy Story 3» in den USA mehr Geld einspielte als die teurere 3-D-Variante. Auf Dauer dürfte es nicht genügen, mit spektakulären 3-D-Effekten aufzuwarten, wie Martin Scorsese sie ab morgen in seiner 3-D-Premiere «Hugo» im Kino präsentiert (siehe Text unten). Zumindest nicht, solange die Tickets für einen Film in 3-D teurer sind als für seine 2-D-Version.
Der weitere Erfolg des 3-D-Kinos ist wohl keine reine Formsache. Vielmehr bedarf es ambitionierter und mutiger Filmemacher und Kinokünstler, die in der Lage sind, der Form einen eigenen Ausdruck zu verleihen. Wie das gehen könnte, haben mit Wim Wenders’ «Pina» und Werner Herzogs «Die Höhle der vergessenen Träume» zuletzt nicht zufällig zwei Dokumentarfilme demonstriert. Denn letztlich spiegelt die Krise des 3-D-Kinos nichts anderes wider als die kreative Krise des Erzählkinos an sich. Bis auf wenige Ausnahmen herrscht hier schon seit Jahren filmästhetisches Einerlei. Als neues technisches Hilfsmittel für filmische Innovationen ist das 3-D-Kino also keinesfalls am Ende angelangt. Im Gegenteil: Hier steht es erst ganz am Anfang. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.02.2012, 11:01 Uhr
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