Walzerkönig André Rieu knapp am Konkurs vorbei
Aktualisiert am 18.02.2010 6 Kommentare
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Der Erfolg des holländischen Walzerkönigs André Rieu ist in der klassischen Musik unübertroffen. Der Mann mit den Schmalzlocken ist im TV allgegenwärtig, mit seinem Johann-Strauss-Orchester füllt er riesige Hallen und Open-Air-Arenen. Auf der Rangliste der Künstler mit den meistverkauften Alben rangiert Rieu Mitten unter den grossen Popstars auf Rang sechs. Rieus Dreivierteltakt-Imperium umfasst 10 Unternehmen mit 110 festen Mitarbeitern, darunter 35 Musikern, während den Tourneen kommen Hunderte von Temporärmitarbeitern hinzu.
Wie verschiedene holländische Zeitungen berichten, ist das Imperium aus dem Takt geraten, das Überleben hing bis vor Kurzem vom Goodwill der Banken ab. 2008 hat Rieu einen Verlust von 14 Millionen Franken eingefahren. Der Musiker sah sich gezwungen mehrere Gebäude zu verpfänden. Als Garantie für Kredite stellte er unter anderem seine Stradivari-Geige zur Verfügung, die er vor 10 Jahren für rund 1,5 Millionen Franken erworben hatte. «Alles, was ich geliebt habe, selbst mein eigenes Haus war ich bereit den Banken zu geben», sagt er im «Telegraaf».
Die grösste mobile Bühne der Musikgeschichte
Wie konnte der höchst erfolgreiche Musiker so tief fallen? Rieu ist ein Perfektionist, bei den prunkvollen Shows muss jedes Detail stimmen, von der Plastikblume bis zu den Kostümen der Musiker. Bei seiner letzten Welttournee hatte er sich allerdings übernommen. Eine Lastwagenkolonne wie bei einem Popstar fuhr das Equipment von einer Metropole zur anderen. Als Kulisse diente die nachgebaute Fassade des Schlosses Schönbrunn, mit 130 Metern Breite und 30 Metern Höhe die grösste mobile Bühne, die je im Musikbusiness zum Einsatz kam. «Man muss dem Publikum für sein Geld etwas bieten», so das Motto Rieus. Er bot ihm zu viel, wie sich im Nachhinein herausstellte.
Zum Verhängnis wurde Rieu der Ausflug nach Australien. Er habe 220 Container verschifft und 215'000 Hotelübernachtungen für 550 Personen gebucht, so Rieu. Hinzu kamen unvorhergesehene Kosten. «Zweimal hat die Feuerwehr unser Schloss Schönbrunn nicht angenommen.»
Mittlerweile stehe es wieder besser um die Firma, ein Grossteil der Verbindlichkeiten sei abgetragen. «2009 war eines unserer besten Jahre», beteuert Rieu gegenüber dem «Telegraaf». Das Australien-Abenteuer habe sich trotz allem gelohnt: «So haben wir ganz neue Märkte erschlossen.» (rb)
Erstellt: 18.02.2010, 11:21 Uhr
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