Basquiat-Retrospektive in der Fondation Beyeler
Der 1960 geborene Basquiat fiel erst mit Graffities sowie als Musiker und Schauspieler im New Yorker Untergrund auf, bevor er als Künstler entdeckt wurde. Gefördert von Andy Warhol war er bald ein Star, arbeitete unter anderem mit Keith Haring oder Francesco Clemente zusammen und zeigte sich mit Madonna und Debbie Harry.
Seine Mutter war aus Puerto Rico und sein Vater aus Haiti in die USA gekommen; Basquiat selber hatte keine künstlerische Ausbildung. Als Jugendlicher verzierte er Hausmauern in SoHo und U-Bahn-Waggons mit zornig-wilden Werken. Voller Energie sprayte er an gegen Kapitalismus, Ungleichheit und Rassismus - er war dunkelhäutig.
Als Inspirationsquellen nutzte er Comics, Kinderzeichnungen, Werbung und Pop Art, aber auch alte lateinamerikanische, afrikanische und europäische Kulturen. Alltagsobjekte, Skelette und Masken geistern durch seine Bilder; Piktogramme laden diese mit Informationen auf, Popkultur und Kulturgeschichte ironisierend.
Wild stilbildend
Innert acht Jahren schuf Basquiat ein Œuvre von rund 3000 Werken; weshalb ihn die Fondation Beyeler mit Egon Schiele vergleicht. Neben den damals vorherrschenden konzeptuellen Kunst und der Minimal Art etablierte er neue figurative und expressive Elemente. Er war so wichtiger Vorläufer der Jungen Wilden wie auch der Kunst der 1990er-Jahre.
Als 21-Jähriger war er einer der jüngsten Teilnehmer an der Documenta in Kassel (D). Später wurde Basquiat auch an der Art Basel und der Biennale von Venedig gefeiert.
Die am Sonntag öffnende Ausstellung ist die erste umfassende Retrospektive in Europa. Sie soll mit rund 100 Hauptwerken aus amerikanischen und europäischen Museen sowie privaten Händen aus aller Welt Basquiats Neubewertung und Neuentdeckung ermöglichen.
Die von der New Yorker Estate of Jean-Michel Basquiat unterstützte Ausstellung der Fondation Beyeler ist bis am 5. September in Riehen zu sehen. Sie wird kuratiert von Dieter Buchhart und Fondation-Direktor Sam Keller. Wer sie verpasst, hat danach im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris noch eine Gelegenheit. (sda)
Erstellt: 09.05.2010, 20:23 Uhr
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