Der Klang, der nicht mehr fehlt - Schönberg-Oper vervollständigt

Mit der Vervollständigung der Oper «Moses und Aron» des Zwölfton-Komponisten Arnold Schönberg (1874-1951) hat sich der ungarische Dirigent und Pianist Zoltan Kocsis auf ein grosses Wagnis eingelassen.

Mit der Inszenierung von «Aaron und Moses» etwas gewagt und gewonnen: Der ungarische Dirigent und Pianist Zoltan Kocsis

Mit der Inszenierung von «Aaron und Moses» etwas gewagt und gewonnen: Der ungarische Dirigent und Pianist Zoltan Kocsis Bild: Keystone

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Die konzertante Uraufführung seiner Fassung am Samstag im Budapester Palast der Künste, bei der Kocsis die Ungarische Nationalphilharmonie dirigierte, wurde vom Publikum jedoch begeistert aufgenommen. Es spendete langanhaltenden Applaus.

Schönberg hatte «Moses und Aron» zwischen 1928 und 1932 komponiert, als er als österreichischer Jude den Aufstieg der Nationalsozialisten an die Macht hautnah zu spüren bekam. In frühen Jahren war er zum Protestantismus konvertiert, hatte sich ganz mit der deutschen Kultur identifiziert. Die Nazi-Ideologie stigmatisierte ihn nichtsdestotrotz wegen seiner Abstammung.

Nur einige Skizzen

So rückte das jüdische Exil, das den Juden verheissene Land und der von Moses verkündete Glauben an den einen und einzigen Gott in den Mittelpunkt seines Interesses. Die Oper dreht sich um die Frage, wie sich das abstrakte Wort Gottes den aus der ägyptischen Knechtschaft zu führenden Israeliten vermitteln lässt.

Moses steht für den klaren Gedanken, hat aber kein Talent zum Reden. Sein Bruder Aron wird zu seinem Sprachrohr. Dieser weicht jedoch von der Lehre ab, als das Volk während der Abwesenheit Moses - dieser wartet auf dem Berg Sinai, um von Gott das Gesetz zu empfangen - unruhig wird.

Aron gibt dem Volk das goldene Kalb, ein sträflicher Rückfall in die Götzenanbetung. Moses kehrt zurück, sieht das Chaos und empfindet sich als gescheitert. «Oh Wort, du Wort, das mir fehlt», lässt ihn Schönberg am Ende des zweiten Aktes intonieren.

Der Komponist hinterliess noch ein Libretto für den dritten Akt und einige musikalische Skizzen. Moses sitzt hier über Aron zu Gericht, lässt ihn aber am Ende laufen, worauf dieser dennoch, von Gott gestraft, tot zusammenbricht. Moses und sein Gedanke triumphieren.

Stimmige Tonsprache

In den bisherigen Aufführungen endet die Oper mit dem zweiten Akt oder mit der Verlesung des dritten Aktes. Als Zoltan Kocsis noch diesen Sommer die Variante mit der Lesung dirigierte, empfand er dies als irritierend. «Es kann nicht sein, dass dieses Werk faktisch mit dem Scheitern von Moses endet», sagte er.

Der Musiker vertiefte sich in die Schönbergsche Methode: die Technik der Reihe, die jeden der zwölf Töne der Skala als gleichberechtigt behandelt und konventionellen Akkorden und Harmonien aus dem Weg geht.

So wie Schönberg in seinem Entwurf dem Moses das Wort, das ihm fehlte, wieder zurückgab, so gibt Kocsis ihm auch den Klang zurück. Er komponierte Zwischenspiele hinzu, zitiert und verwendet dabei viel Material aus den beiden ersten Akten. Mit dem ihm eigenen Gespür für Stimmungen fand er zu passenden musikalischen Lösungen.

Christian Meyer, Direktor des Schönberg Centers in Wien, das den Nachlass des Komponisten verwaltet, zeigte sich angetan: «Die Tonsprache stimmt, das Werk geht schlüssig weiter.»

Durchwegs gelungen

Szenische Elemente wie Lichtwechsel reicherten den Abend zusätzlich an. Zu seinem Gelingen trug ein riesiges Ensemble bei. Der deutsche Bariton Wolfgang Schöne intonierte als Moses den schwierigen Schönbergschen Sprechgesang mit grösster Präzision.

Der US-Tenor Daniel Brenna meisterte trotz einer fiebrigen Erkältung den verführerischen «Schöngesang» des Aron. Kocsis dirigierte mit Verve und Temperament. Die Chöre bewältigten eine äusserst anspruchsvolle Aufgabe mit grosser Souveränität. (sda)

(Erstellt: 17.01.2010, 13:05 Uhr)

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