2009 – ein Jahr zum Lachen

Krisen haben ihre guten Seiten: Sie sind fruchtbare Zeiten für Karikaturisten. Ghadhafi, UBS oder jetzt auch der Minarette-Wirbel liefern ausgiebig Stoff für gezeichnete Satire. Das sensationelle Karikaturenjahr 2009 - jetzt zeigen Sie mal Humor!

1/20 Schweizer Bundesräte als Marionetten: Orlando Eisenmann in der «Südostschweiz».

   

Hans-Rudolf Merz und Muammar Ghadhafi – ein geeigneteres Duo für Karikaturisten ist kaum vorstellbar. Sowohl was ihre Physiognomie betrifft als auch von ihrem Gebaren her sind die beiden die ideale Zielscheibe für gezeichnete Satire. «Tages-Anzeiger»-Karikaturist Felix Schaad entwickelt zu den Figuren so etwas wie eine Beziehung: «Bundespräsident Merz habe ich richtig gerne bekommen, er hat uns auf so liebenswürdige Art Stoff geliefert.»

Auch Boni-Zahlungen oder Staatshilfen an Banken lassen sich hervorragend karikieren – viele prall gefüllte Geldsäcke flogen im vergangenen Jahr durch die Luft. Trotz den dankbaren Sujets herrscht bei den hiesigen Karikaturisten aber nicht nur Freude. So sehr die Krise ihr Schaffen beflügelt, so sehr sind sie auch selbst von ihr betroffen. «In Folge der Medienkrise sind die Honorare gesunken, die Aufträge weniger geworden», sagt Marco Ratschiller, Chefredaktor des «Nebelspalter» und Mitorganisator der Ausstellung «Gezeichnet09», einer Jahresschau von Schweizer Karikaturen. Er spüre dies auch insofern, als dass viel mehr Karikaturisten im «Nebespalter» publizieren wollten. Am stärksten treffe es die Zeichner in der Westschweiz, wo Karikaturen und Cartoons seit jeher einen höheren Stellenwert geniessen als in der Deutschschweiz.

Klassentreffen der Karikaturisten

Felix Schaad ist fest angestellt beim «Tages-Anzeiger», die meisten Karikaturisten in der Schweiz arbeiten aber als Freelancer und können nicht zu hundert Prozent von ihrem Metier leben. Viele arbeiten nebenher oder Hauptberuflich als Grafiker oder Illustratoren. Was die wenigen Stars der Branche, wie zum Beispiel ein Patrick Chappatte verdienen, ist nicht bekannt. «Wie überall wird auch bei uns nur ungern über Löhne gesprochen», sagt Ratschiller.

Rund 200 Werke von 45 Karikaturisten werden bei «Gezeichnet09» ausgestellt. Die Künstler konnten selbst auswählen, welche ihrer Bilder Einzug finden. Einziges Kriterium: Die Karikaturen mussten im Jahr 2009 irgendwo publiziert worden sein. Für die Karikaturisten ist die Schau auch so etwas wie ein Klassentreffen. «Wir arbeiten immer alleine, hier können wir uns austauschen», sagt Felix Schaad. Für die Besucher bedeutet die Schau einfach ein Vergnügen. Dank und trotz der Krise. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2009, 14:27 Uhr

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2 Kommentare

Stephan Schwan

01.12.2009, 12:19 Uhr
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Es wird einige Zeit vergehen müssen, bis man über eine Karikatur zum Minarettverbot wieder schmunzeln kann. Tragisch, wie die Angst vor einem Konflikt mit dem Islam genau diesen Konflikt produziert. Anstatt die eigene Schädigung anzuschauen, nehmen die Initianten eine Schädigung der Gesellschaft in Kauf. In Deutschland wäre diese Kampagne wohl als Volksverhetzung verboten worden. MFG Stephan Antworten


Mike J. Zimmermann

01.12.2009, 09:10 Uhr
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Es stimmt halt doch: "Bilder sagen vielfach mehr, als tausend Worte." Ich bewundere die Künstler, die mit, mehr oder weinigen Strichen, unsere Lage - weltweit oder lokal, politisch oder ethisch - treffen und uns umissverständlich den Spiegel vor die Nase halten. Kompliment auch an die Redaktion für die Auswahl. Freundliche Grüsse Mike J.Zimmermann Rüschlikon Antworten



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