«Das sind durchgeknallte Künstler, die irgendeinen Mist ablassen»
Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 26.02.2010 66 Kommentare
Weiss, was Kunst ist und was nicht: Christoph Mörgeli. (Bild: Keystone)
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Der Swingerclub im Museum
Der Schweizer Künstler installierte in der Wiener Kunsthalle Secession einen Swingerclub, in dem es Abends zur Sache geht. Die Pro Helvetia förderte das Projekt mit 15'000 Franken, zum Ärger einiger Politiker. Auch in Österreich beschäftigt der Fall die Politik ebenso wie die Boulevardpresse.
Herr Mörgeli, hat sich Christoph Büchel schon bei Ihnen bedankt?
Weil er jetzt bekannt geworden ist?
Weil Sie genau so reagiert haben, wie er es sich erhofft hat.
Nein, nein, er hat sich nicht bedankt.
Sie haben gesagt, der Swingerclub im Museum sei Ausdruck der «Verblödung der Gesellschaft». Ist es nicht mindestens ebenso blöd, auf jede Provokation gleich mit dem Ruf nach Subventionskürzungen zu reagieren?
Man muss die Pro Helvetia als Ganzes anschauen. Wir haben auch das Feedback von vielen Botschaften im Ausland, die sich richtiggehend schämen für die Pro-Helvetia-Kulturdarbietungen, die sie präsentieren müssen. Darunter hat es durchgeknallte Künstler, die irgendeinen Mist ablassen. Das macht im Ausland nichts als einen schlechten Eindruck.
Aufgrund einer Einzelaktion Subventionskürzungen zu fordern, das ist, wie wenn man allen Bauern die Zuschüsse kürzt, nur weil einer zu viel Gülle aufs Feld geschüttet hat.
Schauen Sie, die Pro Helvetia ist ein Fehlkonzept. Kulturförderung dürfte in unserem föderalistischen System nicht Sache des Bundes sein, höchstens der Kantone.
Sie führen mit dem Medizinhistorischen Museum der Uni Zürich auch eine Kulturinstitution. Müsste man Ihr Museum nicht auch wegsparen?
Mein Museum hat einen staatlichen Bildungsauftrag. Ob der, wie ich meine, sinnvoll ist, entscheidet der Kanton. Bisher fand man: ja. Aber wenn ich solches Zeug wie der Büchel ablassen würde, wäre ich schon längst nicht mehr da.
Im Gegenteil. Wenn Sie Büchel zeigen würden, erhielten Sie noch mehr Geld, vielleicht sogar von der Pro Helvetia...
Nein, da wären ich und das Museum schon am nächsten Tag weg. Stellen Sie sich vor, ich würde eine solche Installation montieren! Ich... Nein, das wäre unmöglich... So etwas können sich nur die Linken leisten.
Was hat denn eine Swingerclub-Installation mit Linken und Rechten zu tun?
Sagen Sie mir mal einen Kulturschaffenden, der nicht ein Linker ist.
Wir kommen vom Thema ab. Weshalb soll Ihr Museum Subventionen erhalten und Büchel nicht?
Schauen Sie, seit 25 Jahren bin ich mit dem Vorwurf konfrontiert, ich solle beim Thema sparen still sein, ich arbeite ja beim Staat. Für mich ist das erst recht ein Grund, sparsam mit Steuergeldern umzugehen.
Darum geht es nicht. Die Frage ist: Nach welchen Kriterien sollen Subventionen gesprochen werden?
Es ist doch relativ klar, dass es sich nicht um Kunst handelt, wenn ein Hirschhorn auf das Bild eines Bundesrates pinkelt oder wenn ich einen WC-Deckel an der Wand montiere - auch wenn dies im Kunstmuseum geschieht. Die Leute lassen sich zu viel bieten.
Nochmals: Nach welchen Kriterien soll entschieden werden? Geht es einfach darum, ob etwas dem Christoph Mörgeli gefällt?
Nein, aber ein Swingerclub in einem Museum ist keine kulturelle Leistung – und 95 Prozent der Bevölkerung sind da wohl mit mir einig. Die Pro Helvetia findet das aber super, offenbar haben die zu viel Geld.
Bei jeder Budgetdebatte will die SVP der Pro Helvetia das Geld kürzen. Ausser nach dem Fall Hirschhorn immer erfolglos. Denken Sie, dass Sie nach dem Fall Büchel eine Mehrheit zusammenbringen?
Das ist schwierig zu sagen, chancenlos sind wir aber sicher nicht.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.02.2010, 15:36 Uhr
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66 Kommentare
Kürzlich habe ich die Lektüre von RJ Ewans Werk "Das Dritte Reich. Diktatur." beendet. Den Satz, den dieser Schweizer Politiker hier äussert "Es ist doch relativ klar, dass es sich nicht um Kunst handelt, wenn..." ist dort zitiert, mit einem winzigen Unterschied nur: statt relativ hatte der NDSAP-Ideologe Alfred Rosenberg gesagt es sei absolut klar. Er sprach von den Kubisten damals. Erschreckend! Antworten
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