Kultur

Des Schweizers liebste Erinnerungen

Fotoalben stecken voller Erinnerungen. Was kleben die Leute besonders gerne darin ein? Eine Künstlerin hat Schweizer Familienalben nach typischen Bildern durchstöbert – und dabei auch Sonderbares entdeckt.

1/14 Privates öffentlich gemacht: Bilder aus Schweizer Fotoalben neu zusammengestellt von der indonesischen Künstlerin Fiona Tan.
Bild: Fiona Tan/Aargauer Kunsthaus

   

Ausstellung & Publikation

Fiona Tan: Vox Populi Switzerland, Aargauer Kunsthaus Aarau (im Rahmen der Ausstellung «Yesterday Will Be Better»),
21. August bis 7. November.
Publikation zum Projekt bei Book Works.
www.aargauerkunsthaus.ch

Stichworte

Babyfotos, Geburtstage, die Kommunion – es gibt Motive, die in keinem Fotoalbum fehlen, egal aus welcher Schicht oder aus welchem Landesteil die Urheber stammen. 90 Fotoalben aus der ganzen Schweiz hat die in den Niederlanden lebende indonesische Künstlerin Fiona Tan für ihr Projekt «Vox Populi Switzerland» gesichtet. Zuvor hat sie dasselbe bereits in Norwegen, Sydney und Tokio gemacht, demnächst kommt noch London hinzu.

Bei der Suche nach Fotoalben stellt Tan nur wenige Bedingungen: Sie beschränkt sich auf Farbfotos, die eingeklebt sind. Da Farbbilder für den Privatgebrauch erst ab den 50er- oder 60er-Jahren verbreitet waren und seit dem Durchbruch der Digitalfotografie kaum mehr Fotos in Alben geklebt werden, ist der zeitliche Rahmen klar abgesteckt. Wichtig dabei ist: Die Bilder müssen von Amateuren stammen. «Amateure fotografieren ihre Kinder ganz anders als Profis», sagte die Künstlerin kürzlich auf Radio DRS 2. Auch professionelle Hochzeitsalben seien zwar schön, viel vom Charakter und der Eigenwilligkeit gehe aber darin verloren.

Was Schweizer gerne fotografieren

Was unterscheidet ein Schweizer Familienalbum von anderen? Von bestimmten Motiven wie Fasnachtsbildern war Tan besonders angetan. Aufgefallen ist ihr auch, wie gerne Schweizer angerichtetes Essen, Kuchenbuffets und Partys fotografieren. Eine Schweizer Eigenheit: Bilder von gedeckten Tafeln, ohne dass jemand am Tisch sitzt. Als wollten die Gastgeber festhalten, wie schön sie alles für die bald eintreffenden Gäste vorbereitet haben. «Das habe ich andernorts noch nie gesehen», sagt sie. Unterschiede gebe es auch in der Qualität: «Die australischen Bilder sind schlampiger als die norwegischen.» Dies liege an den Kameras, die in den entsprechenden Ländern verbreitet sind, aber auch an der unterschiedlichen Qualität der Filmentwicklung.

Aus den 90 Schweizer Alben hat Fiona Tan 250 Bilder ausgewählt, die in der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus in Aarau gezeigt werden. Die Auswahl erfolgt keineswegs zufällig. So ist offensichtlich, dass Tan landestypische Motive bevorzugt: Familien beim Wandern, Berge, Kühe und natürlich die obligaten Skiferien- und Schneemannbilder machen eine beachtlichen Teil der Auswahl aus. Sie ist überzeugt, einen Querschnitt des Schweizer Familienlebens zeigen zu können, mit ihrer eigenen Note.

Spiel mit der Erinnerung

Manchmal öffnen sich ganze Abgründe, wenn zum Beispiel die Kinder so aussehen, als habe man sie dazu prügeln müssen, im Festtagskostüm brav in die Kamera zu lächeln. Oder wenn die Einsamkeit der fotografierten Menschen spürbar wird, selbst wenn sie sich nichts ansehen lassen wollen. Die Bilder sind nach Motiven geordnet, unkommentiert; von wem sie stammen, weiss man nicht. Damit liegt es am Betrachter, die Geschichten dahinter auszudenken. Was diese privaten Bilder wildfremder Menschen vor allem auslösen: Sie wecken eigene Erinnerungen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.08.2010, 14:41 Uhr

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7 Kommentare

Dante Eggenberger

14.08.2010, 19:20 Uhr
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@ S. Mueller: Interessant, hab grad im Ggs. zu Ihnen gedacht: Wieder mal goldrichtig getroffen und geschrieben von Rico Bandle. Das Wichtige dargestellt, den Leser gut und kurz gefuehrt. Wir (Leser) duerfen nicht vergessen, was Medien in erster Linie sind: Mittler. Sie vermitteln zw. Ereignis und uns, informieren. Wenn ich mehr wissen will, ... Antworten


Daniel Zurbriggen

14.08.2010, 05:49 Uhr
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das einzig Vernünftige an der Schweiz ist eben genau dies, das es kein einheitliches Bild gibt und darum sag ich mal an Beuys angelehnt ."jeder ist ein Schweizer" Antworten


Manuela Keller

13.08.2010, 23:45 Uhr
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@Herr Lardi und Herr Müller: Es wäre schön, wenn man das Niveau der Kommentare wieder etwas heben könnte. Wie schon der Herr vor mir gesagt hat - das Lesen der Artikel ist freiwillig!! Antworten


Marco Lardi

13.08.2010, 21:21 Uhr
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Heutzutage wird schon alles als Kunst verkauft, früher hatten wir uns Witze über Kunst erzählt, wie diesen hier: Was ist Kunst? In einem Runden Haus in eine Ecke zu sch......! Antworten


Michael Bösch

13.08.2010, 21:06 Uhr
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@Sandro Müller: was für ein nutzloser Kommentar. Wenn's Ihnen nicht passt, brauchen Sie den Tagi ja nicht zu lesen. Antworten


Lukas Gabenthuler

13.08.2010, 20:17 Uhr
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@Sandro Müller: Muss eine Tageszeitung immer tiefgängige Tagesnews herausbringen? Es darf doch auch mal in der oft melancholischen Vergangenheit geschwelgt werden, und etwas Kindererinnerungen kommen doch beim Lesen dieses Artikels wohl auf. Es darf durchaus mal ein humoristischer Artikel geschrieben werden, Mord und Totschlag bringen die anderen Zeitungen schon genug. Antworten


Sandro Müller

13.08.2010, 15:08 Uhr
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das war ja wahnsinnig aufschlussreich - kopieren Sie eigentlich nur von anderswo? Gehen Sie doch mal raus und "bleiben Sie dran" - ödes Blatt aber auch im Übrigen haben Sie vergessen, einen Zus.hang zum Scheitern der UBS herzustellen; die ist nämlich, wie wir dank Tagi wissen, an allem Schuld Antworten



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