Kultur

Was aus einer 120-Millionen-Spende entstehen könnte

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 20.12.2010 11 Kommentare

Vor einigen Wochen zogen die Donatoren ihre 120-Millionen-Franken-Spende für die Luzerner Salle Modulable zurück. Die Verantwortlichen wollen das Riesenprojekt dennoch vorantreiben.

1/4 So könnte der Bau aussehen: Salle Modulable am Luzerner Lido.
Visualisierung: pd

   

Werbevideo der Stiftung Salle Modulable.

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Die Verantwortlichen des spektakulärsten Kulturprojekts der Schweiz rücken auch nach schweren Rückschlägen nicht von ihren Plänen ab. Vor einigen Wochen zogen die Erben des Milliardärs Christof Engelhorn ihre 120-Millionen-Franken-Spende für die neuartige Konzerthalle in Luzern zurück, dennoch heisst es in einer heute veröffentlichten Medienmitteilung: «Dank der grosszügigen und visionären Donation von 120 Millionen Franken wurde die nunmehr abgeschlossene Konzeptarbeit möglich.» Und: «Sämtliche Partner der Projektierungsgesellschaft erachten das Projekt Salle Modulable als einzigartige Chance, den Kulturstandort Luzern nachhaltig weiterzuentwickeln.» Sämtliche Partner? Den wichtigsten müssen die Richter überzeugen. Die Salle Modulable behält sich vor, das Geld nun per Gericht zu erstreiten, allerdings kommt erschwerend hinzu, dass die Stiftung, die das Engelhorn-Geld verwaltet, auf den Bermudas ihren Sitz hat.

Doch selbst wenn es gelingen sollte, das Geld gegen den Willen der Spender zurück nach Luzern zu holen, steht dem Projekt ein weiteres Hindernis im Weg: das Volk. Ob die Luzerner einem Projekt zustimmen, das eine Neuordnung der gesamten etablierten Kulturszene mit sich bringt und nur dank einer vor Gericht erstrittenen Spende aus dem Steuerparadies Bermudas möglich wird, ist alles andere als sicher.

Altes Luzerner Theater wird geschlossen

Das Konzept ist dennoch faszinierend. Ein Gebäudekomplex am Lido (in der Nähe des Verkehrshauses) soll dem Luzerner Theater, dem Orchester und der Musikhochschule eine neue Heimat bieten. Vor allem aber soll das Lucerne Festival neben dem KKL eine international angesehene neue Spielstätte für zeitgenössische Musik erhalten. Das alte, zentral gelegene Luzerner Theater wird gemäss dem Konzept geschlossen.

Vorgesehen ist ein Ganzjahresbetrieb, drei Monate spielt das Festival, neun Monate das Theater. Zwölf Monate Theater und Konzert in der kleinen Stadt Luzern? Gemäss dem Betriebskonzept soll dies aufgehen. Heute verzeichnet das Luzerner Theater jährlich rund 75'000 Besucher, in dem präsentierten Spielkonzept sollen es in den neun für das Theater reservierten Monaten mit gut 60'000 Besuchern etwas weniger sein, allerdings sind auch bedeutend weniger Vorstellungen vorgesehen.

Das Investitionsvolumen wird mit 157 Millionen Franken angegeben, 120 Millionen davon sollen vom alten oder einem neuen Spender übernommen werden, der Rest von den verschiedenen öffentlich finanzierten Kulturinstitutionen. Glaubt man das Geld tatsächlich noch auftreiben zu können? In der Medienmitteilung heisst es dazu bloss: «Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse ist die Stiftung Salle Modulable bestrebt, in Bezug auf die Donation eine Klärung herbeizuführen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2010, 14:32 Uhr

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11 Kommentare

Sam Pirelli

20.12.2010, 15:35 Uhr
Melden

Das KKL kostete 240 statt 170 Mio., nach wenigen Jahren musste ein erster Nachtragskredit über 18 Mio. an die Urne, und jetzt machen die Betreiber wieder die hohle Hand beim Steuerzahler: Bis zu 40 Mio. wollen sie, für die bereits fällige Renovation - das Haus ist erst seit 10 Jahren offen. Ein weiteres Millionengrab kann sich Luzern nicht leisten, zumal man sich dem Steuerwettbewerb unterzieht. Antworten


Karrinka Suser

20.12.2010, 19:17 Uhr
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Nein danke! Der Normalbürger will den Reichen nicht noch ein Protzbau schenken! Antworten



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