Mann, Kind, Hochzeit

Bridget Jones ist jetzt 43, dünner als früher und neuerdings schwanger. Der dritte Teil der Komödienreihe macht aus der Identifikationsfigur eine sehr langweilige Frau.

Bridget Jones ist älter geworden – aber kein bisschen reifer. Foto: PD

Bridget Jones ist älter geworden – aber kein bisschen reifer. Foto: PD

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Ach, Bridget. Was haben wir dich gemocht. Was haben wir gelacht. Die Sache mit Mark Darcy (Colin Firth) blieb zwar stets rätselhaft. Der Mann wirkte in wirklich jeder Situation hölzern, inwiefern man für ihn entflammen konnte, war nie ganz klar. Aber es passte ja eben schon, und es war lustig.

Zwölf Jahre später ist Bridget Jones (Renée Zellweger) zurück. Leider. «Bridget Jones’s Baby», der dritte Teil, führt nämlich dazu, dass die Liebe zu ihr mit jeder Minute des unerträglich lange dauernden Films erkaltet. Weil die Figur nicht mehr funktioniert.

Das liegt zunächst daran, dass Bridget jetzt dünn ist. Renée Zellweger hatte offenbar keine Lust, für die Rolle ein drittes Mal an Gewicht zuzulegen. Wobei Bridget ja nicht dick war, höchstens pummelig, aber im Verhältnis zur Original-Renée halt eindeutig ein Schwergewicht; nebst einer standardmässig ausgehungerten Hollywood-Schauspielerin wirkt selbst eine 38 massig.

Bridget ist also dünn und stolz darauf, das erklärt sie beiläufig am Anfang des Films. Und dann watschelt sie in die Redaktion des Fernsehsenders, wo sie als Newsproduzentin arbeitet. Man bringt es nicht zusammen: Diese dünne Frau, die watschelt, soll Bridget sein? Keine schlanke Frau geht so. Zuerst irritiert es, danach ist es nur noch ärgerlich, dermassen aufgesetzt sieht es aus.

Stellt sich eine Frau so an?

Just das ist das Problem von «Bridget Jones’s Baby»: Dass vieles aufgesetzt wirkt. Dass krampfhaft versucht wird, die Zeit anzuhalten – als seien nicht zwölf Jahre vergangen seit dem letzten Film. Bridget hat sich ausser der neuen Schlankheit und der Tatsache, dass sie nicht mehr raucht, gar nicht verändert. Das Leben hat bei ihr keinerlei Spuren hinterlassen, mit 43 ist sie dieselbe wie mit 31. Sie steht amourös immer noch auf verlorenem Posten; offenbar ist die Beziehung mit Mark Darcy gescheitert, er ist inzwischen anderweitig verheiratet. Bridget will also ein bisschen Spass und besucht das Musikfestival aller Musikfestivals, nämlich Glastonbury (in Stöckelschuhen) und trifft dort auf den amerikanischen Liebes-Algorithmus-Guru Jack (Herrgott-sieht-der-gut-aus-Patrick-Dempsey). Mit dem hat sie in seiner Jurte Sex, aber auch nur deshalb, weil sie sich versehentlich dorthin verirrt. Kurz darauf trifft sie an der Beerdigung des ewigen Frauenhelden Daniel Cleaver (Hugh Grant) – die Anfangsszenen sind überaus amüsant – erneut auf Mark Darcy (Colin Firth) und hat auch mit ihm Sex. Danach ist sie schwanger und weiss nicht, von wem.

Der Trailer zum Film «Bridget Jones’s Baby». Video: Universal Pictures/Youtube

Das ist schon langweilig genug. Unglaubwürdig ist es auch noch, und zwar nicht, weil man Zellweger die Schwangerschaft nicht abkaufen würde, weil sie dafür zu alt aussieht – «trotz dem, was auch immer sie mit ihrem Gesicht gemacht hat», wie die «Sunday Times» bitterböse schrieb. Sondern weil man findet: Stellt sich eine Frau mit 43 wirklich dermassen dämlich an?

Verschenktes Potenzial

Es ist nichts Schlechtes, wenn sich jemand treu bleibt. Und am leicht neurotischen Bridget-Wesen ist ja auch nichts auszusetzen. Bridget Jones diente nie als feministisches «role model», das musste sie auch nicht. Sie war eine erfrischende Filmfigur, liebenswert in ihrem unerschütterlichen Optimismus und in ihrer tollpatschigen Unperfektheit. Sie war zwar ein wandelndes weibliches Klischee, aber weil sie so durchschnittlich war wie ihr Name, konnte sich jede irgendwie in ihr wiedererkennen.

