Kultur

Woody Allen verwertet Reste

Von Florian Keller. Aktualisiert am 02.12.2009

Für «Whatever Works» hat der Regisseur ein Drehbuch aus dem Jahr 1977 aus der Schublade genommen. Die Komödie kommt daher wie ein Altherrenwitz, über den man nur noch aus Gewohnheit lacht.

Bekannte Professor-Higgins-Manier: Der zynische Intellektuelle Yellnikoff (Larry David) erzieht die unbedarfte Melody (Evan Rachel Wood).

Frenetic

Zuletzt, in Barcelona, hat das europäische Intermezzo des Woody Allen ein unschönes Ende gefunden. Im Schatten von «Vicky Cristina Barcelona» hatte die lokale Filmszene ihren Unmut darüber geäussert, dass der grosse Woody Allen angeblich eine bevorzugte Behandlung durch die spanischen Förderstellen erfahren habe. Allen kehrte Europa nach vier Filmen den Rücken und beteuerte, dass sein Weggang aus dem künstlerischen Exil nichts mit der Missgunst seiner spanischen Kollegen zu tun habe. Zurück in New York, kramte er ein altes Drehbuch hervor, das seit 1977 in der Schublade gelegen hatte.

Die Komödie über den intellektuellen Menschenfeind Yellnikoff, der ein zugelaufenes Spatzenhirn aus den Südstaaten heiratet, hatte Allen seinerzeit auf Zero Mostel zugeschnitten, doch dann starb sein designierter Hauptdarsteller, und das Buch blieb liegen. Mehr als drei Jahrzehnte später hat Allen die Altherrenfantasie nun doch noch verfilmt, mit dem Komiker Larry David («Seinfeld») in der Rolle des bellenden Yellnikoff. Neben ihm spielt Evan Rachel Wood die blutjunge Melody, die frohgemut jeden Unsinn nachplappert, den der zynische Professor ihr vorbetet.

Hinterwäldler werden zu Kulturmenschen erzogen

Natürlich lauert in dieser Zweierkiste der ewige Pygmalion, und ob er will oder nicht: Bald wächst der alte Defätist Yellnikoff in seine Rolle als Professor Higgins hinein. Am Ende hat er nicht nur die Unschuld vom Lande zur Weltläufigkeit erzogen, sondern auch Patricia Clarkson als deren stockkonservative Mutter.

So sehen wir zu, wie amerikanische Hinterwäldler zu liberalen Kulturmenschen erzogen werden, und fürs selbstreferenzielle Amüsement plaudert Yellnikoff immer wieder direkt in die Kamera. Zumindest im misanthropischen Esprit ist Woody Allen hier wieder ganz der Alte, aber hüten wir uns, deswegen von einer Rückkehr zu alter Form zu sprechen. «Whatever Works» ist ein Restposten aus der Abteilung Herrenwitz: Wenn man hier noch lacht, dann höchstens aus Gewohnheit. Womöglich hat Allen diese alte Bagatelle auch nur gedreht, um in den Drehpausen seinen nächsten Film zu schreiben. «Whatever Works»? Whatever.

Whatever Works (USA 2009). Regie: Woody Allen. Mit Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson u.a. Ab Donnerstag in Zürich in den Kinos Arena, Arthouse Le Paris und Capitol. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.12.2009, 08:42 Uhr

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