«Das Opernhaus steckt im Schwitzkasten»
Von Erika Burri. Aktualisiert am 09.01.2011 24 Kommentare
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Herr Pereira, hatten Sie vor der Bekanntgabe des 5-Millionen-Defizits eine schlaflose Nacht?
In der Nacht auf Donnerstag habe ich tatsächlich nicht gut geschlafen.
Sie machen die Wirtschaftskrise für den Fehlbetrag verantwortlich sowie die Baustelle vor dem Opernhaus. War nicht beides absehbar?
Vor allem die widrigen Umstände vor unseren Türen haben schlimmere Ausmasse angenommen. Für Opernfans ist die Grabungsstelle kein Problem. Leute aber, für die die Oper ein gesamtgesellschaftliches Ereignis ist, die sich schön anziehen, sich zeigen wollen – für die ist die Baustelle ein Hindernis. Wir sind darauf angewiesen, dass sich möglichst viele Leute die teuren Plätze leisten. Von diesen Plätzen haben wir letztes Jahr aber deutlich weniger verkauft.
Was ist genau das Problem?
Leute, die viel für den Eintritt bezahlen, möchten nicht zu Fuss durch den Dreck stampfen müssen. Sie möchten mit dem Auto vorfahren und direkt vor unserer Treppe aussteigen. Ja, sie möchten auch, dass man sie sieht. Wenn der Glamour fehlt, bleiben sie lieber zu Hause. Die Baustelle ist für uns ein Klumpfuss.
Könnten Sie diesem Klumpfuss nicht etwas kreativer begegnen?
Wir haben diese scheussliche Wand schon so gut wie möglich verschönert. Soll ich etwa noch hüpfende Menschen draufsetzen? Das Opernhaus steckt im Schwitzkasten, man sieht es ja kaum. Zudem können wir auf dem Platz keine Zelte für Empfänge aufstellen. Deshalb haben die Fifa und andere Organisationen ihre Anlässe anderswo abgehalten.
Sie haben letztes Jahr erneut viel Geld für Stars ausgegeben. Zu viel?
Berühmte Künstler sind die besseren Künstler. Sie sind ja so berühmt geworden, weil sie so gut sind. Und wenn sie sich einen Namen gemacht haben, sind sie teuer. Die Investition zahlt sich aus. Wenn die Leute grosse Künstler sehen können, kommen sie auch eher.
Mit dem Startenor Jonas Kaufmann liess sich das Haus aber nicht füllen.
Das Beispiel ist unfair. Kaufmann hat zehn Jahre im Ensemble in Zürich gesungen. Die Leute hier kennen ihn, im Gegensatz zum Publikum in Wien oder London. Zudem ist «Königskinder» ein eher unbekanntes Stück. Weniger bekannte Opern zählen auf der ganzen Welt weniger Eintritte. Aber die Opernwelt besteht nicht nur aus «Carmen» und der «Zauberflöte».
Ihre «Vorwärtsstrategie», die Investition in Stars, ist nicht aufgegangen.
Ja, aber die Strategie stimmt. Das habe ich die Jahre zuvor bewiesen. Wenn die Grabungen vor dem Opernhaus beendet sind, werden all die Leute, die jetzt nicht kommen, wieder erscheinen. Alle wollen sich dann auf dem neuen Platz zeigen. Sie werden dabei sein wollen, wenn die Stars singen.
75 Millionen Franken bekommt das Opernhaus. Nun fordern Sie nochmals zwei Millionen vom Kanton. Das in einer Zeit, in der Altersheime sparen müssen. Ist das nicht frech?
Nicht, wenn ich unser Haus mit Opernhäusern in Wien oder München vergleiche. Von uns wird viel mehr Eigenleistung erwartet. Wir arbeiten effizient. Das haben uns vom Kanton beauftragte Wirtschaftsprüfer bestätigt. Doch decken unsere Subventionen bei weitem nicht die Fixkosten. Im Vergleich zu anderen Häusern, bei denen das der Fall ist, starten wir auf der Rennstrecke mit 15 Meter Rückstand. Um das Haus zu füllen, müssen wir ein hohes Risiko eingehen. Dieses geht nur auf, wenn alle Parameter stimmen. Die Baustelle macht uns einen Strich durch die Rechnung.
2010 haben Sie 10 Millionen Sponsoreneinnahmen generiert, gleich viel wie 2003. Ist das die Obergrenze?
Unser grösster Sponsorenertrag war 12 Millionen, wahrscheinlich die Schallgrenze. Ich war gezwungen, diese Grenzen auszuloten. Das zeigt, wie knapp das Korsett ist. Im Umgang mit Sponsoren habe ich eine gewisse Begabung. Das kann aber keine Grundvoraussetzung für diesen Job sein.
2012 wird Sie Andreas Homoki von der Komischen Oper Berlin ablösen. Soll er weniger den Sponsoren hinterherrennen müssen als Sie?
Solange das Loch zwischen Fixbeträgen und Subventionen so gross ist, ist man als Direktor dieses Hauses zum Erfolg verdammt. Ich habe viel Geld generiert und die Zahlen zusammengehalten. Ich habe es die letzten 20 Jahre allen vielleicht zu leicht gemacht. Mein Nachfolger soll realistische Rahmenbedingungen in Zürich vorfinden.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.01.2011, 13:26 Uhr
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24 Kommentare
Ich finde es richtig, dass das Opernhaus 75 Mio. vom Kanton erhält! Immerhin kommt es einem guten Sinn zugute! Oper macht Freude und ist was wunderschönes. Ich bin regelmässiger Besucher des Opernhauses in Zürich. Bin weder ein Banker, noch sonst ein Muti, weder ein Angeber, oder Protz! Ich liebe die Oper von ganzem Herzen. Warum nicht Kultur fördern, anstelle immer bloss Sport! Es lebe die Oper! Antworten
Die Subventionspolitik für das Opernhaus ist an Elitarismus nicht zu überbieten. 75 Millionen Franken Subvention, damit ein anständiger Platz (nicht bei einer Volksvorstellung) 150 Franken und mehr pro Person kostet ist stossend. Das Schauspielhaus Zürich macht vor, dass mit einem attraktiven Programm das Haus gut auszulasten ist. Also Herr Perreira; weniger jammern und mehr Leistung bitte. Antworten
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