Gerade wegen dieser fehlenden Coolness flogen ihr die Herzen zu, denn darin unterschied sie sich von Carrie Bradshaw aus «Sex and the City», dieser anderen populären Single-Frauenfigur der Nullerjahre – Bradshaw mit ihren stählernen Oberarmen und ihrer luxuriösen Garderobe taugte wenig als Identifikationsfigur. Bridget Jones hingegen, das war der grösste gemeinsame weib­liche Nenner, eine massentaugliche Schnittmenge aus gescheiterten Diäten, Essattacken, Peinlichkeiten, Männerproblemen, Jobsorgen und Hochzeitsträumen. Aber: Sie war dabei sehr lustig.

Jetzt, mit 43, ist sie nur noch eine Karikatur. Offenbar mochten die Macher den Zuschauern (und, noch schlimmer: den Zuschauerinnen) keine gereifte Bridget zumuten – dabei wäre die Vorlage da gewesen. Aus unerfindlichen Gründen hat man sich dazu entschieden, nicht den 2013 erschienenen dritten Roman («Mad about a Boy») der Autorin Helen Fielding zu verfilmen, sondern die Autorin ein Skript schreiben zu lassen, in dem die Handlung vorverlegt wird. Im Buch ist Bridget seit Jahren mit Mark Darcy verheiratet und steht nach dessen plötzlichem Tod alleine mit zwei Kindern da.

Diese Ausgangslage hätte über viel mehr Potenzial verfügt: Weil sie der Lebensrealität der 40-plus-Frauen, also dem Zielpublikum, das mit Bridget aufgewachsen ist, weitaus besser entspricht, wenn viele von ihnen in diesem Alter nach einer Scheidung ihr Leben neu ordnen oder noch einmal von vorne anfangen müssen. Das hätte man mit Verve und Humor anpacken können.

Das Glücksdreigestirn

Stattdessen wählte man die todsichere und damit die Todsicher-Gähn-Variante: Eine 43-jährige Frau zwischen zwei Männern, die beide der Vater ihres Kindes sein könnten – und die zudem in ihrer engagierten Papi-Korrektheit kaum auszuhalten sind. Ein bisschen mehr Flegelhaftigkeit à la Daniel Cleaver, wie hätte das dem braven Film gutgetan; der würde nicht zum Schwangerschafts­turnen mit, sondern unwiderstehlich lächelnd sagen: «Sorry, Jones.»

Doch der Film transportiert die antiquierte Botschaft vom angeblichen weiblichen Glücksdreigestirn «Mann-Hochzeit-Kind», die ärgerlich genug ist angesichts dessen, dass in den USA vermutlich bald eine Frau Präsidentin wird und dass dem Land, in dem «Bridget Jones’s Baby» spielt, seit Juli eine Premierministerin vorsteht.

Aber das Hauptproblem besteht darin, dass Bridget langweilig und einfältig ist. Und man ihr bei ihrem Langweilig- und Einfältigsein nicht zuschauen mag, weil in den letzten zwölf Jahren so viele andere, grandiose Frauenfilmfiguren kreiert worden sind. Alle sind sie mehrschichtiger, abgründiger, spannender und ja, auch lustiger.

Wann naht das Ende?

Es hilft daher nicht, dass der Film zwei Stunden dauert. Die letzten 45 Minuten sind nur noch eine Qual; man sehnt sich das Ende herbei, wobei es einem völlig egal ist, wer der Vater ist und für wen sich Bridget entscheidet. Stattdessen verwünscht man Zellweger, Fielding und die Filmindustrie, die offenbar meint, heutige Frauenleben seien immer noch derart eindimensional; man will nur noch, dass es endlich aufhört, und hofft, es möge auf der Leinwand bald eine Kirche auftauchen, denn das verspricht gemäss der simplen Logik des Films immerhin: Das Happy End naht.

Bridget strahlt, sie hat es gerade noch rechtzeitig über die Ziellinie geschafft. Sie ist nicht nur Nichtraucherin und dünn. Sie hat auch einen Mann, ein Kind und wird geheiratet.

Sorry, Bridget, aber das mit uns, das wird nichts mehr.

In Zürich ab Donnerstag in den Kinos Abaton, Arena, Capitol und Corso. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.10.2016, 17:50 Uhr

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