Kultur

Wie man einen Vampir tötet

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 25.11.2009

Knoblauch? Kruzifix? Oder mit Weihwasser gefüllte Geschosse? Vor allem moderne Vampire, das zeigt der neue «Twilight»-Film, scheren sich einen Dreck um Traditionen. Wir bringen Licht ins Dunkel.

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Die Vampire in «True Blood» zeigen sich von Weihwasser und Kruzifixen unbeeindruckt. Knoblauch ist «irritierend», doch wirklich tödlich ist nur Sonnenlicht.

   

In der Populärkultur steigen Vampire reihenweise aus den Särgen – wenn sie überhaupt dort nächtigen. In der «Twilight»-Reihe, deren zweiter Teil heute anläuft, bewohnt der herzige Vampir Edward einen modernen Bau mit lichtdurchfluteten (!) Räumen. Vampir Blade aus dem gleichnamigen Film ist bekanntlich von Geburt aus ein «Daywalker». Und in der angesagten HBO-Serie «True Blood» verbringen die Blutsauger die Tage zwar in Särgen, dafür trinken sie synthetisches Blut, um so im Einklang mit normalsterblichen Menschen zu leben.

Kurz, hielten sich Blutsauger früher an eine Art Vampir-Kodex, tun sie heute, wie es ihnen beliebt. Besonders irritierend: Statt im 19. Jahrhundert leben sie in der Gegenwart. Nicht im fernen Transsylvanien, sondern mitten unter uns, wo sie sich mit lächerlichen Alltagsproblemen herumschlagen. Und nicht nur sind sie plötzlich gute Zuhörer oder kuscheln mit Menschen, nein, sie arbeiten gar auf so ungloriosen Berufen wie Computerspezialist oder Barkeeper («True Blood»).

«Weihwasser bewirkt einen Scheiss»

Wehmütig erinnern wir uns an den guten alten Dracula, der seine Kernkompetenz, das Blutsaugen, noch in Ehren hielt. Und der sich ob eines Schlucks synthetischen Bluts minutenlang übergeben hätte. Oder nicht? Bereits die ersten Vampire unterschieden sich in ihrer Gestaltung bisweilen deutlich. Während Bram Stokers Dracula Sonnenlicht mied, spazierte ein anämischer Zeitgenosse von ihm, John Polidoris Lord Ruthven, am helllichten Tag durch London.

Dass es keine verbindlichen Vampirregeln gibt, hat gute Gründe. Indem man mit einer Regel bricht, wird Spannung oder Überraschung erzeugt. Etwa wenn der Held dem Ober-Vampir siegessicher Knoblauch ins Gesicht schleudert – dieser das Gemüse aber lachend verzehrt. Oder wie es Blade gegenüber einem verdutzen Vampirjägernovizen ausdrückt: «Kruzifixe und Weihwasser bewirken einen Scheiss.»

Knoblauch-Pistole

Nicht zuletzt steigert ein zerstörter Mythos auch den Realitätsgehalt eines Vampirfilms, nach dem Motto: In anderen, naiven Filmen schrecken die Blutsauger von Kruzifixen zurück. Doch nicht bei uns, denn wir wissen, was Sache ist! Referenzielles Bashing findet auch im Klassiker «I Am Legend» statt. Dort belehrt einen der Erzähler, dass «Dracula» «eine Mischung aus Aberglaube und Seifenopernklischees» sei.

Schliesslich gibt es einen weiteren ebenso profanen wie einleuchtenden Grund für das Durcheinander in der Vampirszene: Special Effects. In «Underworld» etwa lachen die Vampire über Blades Knoblauch-Pistole. Für sie sind nur Geschosse tödlich, die mit Tageslicht gefüllt sind. Und die saucool aussehen.

Falls Sie einem Vampir begegnen und nicht wissen, was Sie unternehmen sollen: In der Bildstrecke zeigen wir, welche bekannten Blutsauger auf was allergisch sind. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.11.2009, 11:56 Uhr


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