Kultur

Paul Potts, der Rosenkavalier

Von Martin Ebel. Aktualisiert am 13.11.2008 16 Kommentare

Der Casting-Tenor Paul Potts gastierte im Zürcher Hallenstadion: Nein, ein Entertainer ist er nicht. Aber sympathisch.

Schon als Sechsjähriger habe er den Kirchenchor übertönt, erzählt Paul Potts: Das glaubt man dem Mann sofort, auch wenn man ihn im Hallenstadion nur übers Mikrofon kennen lernen kann. Seine Stimme, so der Eindruck, hat Power, und die zeigt er gern vor. Singen als eine Art Sport: Wer kann wohl den Schlusston länger aushalten?, scheint Potts seine imaginären Konkurrenten zu fragen. Er kanns ziemlich lang, und was man kann, muss man halt tun.

Power und Ausdauer - das sind die vokalen Stärken, die der Mann mit der ganz frischen Märchenkarriere am liebsten einsetzt, so auffällig, dass man sich fragen muss, ob er noch andere hat. Ein kultiviertes Piano, eine modulierte Phrase, ein musikalischer Gedanke bei der Gestaltung: Darauf wartet man vergeblich. Nun ist Paul Potts ja vor allem die Verkörperung seiner eigenen Legende, die er durch die Konzertsäle trägt - wie lange noch, wissen Mode, Markt und Marketing allein. In Zürich wollten ihn immerhin 5000 (Veranstalterangabe, der Augenschein liess deutlich weniger vermuten) hören und sehen. Zu hören gabs die üblichen Zugstücke (vom «Ave Maria» über «O sole mio» bis zu «Caruso»), unterlegt vom Kuschelsound des Orchesters, dazwischen Beiträge der jungen Sopranistin Elizabeth Marvely (dünnes Stimmchen, weshalb sie noch näher ans Mikrofon musste) und mühsam launige Anekdoten.

Nein, ein Entertainer ist Potts auch nicht. Aber sympathisch, wie er mit linkischer Geste eine Rose in die Hand nimmt und ins Publikum wirft. Der schnelle Ruhm ist hier gewiss einem Netten zugefallen. Und einem, der das Singen wirklich liebt.

Sympathieträger mit einer Märchenkarriere: Paul Potts in Zürich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2008, 07:08 Uhr

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16 Kommentare

Paul TOP

13.11.2008, 10:09 Uhr
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Das Publikum ist entscheiden und nicht was Martin Ebel schreibt! Ich war auch dort. Eine Standing ovation haben sie bekommen. Das Publikum hat entschieden, Paul Pott you are top. Das bleibt un den Rest... Er ist nicht Maria Callas und auch nicht Pavarotti, er ist Paul Potts und er soll Paul Potts bleiben. Nächsten Mal bleiben Sie in der Tonhalle. Once more Paul, over 6000 people enjoy the evening! Antworten


Sebastian Torker

13.11.2008, 11:23 Uhr
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Das Konzert war eher enttäuschend, PPs Stimme nicht wirklich rund und wohlklingend, viel zu laut und daher das Ave Maria ohne jedes Gefühl ! Der Kommerz steht im Vordergrund, wenn man bedenkt, dass es das 103. Konzert in 15 Monaten war. Antworten



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