Kultur

Das Einmaleins von Mummenschanz

Von Christoph Fellmann. Aktualisiert am 07.10.2011

Ein Stoffschlauch ist ein Abflussrohr ist ein Gorilla. Und ein Stoffsack ist ein Herz ist ein Sackgesicht. Alles ist möglich bei Mummenschanz und das seit 40 Jahren. Die Jubiläumstournee zeigt aber auch Schwächen auf.

1/7 «Ich bin auch ein Rohr, aber nicht nur.» Bei Mummenschanz ist seit 40 Jahren fast alles möglich. Hier eine Szene aus der Jubiläumstournee, die am 4. Oktober gestartet ist.
Bild: Keystone

   

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Bis 15. 10. im Theater 11, Zürich; danach Schweizer Tournee.

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Jedes einzelne Ding kann vieles sein, und ein Mensch sieht so aus und fühlt sich so, wie er zuvor sein Gesicht geformt hat. Aus diesem grundlegenden Einmaleins des Theatermachens stellen Mummenschanz seit vierzig Jahren ihre Abende zusammen. Auf ihrer Jubiläumstournee quer durch die Schweiz zeigen sie einen Ausschnitt aus den hundert Nummern, die sie im Repertoire haben. Es ist die Abschiedstournee von Bernie Schürch, der die Truppe 1971 mitbegründete und sie im nächsten Sommer verlässt.

Seltsame Wesen

Wie die Premiere im ausverkauften Theater 11 zeigte, machen Mummenschanz dabei keine Zugeständnisse ans Showbusiness von heute und weichen kein Jota von ihrer Ästhetik ab. Sie reduzieren das Theater auf die pure Scharade. Kein Wort, keine Musik, und die einzige Pyrotechnik besteht aus einer gespielten Flamme. Es gibt auch keine süffige Storyline, sondern nur seltsame Wesen, die sich verformen und verausgaben während ihrer kurzen Geworfenheit auf der Bühne. Dabei ist ihnen das, was man früher das «Menschlich-Allzumenschliche» nannte, natürlich nicht fremd: Sie nähern sich einander an, sie pfuschen sich in ihre Existenz, sie verhöhnen und versöhnen sich.

Diese ästhetische und inhaltliche Reduktion ist die Stärke, aber auch die Schwäche von Mummenschanz. Auch nach vierzig Jahren kommen ihre Nummern wie Etüden auf die Bühne – klar und unschuldig zwar, aber oft auch wie eine erste, noch naive Idee. Also sieht man immer neuen Kostümteilen zu und wie sie auf ihre Wandelbarkeit abgeklopft werden. Wie immer neue Tiere und immer neue Gesichter entstehen. So geht dieses theatralische Grundrechnen dann auf die Dauer nicht mehr auf: Eins mal eins gibt dann eben doch immer nur das Gleiche. Eins.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2011, 10:20 Uhr


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