Bilder ohne Ende

Am Freitag öffnet in den Zürcher Maag-Hallen mit der Photo 16 die grösste Fotografieschau der Schweiz ihre Tore.

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Japanischer Fischmarkthinterhof stösst auf Plüschmütze? Kann es geben, diese Konstellation, zumal an der Photo 16. Die grösste Fotografiewerkschau der Schweiz, die seit 2008 jeweils Anfang Januar in der Maag-Halle das Zürcher Kunstjahr einläutet, bringt per Definition zusammen, was nicht zusammengehört. Eben etwa die auf einer dreiwöchigen Zugreise durch Japan entstandenen Bilder des 19-jährigen ZHDK-Anwärters Louis Vaucher – der sich die zwischen Tradition und Fortschritt, Disziplin und Dekadenz festgeklemmte japanische Gesellschaft zur Brust genommen hat – und die surrealen Wohnzimmer von Ellin Anderegg.

Die 30-jährige Solothurnerin, seit längerem auf den Achsen Zürich–Paris und Mode–Werbung unterwegs, hat für ihre Fotoserie «The Twisted Mind of Miss Wu» ein Model in einem (Alb-) Traum aus erst weiss getünchten und dann mit literweise Knallfarbe übergossenen Möbeln Platz nehmen und sich lustvoll über ein Berglein glasierter Äpfel hermachen lassen. «Die verspiegelten Augenhöhlen waren die Idee der Stylistin», bekennt die Fotografin. «Um der Szene noch ein Quäntchen Horrorfilm einzuimpfen.» Eine Foodporn-Fantasie zwischen Alice im Geisterland und Hochglanzmagazin? Passt, irgendwie.

Unentdecktes und Altbekanntes

Vaucher und Anderegg sind zwei aus insgesamt 150 Fotoschaffenden aus der Schweiz und dem nahen Ausland, die heuer über 1000 Fotos auf fast 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zeigen werden. Wer sich im Laufe der kommenden fünf Tage also aufs Maag-Areal begibt, sollte einen frischen Blick und bequemes Schuhwerk mitbringen. Oder einen ausgetüftelten Marschplan. Wobei: Am schönsten ist die Photo, wenn man sich quer durch die Vielfältigkeit der hiesigen Fotoproduktion treiben lässt, auf bisher Unentdecktes oder auf alte Bekannte stösst, einen Happen an der Bar einwirft und dann wieder in die Menge eintaucht.

Wer ein strukturierteres Programm vorzieht, setzt auf das Photo-Forum, also das diskursive Rahmenprogramm der Photo. Wie jedes Jahr sind auch diesmal wieder interessante Persönlichkeiten auf dem Podium; Christopher Morris zum Beispiel, der in den Nullerjahren gewissermassen Hausfotograf der USPräsidenten im Weissen Haus war. Oder der aus Appenzell stammende Kriegsfotograf Dominic Nahr, der, erst 33-jährig, für seine Arbeit in Kenia und im Kongo bereits mit zwei World Press Photo Awards ausgezeichnet wurde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 07.01.2016, 08:31 Uhr)

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