Verspielte Fleissarbeiter

Es ist eine Monsterbüez, bis ein kleines Trickfilmwesen den Weg auf die Leinwand findet: Ein Besuch bei den Berner Animationsfilmern, die an der «Molly Monster»-Produktion beteiligt waren.

Das Monsterkind Molly (unten im Bild) hat die beiden die letzten zwei Jahre beschäftigt: Joder von Rotz (l.) und Lukas Pulver vom YK Animation Studio.

Das Monsterkind Molly (unten im Bild) hat die beiden die letzten zwei Jahre beschäftigt: Joder von Rotz (l.) und Lukas Pulver vom YK Animation Studio. Bild: Manu Friederich

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«Ein riesiges Kino voller Kinder.» So beschreibt Joder von Rotz die Szene, die er Anfang Woche antraf. Ort: die Berlinale. Anlass: die Premiere von «Molly Monster», dem Trickfilm, an dem er zusammen mit seinen Partnern von YK Animation mitgewirkt hat. «Ich sah den Film zum ersten Mal in Anwesenheit des Zielpublikums», sagt der Berner Anima­tions­filmer, dessen Haare sich keck in die Höhe recken. «Mir schien, es hat ihnen gefallen. Und auch den Eltern.» In der Tat: «Molly Monster» hat zwar ein sehr junges Kinopublikum im Visier, doch auch wer bedeutend älter ist als vier Jahre, findet viel Erfrischendes in der Geschichte um das kleine Monsterkind, das ein Geschwisterchen bekommen soll und seinen Eltern nachreist, die ohne Molly zur Ei-Insel fahren. Ein Roadmovie für die Kleinsten also, so gemächlich wie herz­erwärmend, und gespickt mit reizenden Einfällen wie Nebel furzenden Mini-Vulkanen oder hilfreichen Kitzelblumen.

Der Berner Zeichner und Filmer Ted Sieger ist der geistige Vater von Molly Monster. Vor gut 15 Jahren erschien sie zuerst in einem Bilderbuch, später in einer Fernsehserie – und machte rund um den Globus Karriere. Und nun entert Molly zum ersten Mal die grosse Leinwand. «Molly Monster» ist das grösste und teuerste Animationsfilmprojekt, das je von Bern aus gestemmt wurde: eine internationale Produktion, an der in Deutschland, Schweden, England und Taiwan gearbeitet wurde. Und in Bern.

Die Firma YK Animation, in der Nähe des Rosengartens domiziliert, wurde von Ted Sieger schon vor über zwei Jahren ins Projekt einbezogen. Sieger kannte Joder von Rotz, Lukas Pulver, Sebastian Willener und Ramon Schoch von der Hochschule Luzern her, wo die vier im selben Jahrgang sassen – und er ihr Dozent war. Und da lokale Fördergelder (der Kanton Bern hat «Molly Monster» substanziell unterstützt) auch lokal ausgegeben werden müssen, hat Sieger mit seiner kleinen Monsterin nicht nur seine ehemaligen Studenten gefördert, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen.

Monster in allen Posen

Es ist nicht ganz einfach zu verstehen, was die jungen Berner bei «Molly Monster» genau gemacht haben, denn die Animation ist eine extrem arbeitsteilige, sehr technische und ziemlich komplexe Angelegenheit. Von Rotz, der als Regieassistent im Abspann aufgeführt ist, war sowohl zeichnerisch als auch koordinativ tätig. Grundsätzlich, sagt er, sei der grösste Unterschied zum Realfilm, dass die Story beim Animationsfilm fixfertig ist, bevor man in die Produktion geht. «Das Genre ist zu aufwändig, als dass am Ende überschüssiges Filmmaterial beim Schnitt wegfallen könnte.»

Steht die Geschichte, werden die Figuren in allen möglichen Posen gezeichnet – auf so genannten «Modelsheets», mal stehend, mal gehend, mal lachend, mal blinzelnd. Es folgen die Layouts: Von Rotz führt am Computer wild vollgekritzelte Bilder vor, auf denen definiert wird, wie sich die Figur in einer Szene im Raum bewegt, wie die Kamera fährt, oder wo Gegenstände im Bild sind. Auf einer Exceltabelle schliesslich ist der genaue zeitliche Ablauf der Szene festgehalten. Während die Berner vor allem bei den Model­sheets und Layouts tätig waren, geschah die eigentliche Animation – wenn die Bilder in Bewegung versetzt werden – in Taiwan. Ganz klassisch, auf Papier.

«Es ist viel Fleissarbeit», sagt von Rotz. Auch Ted Sieger betonte vor zwei Jahren, als der «Kleine Bund» ihn im Atelier besuchte, in der Animationsfilmerei gehe es nicht um Eitelkeiten, geschweige denn um Glamour. Eine solche Produktion fühle sich fast an wie Fabrikarbeit: «Die einzelnen Teile kommen aus verschiedenen Ländern, und man hat einen gnadenlosen Zeitplan.»

Stift auf Tablet

Die Berner von YK Animation, seit 2013 eine GmbH, schwärmen allerdings vom Monsterprojekt. Jetzt geht es wieder darum, selber Aufträge zu beschaffen – Werbefilme, Trailer, Musikvideos – oder eigene Filme zu entwickeln. Man könne damit ein Auskommen finden, sagt von Rotz. Ein bescheidenes allerdings, denkt sich, wer das unprätentiös zusammengestiefelte Büro-Interieur betrachtet. Schliesslich ermöglicht die heutige Software auch Laien, einfache Grafiken zu animieren. Woran erkennt man dann den Profi? «Etwa, wenn es darum geht, komplexere Figuren zu bewegen», so von Rotz. Dann sollte der Unterschied – in der Raffinesse, Präzision und Lebendigkeit – bemerkbar sein. «Hoffentlich», ergänzt Lukas Pulver, der im Hintergrund an einem Grafiktablet sitzt, in der Hand einen Stift. Und zeichnet.

«Molly Monster» läuft in Zürich in den Kinos Abaton, Arena Cinemas, Capitol und Houdini. (Der Bund)

(Erstellt: 22.02.2016, 11:56 Uhr)

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