«Die Flutkatastrophe verwundert mich nicht»
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 17.08.2010 4 Kommentare
Fotokünstler auf Achse: Reto Camenisch in Indien. (Bild: Fabienne Bateza)
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Ausstellung
Reto Camenisch, «Weit- und Nahsichten», Galerie Bernhard Bischoff & Partner im Progr, Bern, 3. September bis 16. Oktober 2010.
www.camenisch.ch
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«Dass es zur Hochwasserkatastrophe gekommen ist, verwundert mich nicht», sagt Reto Camenisch im Gespräch. Der Fotograf war im vergangenen Jahr von März bis November in Indien, Tibet und Nepal für sein Projekt unterwegs, drei Monate davon zu Fuss. «Diese Landschaften, die Erosion, ein Boden, in dem kein Wasser versickern kann, da sind Hochwasser keine Überraschung», sagt er. Die Region Ladakh im Norden Indiens, die Camenisch durchwandert hat, ist heute wie Pakistan von der Flutkatastrophe betroffen.
Der Fotokünstler hat in seiner Langzeitarbeit zwar die Natur zu seinem Thema gemacht, nicht aber die Naturschönheit. «Wenn man sich über Wochen draussen aufhält, hat die Natur nichts Romantisches mehr. Das Bild der romantischen Natur ist eine Projektion von Leuten, die in der geheizten Wohnung sitzen», sagt er.
Existenzielle Fragen
Die Kraft, die rohe Gewalt, die die Natur ausüben kann, ist in den grossformatigen Naturbildern Camenischs offensichtlich. Das meist karge Gebirge wirkt bedrohlich, die Wolken wiegen schwer, als trügen sie das nächste Unheil heran. «Mir ist wichtig, dass ich für meine Projekte viel Zeit an den jeweiligen Orten verbringen kann», sagt er, «die Zeit verändert die Wahrnehmung.» Urs Stahel, Direktor des Fotomuseums Winterthur, beschreibt die Arbeitsweise des in Thun lebenden Künstlers folgendermassen: «Er verlässt die Achsen der Moderne, entzieht sich dem Zeitraster der Gegenwart und geht hinaus, geht so lange, bis der Brustkorb erst weiter und dann der Atem langsamer wird.»
Menschen sieht man auf den Bildern kaum. Trotzdem geht Camenisch das Schicksal der Leute nahe. «Ich sehe mich als politischen Menschen, trotzdem möchte ich die zum Teil furchtbaren Vorgänge in dieser Region nicht in meine künstlerische Arbeit einfliessen lassen.» Seine Hauptfragestellung ist eher philosophisch als politisch: Welche Bedeutung hat die eigene Existenz angesichts der gewaltigen Naturkräfte? Die Antwort hat die Hochwasserkatastrophe gegeben: Eine eher bescheidene.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.08.2010, 15:24 Uhr
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4 Kommentare
Die Bilder vom Genfersee sind gleich schwarz wie die Bilder von Nepal und Tibet usw.. Ich glaube nicht, dass es am Genfersee deshalb nächstens eine Klimakatastrophe geben wird. Die Bilder sind sicher bewusst düster und trostlos gehalten und aufgenommen, deshalb wahrscheinlich auch in schwarzweiss. So wirkt die ganze Umgebung noch düsterer. Die Welt ist zum Glück farbiger! Antworten
In s/w und mit entsprechender Rahmung bzw. Bearbeitung wirkt auch ein Gänseblümchen bedrohlich. Die Bilder sind sehr subjektiv, wie auch schon das Interview zeigt. Natur ohne Schönheit ist eine Gleichung, die nicht aufgeht. Es ist die Ansicht EINES Fotografens - ein anderer hat vielleicht eine ganz andere. Antworten






Daniel Wüthrich
Wie meine Vorgängerinnen schreiben - die Natur ist farbiger - aber eben nur für diejenigen, welche in der geheitzten Wohnung sitzen. Antworten