Bambi und das Kokain-Tütchen
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 22.09.2010 7 Kommentare
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Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache: Dieses Geschäft hat Paris Hilton perfektioniert. Und so sass sie also dieser Tage im Gerichtssaal in Las Vegas. Adrett anzusehen mit wallend-unschuldigem Blondhaar, züchtig weisser Bluse und schwarzem Rock, bemühte sie sich um eine reuige Miene. Angeklagt war sie wegen Kokainbesitzes – und weil sie diesen abgestritten hatte.
Festgenommen hatte man Hilton, weil es bei einer Verkehrskontrolle in ihrem Auto nach Marihuana gerochen hatte. Auf dem Polizeiposten dann fiel ihr ein Tütchen Kokain aus der Tasche, als sie, schönes Detail der Geschichte, nach ihrem Lipgloss grub. Sie behauptete zunächst, sie habe das Pulver für Kleister gehalten, wobei ihr dann wohl auffiel, dass dies eine doch etwas bizarre Aussage war. Danach erklärte sie, dass es sich gar nicht um ihre Tasche handle, sondern um diejenige einer Freundin.
Hilton vergass dabei allerdings, dass sie einen Monat vor dem Zwischenfall ein Foto der betreffenden Tasche per Twitter verschickt hatte, um die Welt mit dem Satz «Ich liebe meine neue Chanel-Tasche, die ich heute gekriegt habe» an ihrem Einkaufserlebnis teilhaben zu lassen. Sie war dann einsichtig und gestand.
Ihr Leben ist eine einzige Schlagzeile
Ihre Anwälte schlossen in der Folge einen Vergleich mit der Staatsanwaltschaft ab. Und so muss die Hotel-Erbin nicht ins Gefängnis, sondern bloss 2000 Franken Busse bezahlen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.
Einen grösseren Gefallen hätte man ihr gar nicht tun können. Miss Hilton, die – blass geschminkt und bescheiden in Jeans, Windjacke und Turnschuhen – Obdachlosen Essen schöpft oder Strassenreinigern zur Hand geht: Das garantiert Unmengen Fotos und Medienaufmerksamkeit. Letztere ist sozusagen ihre Daseinsberechtigung. Ihr Leben ist eine einzige Schlagzeile, eine Bühne mit der immer gleichen Hauptperson: Paris Hilton. Selbst auf Polizeifotos posiert sie wie bei Aufnahmen für ein Mode-Shooting und schaut mit Bambi-Blick in die Kamera.
Hauptsache Spass
Und so wird sie sich dann beim Sozialeinsatz geläutert geben und in die Mikrofone hauchen, wie wertvoll sie diese Arbeit finde und wie viel sie über das Leben gelernt habe. Nützen wirds natürlich nichts. Sie wird zwar nächsten Februar 30, aber sie gefällt sich immer noch in der Rolle des Mädchens aus steinreichem Haus, das durch die Welt tingelt und nichts tut, ausser sich zu amüsieren. Bisweilen auch für Geld: 100 000 Dollar soll sie erhalten, wenn sie sich an einer Party blicken lässt und gelangweilt am Champagner nippt. Dazwischen verlobt und entlobt sie sich oder trägt den Streit mit ihrer einst besten Freundin Nicole Richie öffentlich aus. Und ab und an hat sie Ärger mit der Justiz. Wie vor drei Jahren, als sie wegen Fahrens im angetrunkenen Zustand und Verstosses gegen die Bewährungsauflagen für 23 Tage im Gefängnis sass und dann wegen guter Führung frühzeitig entlassen wurde. Sollte sie in den nächsten 12 Monaten erneut straffällig werden, droht ihr eine Gefängnisstrafe von einem Jahr.
Wikipedia beschreibt sie als «Modedesignerin, Fotomodell, Schauspielerin, Sängerin und Unternehmerin», wobei die Aufzählung im Grunde ja nichts anderes aussagt als: Nichts hat bisher so richtig funktionieren wollen. Aber das muss es ja auch nicht. Das Leben der Miss Hilton besteht aus Spass. Und glücklicherweise stehen die Paparazzi immer schon parat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.09.2010, 08:33 Uhr
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7 Kommentare
Ich freu mich schon wie die Story weitergeht. In ihrer Banalität ist alles über die Hilton doch immer noch ehrlicher als eine entsprecende Soap am Fernseher oder wenn ein Poliktiker am Redepult steht. Ausserdem bitte nicht vergessen, die Dame ist Amerikanerin. Dort gilt protzen mit Geld und Glamour als vorbildhaft. Wir Schweizer sind eben Büezli diesbezüglich. Das ist aber auch in Ordnung. Antworten
Wäre Paris Hilton schwarz, wäre sie längst im Knast. Wäre Paris Hilton Iranerin, wäre sie längst in Guantanamo im Knast und Amerika würde eine weiter PowerPoint-Präsetation zeigen, bei der Paris angebliche Standorte von A-Raketen angekreuzt hätte. Jeder würde dann nach Bomben schreien. Typisch für die amerikanische Justiz, Politik und deren Gerechtigkeitsempfinden. Antworten
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