Wie der alte Carl dem Altersheim entkommt
Von Stefan Volk. Aktualisiert am 17.09.2009 1 Kommentar
Ballone als Rettung: So fliegt Carls mit seinem Haus davon.
Der Film
«Up», Regie: Pete Docter, Bob Peterson. 96 Minuten. Ab Donnerstag im Kino.
Ob das 3-D-Kino eine Zukunft habe, wird gesagt, entscheide sich mit James Camerons «Avatar», der vor Weihnachten in die Kinos kommen soll. Für den Realfilm mag das stimmen. Was aber das Animationskino betrifft, hat das Rätselraten spätestens mit «Up», dem jüngsten Geniestreich aus dem Hause Pixar, ein Ende. Dem 3-D-Kino gehört nicht nur die Zukunft, es beherrscht die Gegenwart.
Dass der CGI-Schmiede Pixar mit «Up», der als erster Animationsfilm die diesjährigen Filmfestspiele in Cannes eröffnete, ein für die neue Technik richtungsweisendes Werk gelang, liegt aber nicht etwa an besonders spektakulären räumlichen Effekten. Im Gegenteil: Es ist die Zurückhaltung, mit der das Team um Regisseur Pete Docter («Die Monster AG») die dreidimensionale Darstellung in den Dienst der Geschichte stellt, die das 3-D-Kino vor einem Rückfall in die Zeiten des Jahrmarktkinos bewahrt.
Diese Zurückhaltung ist es auch, wodurch sich die schönsten Pixar-Filme so wohltuend von der oft schrill und grellbunt hyperventilierenden Konkurrenz abheben. Zu Recht wurde Pixar-Chef John Lasseter, gleichzeitig Kreativleiter des Mutterkonzerns Disney, dafür in Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Schon die Pixar-2-D-Produktionen vermieden es, Filme visuell zu überladen, setzten auf klare Linien, feine Nuancen und komplexe Charaktere. Es sind diese ausgefeilten, manchmal neurotischen, aber stets liebenswerten Figuren, und es sind die klugen, tiefgründigen und ungewöhnlich melancholischen Geschichten, die einem bei einer Pixar-Produktion in Erinnerung bleiben. Erst im Nebensatz bemerkt man dann, dass auch die CGI-Animation einmal mehr stilsicher ausfällt. Pixar hat den Animationsfilm vom Kopf zurück auf die Füsse gestellt.
Nahezu wortlos
Höchste Zeit also, sich nun endlich auch dem Wesentlichen von Pixars neuestem Werk zuzuwenden. «Up» erzählt nicht nur eine, sondern gleich zwei Geschichten. Wobei die erste, die kürzere, die schönere ist. Der Film beginnt, wie schon der oscarprämierte «Wall-E», nahezu wortlos. In einem Genre, das gemeinhin so hektisch drauflosquasselt, als könne man Langeweile totquatschen, eine weitere mutige Pixar-Entscheidung. In einem praktisch dialogfreien Prolog durchlebt man im Zeitraffer eine grosse Liebe. Der kleine Carl, ein Aussenseiter und begeisterter Naturforscher, begegnet auf dem Dachboden eines leer stehenden Hauses einem seelenverwandten Mädchen. Gemeinsam eifern Ellie und er dem Entdecker Charles Muntz nach und träumen von einer Reise zu den Paradise Falls im Amazonasgebiet, wo der verschollene Wissenschaftler zuletzt gesichtet wurde. Die beiden werden älter, und aus der Kinderfreundschaft erwächst eine zärtliche, innige Liebe. Doch der Traum von Südamerika bleibt ebenso unerfüllt wie ihr Kinderwunsch. Und als sie dann im Rentenalter endlich genügend Zeit und Geld für die Reise hätten, stirbt Ellie.
Mit Luftballons in die Ferne
Erst jetzt, nach diesem wundervollen Kurzfilm, beginnt die zweite, eigentliche Geschichte. Skrupellose Spekulanten haben es auf das Haus, in dem Carl und Ellie lebten, abgesehen. Und als Carl schliesslich zwangsweise in ein Altenheim eingeliefert werden soll, befestigt er über Nacht Tausende Luftballons an seinem Haus und schwebt so in Richtung Paradise Falls auf und davon. Nicht ahnend, dass sich mit dem achtjährigen Pfadfinder Russell auch ein blinder Passagier mit an Bord befindet. Gemeinsam fliegen die beiden nun einem aufregenden, heiteren, nicht mehr ganz so originellen Abenteuer entgegen. Aber auch wenn sich am Ende ein wenig Disney-Kommerz in die Pixar-Kunst schmuggelt, bereitet der Film insgesamt doch so viel Vergnügen, dass es fast keine Rolle mehr spielt, ob in 2- oder 3-D. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.09.2009, 10:46 Uhr
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1 Kommentar
3-D wäre wirklich toll, wenn die Filme wenigstens im Originalton laufen würden! Ich habe mir kürzlich Coraline und Ice Age 3 in 3-D angeschaut und war zwar entzückt. Doch das schönere optische Erlebnis wird mehr als zerstört durch die Synchronisation. Ich verstehe, dass Kinderfilme kaum 3D in Englisch gezeigt werden, aber ich tue mir nie mehr 'ne unsynchronisierte Fassung an, trotz extra-dimension Antworten
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