Klassiker der Woche: Zwei Drittel Vivaldi

Das Royal Philharmonic Orchestra unterstützt die Krebsforschung – mit einem ungewöhnlichen Auftritt.

Leere Stühle, fehlende Töne: Das Royal Philharmonic Orchestra hat eine klare Botschaft. (Youtube/Cancer Research UK)

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Doch, man erkennt das Stück: Vivaldi, «La primavera». Aber da fehlt doch was, oder eigentlich ziemlich viel – genau gesagt: ein Drittel der Noten. Es ist ein symbolisches Drittel. Eines, das darauf hinweist, dass ein Drittel der Gelder für die Krebsforschung in Grossbritannien aus Nachlässen kommt. Und darauf, wie viel fehlen würde ohne dieses Geld.

Dass die englische Krebsforschung mit einer solchen Aktion auf die Bedeutung solcher Spenden hinweist, dürfte auch damit zu tun haben, dass Nachlässe hart umkämpft sind. Medizinische Einrichtungen, Tierschutzorganisationen, kulturelle Institutionen: Sie alle hoffen darauf, dass ihnen Menschen, die ihnen im Leben nahestanden, zumindest einen Teil ihres Vermögens hinterlassen.

Und man beschränkt sich dabei längst nicht mehr überall aufs Hoffen – sondern versucht, die Entscheide rechtzeitig zu beeinflussen. Taktvoll natürlich, was nicht ganz einfach ist; manche Institutionen haben eigens Leute eingestellt, die älteren Menschen aufzeigen sollen, was sie mit ihrem Erbe bewirken könnten.

So verständlich und sinnvoll ein solches Vorgehen sein mag, irgendwie bleibt es einem ein bisschen unsympathisch. Jedenfalls unsympathischer als diese Vivaldi-Aktion: Ganz ohne Worte und zielbewusste Hausbesuche bekommt man da mit, worum es geht. Man hört die fehlenden Töne, sieht die leeren Stühle. Und kann selber seine Schlüsse ziehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.04.2017, 11:00 Uhr

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