Das Silvesterlied, das Rätsel aufwirft
Aktualisiert am 26.12.2011 2 Kommentare
Wurde 2009 versteigert: Die Niederschrift des Liedes von Robert Burns. (Bild: Reuters )
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Schlag Mitternacht werden sich auch an diesem Silvestertag Millionen Menschen weltweit an den Händen halten und das berühmte «Auld Lang Syne» anstimmen - vor allem in der englischsprachigen Welt. Die schottische Ballade mit ihrer herzergreifenden Melodie ist nach «Happy Birthday» vermutlich das bekannteste Lied auf dem Planeten.
Doch wer weiss schon, was der Text wirklich bedeutet? Selbst Englischkundige sind mit Zeilen wie «We twa hae run about the braes, and pu't the gowans fine» schlicht überfordert. Eine Ausstellung in New York beleuchtet nun die Karriere der Ballade mit dem unaussprechlichen Text zum weltweiten Silvesterhit.
Von Robert Burns auf Papier gebracht
Vom Massenumtrunk auf Londons Trafalgar Square bis zu neuseeländischen Kleinstädten ist «Auld Lang Syne» unverzichtbarer Partybestandteil am 31. Dezember. Sogar in Mexiko und China taucht die Melodie auf. Seine deutsche Version «Nehmt Abschied Brüder» ist eher bei Wanderern und Pfadfinder beliebt. «Wir kennen dieses Lied alle irgendwie», sagt Christine Nelson, Kuratorin der Ausstellung im Morgan Library & Museum in Manhattan. «Aber wir wissen nicht, was es bedeutet oder wo es herkommt.»
Allgemein wird angenommen, dass der schottische Dichter Robert Burns die Ballade komponierte. Doch die Wahrheit ist komplizierter. Von Burns kommt die erste Erwähnung, als er 1788 in einem Brief über alte Freundschaften sinniert und dazu die Wendung «auld lang syne» benutzt. Im schottischen Dialekt Scots bedeutet dies soviel wie «der alten Zeiten wegen». Dann schreibt er: «Es gibt ein altes Lied mit Melodie, das oft meine Seele berührte.» Dies scheint die Geburtsstunde des Nostalgie-Songs zu sein.
Bis Burns die Worte zu Papier brachte und einem Verleger schickte, vergingen weitere fünf Jahre. Sein letztes Lebensjahrzehnt widmete der Poet der Sammlung traditioneller Volkslieder, bevor er im Alter von 37 Jahren starb. In einem langen Brief an den Verleger George Thomson 1793 heisst es: «Noch ein weiteres Lied und ich bin fertig - auld lang syne.» Das Lied sei «noch nie gedruckt oder aufgeschrieben worden», betont Burns. Er habe es «vom Gesang eines alten Mannes notiert». Er präsentiert neben den berühmten Auftaktzeilen «Should auld acquaintance be forgot/And never brought to mind» insgesamt sechs Verse.
Wiederaufleben im 20. Jahrhundert
Ob Burns das Stück von dem mysteriösen alten Mann nur übernahm oder selbst der Autor ist, wird von seinen Fans heiss diskutiert. «Mein Gefühl sagt mir, dass er das meiste umgeschrieben hat, weil es sich wirklich nach Burns` Dichtkunst anhört», sagt Nelson. Auch Verleger Thomson selbst glaubte, es gebe «Anhaltspunkte, dass unser Barde selbst der Verfasser ist». Zuerst wurde der Text zu ganz anderer Musik gesungen, während die heutige «Auld Lang Syne»-Melodie ursprünglich zu einem anderen Text gehörte. Erst 1799, als Burns schon gestorben war, wurden Worte und Musik in ihrer heutigen Kombination zusammengebracht.
Zwei Jahrhunderte vergingen, bevor das Lied zur weltweiten Glanznummer wurde. Zur Erfolgsgeschichte der getragenen Melodie trug auch der US-Bigband-Leader Guy Lombardo in den 20er und 30er Jahren bei. Eine Reihe von Hollywood-Filmen mit dem Silvesterhit folgten, darunter eine Schlüsselszene in «It's a Wonderful Life» 1946. Worum es im Text geht? Die Rede ist von alten Freunden, alten Zeiten und einem Gläschen darauf. Silvester erwähnt das Lied mit keinem Wort. (kpn/AFP)
Erstellt: 26.12.2011, 20:24 Uhr
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2 Kommentare
Scots ist tatsächlich kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache, die wie Englisch zu den germanischen Sprachen gehört (also nicht wie die keltischen Sprachen schon vorher da war) und die zurzeit noch von 100'000 Schotten und Iren als Muttersprache gesprochen wird. Es ist weder schottisches Englisch (Dialekt) noch Schottisch-Gälisch (Keltisch). Antworten
Agenturmeldungen müssen nicht immer gut recherchiert sein, insbesondere wenn Amerikaner über schottisches Kulturgut sinnieren. Der zitierte Satz im Artikel ergibt in Scots (nicht schottisches Englisch) eine klar definierte Aussage, in etwa: "Wir zwei sprangen an den Hängen der Hügel herum und haben Gänseblümchen gesammelt." Der S. kann nicht erwähnt werden, weil diese Tradition erst später folgte. Antworten
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