Kultur

Strapse, Peitschen und Kanonen – Versauen die «Räuberinnen» Solothurn?

Von Christoph Schneider. Aktualisiert am 20.01.2009 47 Kommentare

Noch bevor sie begannen, hatten die 44. Solothurner Filmtage ein Skandälchen. Der Film, der es auslöste, heisst «Räuberinnen». Am Mittwoch ist Premiere.

1/9 1HBWBkLCC_Pxgen_r_498x332.jpg
Scherzhaft vor sich hin ferkelnde Groteske: Bilder aus dem Film «Räuberinnen» von Carla Lia Monti.
Bild: Dschointventschr

   

Artikel zum Thema

Trailer

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Der «Blick» gestern schrieb vom «versautesten Film seit Bestehen der Schweizer Filmförderung». Der «Sonntag» vorgestern bemühte die freudsche Verdrängungstheorie und war nah dran, den Schweizer Spielfilm «Räuberinnen», eine scherzhaft vor sich hin ferkelnde Groteske, mit dem Seelenleben einer Regisseurin (Carla Lia Monti) und eines Produzenten (Samir von Dschoint Ventschr) zu verwechseln. In den Sog der Empörung geriet auch das Schweizer Fernsehen, das sich vorwerfen lassen musste, «mit unseren Gebühren» eine Sauerei koproduziert zu haben und, schlimmer: zu planen, sie dann doch nur in einer entschärften Fassung auszustrahlen.

Unkorrekt und nicht züchtig

Die Aufregung scheint künstlich und ein wenig gouvernantenhaft. Es handelt sich bei «Räuberinnen» um die Geschichte eines adeligen Töchterleins, das keinen fetten Grafen heiraten will und lieber mit dem Personal eines Bordells eine Räuberinnenbande gründet. Es kommen ferner u.a. vor: ein Bischof, dem eine Flagellantin auf den Penis tritt; zwei alternde Räuber (Viktor Giacobbo und Patrick Frey), denen das Rauben und vor allem das Schänden nicht mehr so leicht von der Hand gehen; nebst anderen sexuellen Unkorrektheiten. Züchtig ist das wirklich nicht und so richtig satirisch nur in Massen, aber es erweitert doch sehr amüsant die Schmerzgrenzen des Nonsens. «Räuberinnen» hat etwas von einer vergnüglichen Spekulation: wie Kinder, wenn sie bereits feuchte Träume haben, sich die Räuberei vorstellen.

Der Regisseurin Carla Lia Monti hat die schnelle und «absurde» Medien-Empörung nicht die Laune verdorben. Sie habe von Anfang an gewusst, dass der Film polarisieren werde, sagt sie. Nur natürlich ist, dass die Autorin und ihr Produzent sich über eine beschnittene Fernsehfassung ärgern werden. Aber logisch und korrekt erscheint auch das Verhalten des Fernsehens, das laut Konzessionsauftrag zum Beispiel achtsam mit religiösen Gefühlen umgehen muss.

«Ganz klar», sagt Madeleine Hirsiger, verantwortlich für die Koproduktionen von SF, «der Film ist eine deftige Satire, und wir haben ihn zusammen mit dem Bundesamt für Kultur gefördert. Aber wir haben uns von Anfang an vorbehalten, im Fernsehen eine konzessionsgerechte Version auszustrahlen. Samir hat das immer gewusst und dieser Bedingung vertraglich zugestimmt. Im Kino sind die Grenzen natürlich weiter gesteckt.»

Filmförderung wächst

Im Übrigen wurden gestern auch die 44. Solothurner Filmtage eröffnet: Mit einer Rede des Bundespräsidenten und Finanzministers Hans-Rudolf Merz, der bei der Filmförderung (45 Millionen Franken im Jahr 2009) Wachstum in Aussicht stellte, wenn auch im Dezember der Branchenwunsch nach fünf Millionen mehr nicht habe erfüllt werden können. Und mit den wie immer mahnenden Worten von Ivo Kummer, Filmtage-Direktor seit nun 20 Jahren, dass Geld allein nicht unglücklich mache und, flächendeckend verwendet, wie Dünger auf die filmische Vielfalt wirke. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.01.2009, 08:38 Uhr

47

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

47 Kommentare

Pino Coppola

20.01.2009, 18:38 Uhr
Melden 1 Empfehlung

freu mich auf die tittenchilbi.... versteh die ganze aufregung nicht....ja was meinen die leute wie die teuren Prostituirten und Domina Salons ihr Geld her haben?? Von den Boni's der Banker (natürlich nicht alle) aber bestimmt ein grosser teil...und ergo wer hat hilft jetzt den banken...wir steuerzahler...also ein bischen kunst verträgt das budget schon...so lasst uns die Räuberinnen feiern Antworten


Richard Reto

20.01.2009, 09:02 Uhr
Melden

Ein Film kann nur Gefühle verletzen wenn man ihn sich ansieht. Und jeder Mensch, ob religös oder nicht, kann selber entscheiden ob er einen Film sehen möchte oder nicht. Es gibt genug Filme die für religöse Menschen geeignet sind - "Räuberinnen" ist es vieleicht nicht. Na und? Ich beschwere mich als atheist auch nicht wegen jedem Streifen der religöse Ansichten als Tatsachen hinstellt. Antworten



Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.